21.01.2006 · Inwieweit können Anleger mit privaten Vermögensplänen ihre finanzielle Zukunft gestalten? Der Reutlinger Finanzexperte Volker Looman über Bargeld, Kapitalversicherungen und Wertpapiere.
Von Volker LoomanDie Erfassung des Bargeldes, der Kapitalversicherungen und der Wertpapiere ist im Vergleich zum Humankapital ein Kinderspiel. Die Beschaffung der Daten ist, von den Versicherungspolicen einmal abgesehen, kaum der Rede wert, weil die Marktdaten - die aktuellen Werte der Bargeldkonten, Aktien und anderer Wertpapiere - rund um die Uhr zur Verfügung stehen.
Der Anleger hat 20.000 Euro auf einem Termingeldkonto angelegt. Dieses Geld ist die eiserne Reserve, um kleinere Anschaffungen in bar bezahlen zu können und dafür nicht die großen Geldanlagen angreifen zu müssen.
Die Verzinsung dieser Kasse beträgt 1,8 Prozent vor Steuern. Wenn die 20.000 Euro in Zukunft nicht angerührt werden, wird das Startkapital in den nächsten 15 Jahren auf 26.000 Euro anwachsen, weil die Zinsen beim monatlichen Termingeld nicht jährlich, sondern immer nach 30 Tagen kapitalisiert werden. Von den Zinsen bleiben nach Abzug der Steuern vielleicht 60 Prozent übrig.
Wieviel Geld wird am Ende herauskommen?
Die Kapitalversicherungen sind in vielfacher Hinsicht ein Kapitel für sich, weil es zum Teil schwierig ist, die Verträge richtig zu erfassen. Die Probleme beginnen schon bei der Frage, ob die Verträge eher eine Geldanlage oder vielmehr eine Versicherung sind. Und die Schwierigkeiten enden bei dem Versuch, die Daten in angemessener Zeit zu beschaffen, weil viele Gesellschaften immer noch große Probleme haben, einfach und zügig über ihre Verträge zu informieren.
Inhaltlich sind vor allem die gemischten Kapitalversicherungen und die fondsgebundenen Policen regelrechte Zwitter. Sie sind sowohl eine Geldanlage als auch eine Risikoabsicherung. Weil der Großteil der Prämie in die Geldanlage fließt, ist es allerdings ratsam, die Verträge auch als eine Geldanlage zu erfassen. Im vorliegenden Fall besitzt der Anleger zwei Rentenpolicen. Das sind Versicherungen ohne Versicherung, weil die Anlagen lupenreine Sparverträge sind.
Wie lange die Verträge bereits laufen, interessiert bei der Inventur des Vermögens nicht, weil nur die Gegenwart und die Zukunft zählen. Aus diesem Grund kommt es auch nicht darauf an, wieviel Geld bisher an die Gesellschaften überwiesen worden ist. Maßgebend sind allein vier Dinge. Wie hoch ist der aktuelle Rückkaufswert? Wie lange läuft der Vertrag noch? Wie hoch sind Prämien? Wieviel Geld wird am Ende herauskommen?
Das erfreut das Herz des Anlegers
Die Fragen sind denkbar einfach. Doch im Alltag gibt es bei der Beschaffung dieser Informationen viel Ärger. Die Probleme fangen beim Rückkaufswert an, weil viele Gesellschaften nur Garantiewerte nennen. Das nützt dem Anleger allerdings nicht viel. Er braucht den effektiven Rückkaufswert, den Betrag in Euro und Cent, wenn der Vertrag zum jetzigen Zeitpunkt aufgelöst werden würde.
Ähnlich sieht die Lage beim Endguthaben aus. Es fällt vielen Unternehmen schwer, glaubwürdige und plausible Prognosen zu stellen. Davon können viele Anleger ein Lied singen. Die Reserven vieler Unternehmen sind in den letzten Monaten gewaltig geschmolzen, doch die Sorge vor einer andauernden Niedrigzinsphase und rückläufigem Neugeschäft sitzt vielen Versicherungsvorständen dermaßen im Nacken, daß in den Prognosen zum Teil weiterhin hohe Verzinsungen zugrunde gelegt werden.
Bei allen Werten von mehr als 4 Prozent ist freilich größte Skepsis angebracht. Wenn der Rückkaufswert einer gemischten Kapitallebensversicherung beispielsweise 50.000 Euro beträgt, noch 15 Jahre monatliche Prämien von jeweils 250 Euro zu zahlen sind und am Ende voraussichtlich 150.000 Euro zurückfließen sollen, entspricht das einer Verzinsung von 4,61 Prozent. Die wahre Rendite der Geldanlage ist jedoch höher, weil in den Prämien noch die Todesfallabsicherung enthalten ist. Ohne diese Kosten klettern die Renditen auf mehr als 5 Prozent. Das erfreut zwar das Herz jedes Anlegers.
Speck für die Kunden
Doch kühle Rechner stellen zu Recht die Frage, wie die Versicherungen solche Erträge erzielen wollen, wenn handelsübliche Pfandbriefe mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren zur Zeit lediglich 4 Prozent abwerfen. Der Hinweis auf die stillen Reserven der Gesellschaft kann beruhigend sein, doch das ist noch lange keine Garantie, daß der Speck auch an die Kunden verteilt wird.
Vor diesem Hintergrund basteln sich vorsichtige Anleger die Renditen ihrer Kapitalversicherungen selbst. Sie orientieren sich an den Renditen festverzinslicher Wertpapiere, wenn es um gemischte Policen und um Rentenverträge geht. Und sie arbeiten mit Mischindizes für Anleihen und Aktien, wenn das Geld in fondsgebundene Versicherungen investiert wird. Die beiden Rentenversicherungen des Anlegers haben Restlaufzeiten von zehn und 15 Jahren, und es wird eine Rendite von jeweils 3,5 Prozent unterstellt.
Das führt bei der ersten Versicherungspolice, die 50.000 Euro wert ist und Prämien von 250 Euro je Monat enthält, in zehn Jahren zu einem Endguthaben von etwa 106.000 Euro. Bei der zweiten Police kann der Anleger in 15 Jahren mit 138.000 Euro rechnen, weil der Rückkaufswert zum jetzigen Zeitpunkt 40.000 Euro beträgt und noch Prämien von jeweils 300 Euro zu bezahlen sind.
Drei Risikoklassen für Aktien
Die festverzinslichen Wertpapiere sind im Vergleich zu den Kapitalversicherungen transparente Verträge. Die aktuellen Kurswerte stehen jeden Tag in der Zeitung, oder der Investor braucht nur seinen Anlageberater anzurufen, um den aktuellen Wert der Papiere zu erfahren. Das Wertpapierdepot des Managers ist zur Zeit rund 60.000 Euro wert. Die durchschnittliche Verzinsung der festverzinslichen Papiere beträgt 3,8 Prozent je Jahr, so daß auch die Rendite bei 3,8 Prozent liegt, wenn die Papiere bis zur Endfälligkeit gehalten werden.
Sobald einzelne Titel jedoch vor ihrem Fälligkeitstermin verkauft werden, kann die Rendite abweichen, weil sich die Kurse am Verkaufstag geändert haben können. Die Ausschüttungen der einzelnen Papiere unterliegen in voller Höhe der Steuer, so daß die Verzinsung bei Spitzenverdienern in aller Regel halbiert werden kann. Im vorliegenden Fall sinkt die Rendite nach Steuern auf 2,2 Prozent, so daß sich der Anleger, der noch Eigenheimkredite tilgt, deren Kosten über der Rendite dieser Wertpapiere liegen, die Frage gefallen lassen muß, warum er dieses negative Zinsdifferenzgeschäft betreibt.
Die letzten Anlagen der heutigen Inventur sind die Aktien. Hier gilt wie bei allen Geldanlagen das Motto „Die Vergangenheit ist tot, es lebe die Gegenwart“. Es hat keinen Zweck, alte Abrechnungen aus dem Schrank zu holen und über die hohen Kursverluste der letzten Monate zu klagen. Zunächst zählt nur der aktuelle Marktwert. Das sind 80.000 Euro. Dann stellt sich die Frage, welche Zinssätze in Zukunft gelten sollen. Hier ist jede Antwort falsch und richtig zugleich, weil allen Beteuerungen zum Trotz kein Mensch weiß, wohin die Reise geht. Daher ist es ratsam, die Aktien in drei Risikoklassen einzuteilen.
Wird der Traum Wirklichkeit?
Zu den Standardwerten gehören alle Mitglieder des Deutschen Aktienindex Dax, der europäischen Aktienindizes, beispielsweise des Euro Stoxx 50, oder des amerikanischen Aktienindex wie des Standard & Poor's 500. Die mittleren und kleinen Aktiengesellschaften, zum Beispiel die Unternehmen, die im M-Dax oder im S-Dax enthalten sind, gehören in die zweite Kategorie. In die dritte Schublade wandern risikoreichere Aktien beispielsweise aus dem Technologiebereich. In den drei Risikoklassen werden Prognosen von 6, 8 und 10 Prozent gestellt, um die Aktien in den privaten Vermögensplan einbinden zu können. Vor diesem Hintergrund kann das Guthaben in den nächsten 15 Jahren bei einer Verzinsung von 7 Prozent auf 221.000 Euro anwachsen.
Ob der Traum auch Wirklichkeit werden wird, steht allerdings in den Sternen, so daß die Grenzen privater Vermögenspläne deutlich zutage treten. Sie zeigen die grobe Richtung an, doch sie bieten keine Gewähr, daß die Anleger genau ans Ziel kommen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |