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Die Vermögensfrage Privater Vermögensplan als Kompaß kluger Anleger

11.02.2006 ·  Der Finanzplan ist das Werkzeug professioneller Investoren, die sich nicht nur um einzelne Finanzverträge, sondern um ihr ganzes Vermögen kümmern. Ein gebündelter Überblick über Guthaben, Schulden und Zahlungen sorgt für Klarheit.

Von Volker Looman
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Der vollständige Finanzplan ist das Werkzeug professioneller Investoren, die sich nicht nur um einzelne Finanzverträge, sondern um ihr ganzes Vermögen kümmern. Hier geht es um die Frage, wie sich das gegenwärtige Vermögen unter Berücksichtigung sämtlicher Einnahmen und Ausgaben in den kommenden Jahren entwickeln wird. Die Tabelle besteht, wenn der Plan für zehn Jahre erstellt wird, aus elf Bilanzen und zehn Gewinn-und-Verlust-Rechnungen, die zu einem Plan zusammengefügt werden. Die Positionen sind in den Zeilen enthalten, die Jahre in den Spalten. Am linken Ende steht die erste Vermögensbilanz. Sie stammt vom 31.Dezember 2005 und enthält die Verträge, deren Einzelheiten in den letzten Vermögensfragen vorgestellt worden sind.

Der Investor hat 20.000 Euro in Termingeld angelegt. Die Kapitalversicherungen enthalten Rückkaufswerte von 90.000 Euro. Sie werden mit den Pfandbriefen, die 60.000 Euro wert sind, zu Anleihen von 150.000 Euro zusammengefaßt. Die Immobilien haben einen Verkehrswert von 500.000 Euro. Der Barwert des Arbeitseinkommens beträgt 1.431.844 Euro. Die Aktien können für 80.000 Euro verkauft werden. Die Restschulden liegen bei 250.000 Euro. Der Konsum schlägt mit 509.641 Euro zu Buche. Für die Vorsorge müßten, wenn die künftigen Prämien heute in einer Summe bezahlt werden würden, 134.982 Euro aufgewendet werden. Daraus leitet sich das Startvermögen von 1.287.221 Euro ab.

Ein vollständiger Vermögensplan wird erstellt

Im laufenden Jahr beginnt die Tabelle mit den Einnahmen und Ausgaben. Die Summe aller Einkünfte beträgt 2006 gut 199.000 Euro. In diesem Betrag stecken vier Positionen. Das Gehalt des Anlegers beträgt 180.000 Euro. Das Festgeld bringt 360 Euro, die Anleihen 2.280 Euro und die Immobilien 16.500 Euro. Die Ausgaben betragen im selben Jahr knapp 91.000 Euro und bestehen aus acht Posten. Die Kapitalversicherungen belasten mit 6600 Euro und die Kreditraten mit 23.500 Euro. Die Lebenshaltung kostet 48.000 Euro. Die Vorsorge führt zu Ausgaben von 12.600 Euro. Hinzu kommen die Steuern von 57.410 Euro, so daß dem Investor am Ende dieses Jahres rund 51.000 Euro bleiben. Der Überschuß steht für mehrere Dinge zur Verfügung: Konsum, Schuldentilgung oder Wiederanlage.

Zuvor zieht der Investor aber wieder Bilanz. Das Bild besteht Ende 2006 aus acht Teilen. In der Kasse liegen 51.000 Euro. Der Wert des Termingeldes steht weiterhin bei 20.000 Euro. Der Rückkaufswert der Kapitalversicherungen ist durch Prämien und Zinsen auf 99874 Euro gestiegen. Die Wertpapiere verharren bei 60.000 Euro, weil die Zinsen ausgeschüttet worden sind. Dadurch sind die Anleihen jetzt 159874 Euro wert. Die Immobilien bringen wieder 500.000 Euro auf die Waage. Das Humankapital notiert bei 1.386.779 Euro. Die Aktien sind durch Kurssteigerungen und Dividenden auf 85.600 Euro geklettert. Die Restschuld ist auf 239.859 Euro gesunken. Der Konsum und die Vorsorge stehen mit 486.023 und 128.727 Euro zu Buche. Das führt zu einem Nettovermögen von 1.348.675 Euro, so daß der Pegel im Vergleich zum Vorjahr um 61.454 Euro oder 4,77 Prozent gestiegen ist.

In den nächsten Jahren geht das Spiel nach demselben Muster weiter. Jedes Jahr werden die Einnahmen addiert, die Ausgaben zusammengezählt, die Steuern ans Finanzamt abgeführt. Der Überschuß fließt in die Kasse, die in Abhängigkeit des Vorzeichens mit einem Habenzins von 2 Prozent oder mit einem Sollzins von 6 Prozent verzinst wird. Wird ein Vertrag während des Betrachtungszeitraums fällig oder verkauft, landet die Geldanlage oder der Kredit zunächst in der Kasse. Umgedreht ist es genauso. Jede neue Investition wird erst aus der Kasse bezahlt. Sofern dort genügend Geld vorhanden ist, wird bar bezahlt. Wenn Geld fehlt, rutscht die Kasse ins Minus, und über den Sollzins wird automatisch ein Kredit angelegt.

Auf diese Weise entsteht ein vollständiger Vermögensplan. Mit "Vollständigkeit" wird der Aspekt beschrieben, daß in dieser Rechnung alles enthalten ist. Mit Hilfe des Plans wird der Privathaushalt als ein Objekt vollständig und nicht nur teilweise abgebildet, wie das zum Beispiel bei Wertpapierdepots der Fall ist. Die Karteikarten und der Finanzplan sind für Analytiker und Diagnostiker ein Röntgensystem. Die Stärken und Schwächen des Haushalts sind auf einen Blick erkennbar.

Das Unternehmen erwirtschaftet in diesem Fall jedes Jahr ausreichend Überschüsse, so daß die Zahlungsfähigkeit jederzeit gewährleistet ist. Der Kassenzufluß beginnt 2006 mit 51.000 Euro und wird 2015 mit 160.000 Euro seinen Höhepunkt erreichen. Die jährlichen Einnahmen hängen zu 90 Prozent von der Arbeitskraft des Anlegers ab. Wenn der Investor gesund bleibt und das Einkommen in der geschilderten Höhe fließt, bleibt alles im grünen Bereich. Wenn das jährliche Einkommen von 180.000 Euro zum Beispiel wegen Invalidität ausfällt, wird der Anleger dank der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zum Sozialfall, doch die Ampel schaltet auf Hellrot um.

Steuersparmodelle sind zu 95 Prozent keine Geldanlage, sondern Geldvernichtung

Die Steuerbelastung ist für den Anleger eine harte Nuß. Der Investor muß jedes Jahr zwischen 57.000 und 59.000 Euro abführen. Die hohen Abgaben schreien nach Entlastung, so daß es bei vielen Spitzenverdienern nur eine Frage der Zeit ist, wann sie umfallen. Das führt in aller Regel zu schmerzhaften Blessuren. Filmgeschäfte, Flugzeuge, Immobilien, Schiffe oder Windkraftwerke sind zu 95 Prozent keine Geldanlage, sondern Geldvernichtung. Die Zahlung der Steuern und die Optimierung des Portfolios sind im Vergleich zu unsinnigen Steuersparmodellen die bessere Lösung, und dies läßt sich mit vollständigen Finanzplänen beweisen.

Der erste Schritt ist das Verständnis für die Gesamtentwicklung in Prozent. Hinter diesem Fachbegriff verbirgt sich die jährliche Wertsteigerung des Vermögens. Im vorliegenden Fall beträgt das Vermögen anfangs rund 1.287.000 Euro. Es wird in den kommenden Jahren auf 1812000 Euro ansteigen, wenn die Prognosen, die auf den Karteikarten gestellt worden sind, in dieser Form eintreffen. Die 525.000 Euro, die in den kommenden zehn Jahren hinzukommen, entsprechen einem Wertzuwachs von 41 Prozent. Das ist eine Zunahme von 3,48 Prozent pro Jahr, wenn aus dem Quotienten des Endvermögens und des Startvermögens die zehnte Wurzel gezogen wird.

Die entscheidende Frage lautet: Was ist hier gemessen worden, und sind 3,48 Prozent nach Steuern viel oder wenig? Im vorliegenden Fall ist der ganze Haushalt vermessen worden, also auch die Arbeitskraft und die Lebenshaltungskosten der Familie. Bei dieser Betrachtung legt der Analytiker den ganzen Haushalt unters Mikroskop, prüft die Zahlen und stellt die Frage, ob er das "Familienunternehmen"für 1.287.000 Euro kaufen soll oder nicht.

Die Verzinsung von 3,48 Prozent ist nicht schlecht, doch sie ist wahrscheinlich nicht hoch genug, daß ein kluger Investor das ganze Unternehmen kaufen würde. Die Aussage mag einzelne Anleger vor den Kopf stoßen, doch die Tatsache, daß es in diesem Haushalt manchen Ansatz für Verbesserungen gibt, wird auch bei der Untersuchung einzelner Teilrenditen bestätigt. Man kann nun das Humankapital, den Konsum und die Vorsorge ausblenden und den Blick auf die Geldanlagen und Kredite konzentrieren.

In diesem Fall wird die Frage gestellt, wie rentabel das nackte Portfolio ist, bestehend aus Aktien, Bargeld, Immobilien, Krediten und Wertpapieren. Die Antwort lautet: 2,82 Prozent pro Jahr. Das bedeutet, daß das Humankapital der eigentliche "Renditeschub" des Vermögens ist. Wem die 3,48 Prozent bereits zuwenig sind, wird sich mit den 2,82 Prozent der Geldanlagen erst recht nicht zufriedengeben, so daß der Kauf des Privatvermögens höchstwahrscheinlich unterbleiben wird.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

Quelle: F.A.Z., 11.02.2006, Nr. 36 / Seite 20
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