23.09.2006 · Kapitalversicherungen sind bei älteren Menschen, die einen Teil ihres Privatvermögens übertragen wollen, beliebte Steuersparmodelle. Da das Schlupfloch vielen Finanzbeamten ein Dorn im Auge ist, soll das Privileg abgeschafft werden.
Von Volker LoomanKapitalversicherungen sind bei älteren Menschen, die einen Teil ihres Privatvermögens auf Freunde oder Verwandte übertragen wollen, äußerst beliebte Steuersparmodelle. Die Policen werden bei der Festsetzung der Erbschaft- und Schenkungsteuer nicht mit dem Marktpreis, sondern lediglich zu zwei Dritteln des eingezahlten Kapitals bewertet. Das führt zu erheblichen Vorteilen, so daß es kein Wunder ist, daß dieses Schlupfloch vielen Finanzbeamten ein Dorn im Auge ist. Jetzt soll das Privileg abgeschafft werden.
Im Bundesfinanzministerium liegt seit Wochen ein fertiger Referentenentwurf, dem zufolge Ansprüche aus Lebens-, Kapital- und Rentenversicherungen vom 1. Januar 2007 an mit dem vollen Betrag - also Kapital und Zinsen - bewertet werden sollen. Es steht zwar in den Sternen, ob und wann daraus ein Gesetz wird, doch das Vorhaben ist so alt, daß vieles dafür spricht, daß das Privileg bei der Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer fällt. Daher sollten sich Anleger, die bei der Übertragung ihres Vermögens weiterhin Policen einsetzen sollen, mit diesem Thema beschäftigen.
Vorteile der Lösung werden in folgendem Beispiel deutlich
Ein Unternehmer ist 75 Jahre alt und hat zwei Söhne im Alter von 48 und 46 Jahren. Der rüstige Senior möchte jedem Sprößling ein Depot mit Anleihen im Wert von einer Million Euro schenken. Darüber würden sich nicht nur die Kinder, sondern auch der Fiskus freuen. Jedes Depot wird bei der Festsetzung der Erbschaft- und Schenkungsteuer mit dem vollen Marktwert angesetzt. Danach wird je Sohn ein Freibetrag von 205.000 Euro abgezogen. Auf die restlichen 795.000 Euro sind 19 Prozent fällig, so daß jedes Depot um 151.000 Euro geplündert wird.
Dadurch werden die Söhne in Zukunft pro Nase nur noch 849.000 Euro besitzen. Falls die Papiere nicht verkauft werden, wenn das Kapital also weiterhin in den väterlichen Anleihen bleibt, werden vor Steuern voraussichtlich 4 Prozent pro Jahr erzielt. Davon gehen 50 Basispunkte an den Verwalter, so daß der Ertrag auf 3,5 Prozent pro Jahr sinkt. Ärgerlich ist die laufende Besteuerung der Erträge. Bei Aktien werden die Dividenden zur Hälfte besteuert, bei Immobilien sind Abschreibungen möglich, doch die Zinsen der Anleihen sind in voller Höhe steuerpflichtig. Daher müssen im vorliegenden Fall von den 3,5 Prozent rund 40 Prozent an die Staatskasse abgeführt werden, so daß der effektive Ertrag pro Jahr auf 2,1 Prozent schrumpft.
Wenn die jährlichen Zinserträge nicht verbraucht, sondern zu identischen Konditionen - also zu jährlich 2,1 Prozent - wieder angelegt werden, stehen zum Beispiel in 15 Jahren auf jedem Wertpapierkonto voraussichtlich 1 160 000 Euro. Dadurch beträgt die Rendite der Anleihen lediglich 0,99 Prozent pro Jahr. Wird im selben Zeitraum mit einer jährlichen Inflation von 2 Prozent gerechnet, dann schrumpft jede Million auf real 862 000 Euro, so daß die Familie auf lange Sicht enteignet wird.
Wegen der hohen Besteuerung der Schenkung und der Erträge liegt die Hausbank dem alten Herrn seit Monaten in den Ohren, in Liechtenstein oder in Luxemburg zwei Lebensversicherungen zu gründen. Das sah für den Unternehmer - einen ehrlichen Steuerzahler - lange Zeit nach Landesverrat und Steuerhinterziehung aus. Jetzt ist aber Bewegung in die Sache gekommen, weil der Unternehmer verstanden hat, daß das Schenkungsprivileg der deutschen Lebensversicherung in Kürze auslaufen wird. Daher hat er sich die Vorschläge im Detail angesehen, und die Vorteile sind in der Tat verlockend.
Dabei wird kein Unternehmen gegründet, sondern der Anleger erwirbt eine Hülle, in die bestehende Wertpapiere gesteckt werden. Der Kauf des Versicherungsmantels kostet in Luxemburg etwa 3 Prozent, so daß von den Anleihen 970.000 Euro in die Hülle fließen. Nach dem Kauf wird der Vertrag verschenkt. Hier fällt die übliche Erbschaft- und Schenkungsteuer an, doch die günstige Bewertung führt zu einem Rabatt. Die eingelegten 970.000 Euro werden zwei Dritteln angesetzt. Die 647.000 Euro werden wieder um den Freibetrag von 205.000 Euro gekürzt, so daß die steuerliche Bemessungsgrundlage auf 442.000 Euro sinkt. Darauf sind 15 Prozent fällig, so daß die Steuer 66 000 Euro beträgt.
Die Spesen und die Steuer führen unter dem Strich zu einem Startbetrag von 904.000 Euro pro Konto. An dem Depot ändert sich nichts. Die Papiere bleiben liegen, die Verzinsung beträgt 4 Prozent, und die Verwaltung kostet jährlich 50 Basispunkte. Jetzt kommen aber für den Versicherungsmantel weitere 50 Basispunkte hinzu, so daß per Saldo ungefähr 3 Prozent übrigbleiben. Das sind im Vergleich zum Depot ohne Versicherungsmantel vorerst 90 Basispunkte mehr, weil die Erträge der "Anleihen im Versicherungsmantel" erst bei Fälligkeit der Police besteuert werden. Durch den höheren Startbetrag und den stärkeren Zinseszinseffekt kann das Depot im Laufe der 15 Jahre von 904.000 auf 1.408.000 Euro wachsen.
Größter Vorteil der eigene Versicherung ist die Flexibilität
Die Besteuerung der Differenz, im vorliegenden Fall 504.000 Euro, hängt von den persönlichen Umständen ab. Wird die Police vor dem 60. Geburtstag des Besitzers fällig, wird die volle Differenz steuerpflichtig. Danach sind es nur 50 Prozent. Im vorliegenden Fall werden beide Söhne älter als 60 Jahre sein, so daß die Hälfte der Erträge als Einkommen betrachtet wird, also jeweils 252.000 Euro dem persönlichen Steuersatz unterworfen werden. Bei einem Wert von 50 Prozent werden 126.000 Euro fällig, so daß der Endwert pro Depot auf 1.282.000 Euro sinkt. Das sind 126.000 Euro mehr als beim Depot ohne Versicherungshülle. Der Vorteil kommt, das ist bei der Bewertung der Versicherung wichtig, nicht nur durch höhere Erträge, sondern durch Steuervorteile bei der Schenkung und den Zinsen zustande. Das bedeutet, daß die Kosten des Versicherungsmantels entscheidend sind. Je höher die Kosten der Police, desto niedriger ist der Vorteil. Bei einem Startpreis von 5 Prozent und jährlichen Gebühren von 1 Prozent haben sich die 126.000 Euro für den Anleger in Luft aufgelöst! Wenn sich die Kosten jedoch im Rahmen halten, ist die eigene Versicherung eine lukrative Sache.
Im Vergleich zum Depot der Bank oder zur Versicherung von der Stange besticht die Möglichkeit, das Depot nach eigenem Geschmack zusammenzustellen. Der Anleger kann sich auf Anleihen konzentrieren. Er kann auch einen Teil in Aktien anlegen. Ob er sich damit einen Gefallen tut, steht freilich auf einem anderen Blatt. Nicht nur Privatleute, auch Vermögensverwalter sind auf Dauer nur selten besser als die Märkte, in sie die investieren. Die logische Konsequenz ist die Geldanlage in passive Indexanlagen.
Der größte Vorteil der eigene Versicherung ist die Flexibilität. Wer zum Beispiel nach sieben oder acht Jahren von Bord gehen möchte, weil er das Geld für andere Zwecke benötigt, verläßt Standardpolicen wie ein gerupftes Huhn, weil der Rückkaufswert sehr niedrig ist. Bei der persönlichen Lebensversicherung erhält der Besitzer dagegen den vollen Anlagebetrag nebst Zinsen zurück. Das sind handfeste Vorteile, die den Ausflug nach Liechtenstein oder Luxemburg rechtfertigen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |