11.03.2006 · Von 2012 an sollen die Rentenkürzungen nachgeholt werden, die eigentlich schon heute nötig wären. Sicher ist nur eines: Die Bürger müssen ihre Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen.
Von Volker LoomanFranz Müntefering hat in dieser Woche den Rentenbericht vorgelegt, und das Papier ist - mit Verlaub gesagt - ein Offenbarungseid erster Klasse. Die Rentenkassen sind so leer, daß die Bezüge eigentlich sofort gekürzt werden müßten. Das will der Sozialminister den Rentnern aber bis 2009 ersparen. Dafür soll es ab 2012 zur Sache gehen.
Von diesem Zeitpunkt an werden die heutigen Rentenkürzungen nachgeholt (siehe auch: Rente kann Lebensstandard bald nicht mehr sichern). Im Moment weiß zwar kein Mensch, wie das Vorhaben umgesetzt werden soll. Nur soviel ist bei der Altersrente sicher: Die goldenen Jahre sind vorbei, die Bürger müssen ihre Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen. Davon sind in erster Linie, wie im folgenden Beispiel deutlich wird, Spitzenverdiener zwischen 40 und 50 betroffen.
„Irgendwie“ Vorsorge treffen
Ein lediger Betriebswirt ist 40 Jahre alt. Der Akademiker lebt für seinen Beruf und will die Welt genießen. Er liebt flotte Autos, gute Restaurants und schöne Reisen. Warum auch nicht? Das monatliche Bruttoeinkommen beträgt im Augenblick rund 10.000 Euro. Davon bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern rund 5.100 Euro übrig, so daß viele Wünsche erfüllbar sind. Ihm ist bewußt, daß er „irgendwie“ Vorsorge treffen muß, um diesen Lebensstil auch im Alter aufrechterhalten zu können.
Dem Anleger schwebt eine Rente vor, die nach heutigen Verhältnissen etwa 5.000 Euro pro Monat beträgt. Das legt den Verdacht nahe, daß der Mann das Nettogehalt auch im Alter beziehen möchte, doch das wird bei genauem Hinsehen nicht möglich sein. Die zukünftigen Steuern auf die Altersrenten und die Abgaben an die Krankenkasse und die Pflegeversicherung werden die 5.000 Euro auf 4.000 bis 4.500 Euro drücken, so daß mit einem Satz von 80 bis 90 Prozent des heutigen Nettoeinkommens gerechnet wird. Die monatliche Rente von 5.000 Euro kann nach vorsichtiger Schätzung um 1.500 Euro gekürzt werden, weil dieser Betrag aus der staatlichen Rentenkasse kommen wird. Die anderen 3.500 Euro müssen aber aus privatem Vermögen aufgebracht werden und mindestens 20 Jahre fließen, um den Ruhestand vom 65. bis zum 85. Lebensjahr zu sichern. Daraus leitet sich bei einem Anlagezins von 3 Prozent pro Jahr und vollständigem Kapitalverzehr ein Geldbedarf von 633.000 Euro ab.
Wichtig ist die Bereitschaft, mit dem Sparen anzufangen
In dieser Kalkulation ist keine Inflation enthalten. Sollte die Kaufkraft zum Beispiel jedes Jahr um 2 Prozent schwinden, steigt der Geldbedarf auf 1,24 Millionen Euro. Angesichts so hoher Zahlen werfen viele Anleger die Flinte ins Korn. Sie senken ihre Ansprüche. Das ist freilich keine Lösung. Besser ist die Erkenntnis, daß der Aufwand für ein Sparziel von einer Million Euro hoch ist, aber kein Hirngespinst sein muß.
Denkbar ist zum Beispiel ein handelsüblicher Banksparvertrag oder ein Investmentplan, der mit 3 Prozent pro Jahr verzinst wird. Die Raten beginnen bei 1.810 Euro und steigen jedes Jahr um 2 Prozent. Die durchschnittliche Sparleistung beträgt 2.319 Euro, der Höhepunkt liegt bei 2.911 Euro im letzten Jahr. So hohe Beträge mögen aus heutiger Sicht unbezahlbar erscheinen, doch wenn die jährliche Inflation in Zukunft tatsächlich bei 1 bis 2 Prozent liegen wird, können auch die Gehälter in ähnlichem Maß steigen, so daß die Anhebung der Sparraten kein Problem sein sollte. Viel wichtiger als die Sorge, ob das Ziel erreicht werden kann, ist die Bereitschaft, mit dem Sparen anzufangen.
Immobilien als Steuersparmodell
Die Million läßt sich auch mit einer privaten Rentenversicherung erreichen. Die Sparraten sind genauso hoch wie bei der ersten Lösung, weil die Verzinsung identisch ist. Die Unterschiede liegen in der Besteuerung der beiden Sparpläne. Die Zinsen des Banksparplans sind in voller Höhe steuerpflichtig, die Zinsen der privaten Rentenversicherung sind nach heutiger Gesetzeslage zur Hälfte steuerfrei. Bei einem Steuersatz von 50 Prozent liegt die Kluft zwischen den beiden Verträgen bei 58.000 Euro.
Der Anleger wird aufgrund des hohen Einkommens ins Visier von Verkäufern geraten, die Immobilien als Steuersparmodell anbieten. Die Chancen und Risiken der Geldanlage werden am Beispiel eines Mehrfamilienhauses deutlich. Die Immobilie kostet eine Million Euro, wirft einen Ertrag von 50.000 Euro pro Jahr ab und soll zu 100 Prozent mit Kredit bezahlt werden, der jährlich 5 Prozent kostet. Die mittlere Rate beträgt bei einem Steuersatz von 50 Prozent etwa 1.839 Euro pro Monat.
Aktien für Optimisten die beste Lösung
Wenn die Mieten und der Wert des Hauses konstant blieben und das Tilgungsdarlehen in voller Höhe zurückgezahlt wird, erzielt der Anleger eine Rendite von 5,40 Prozent und besitzt nach 25 Jahren ein lastenfreies Haus im Wert von einer Million Euro. Für diese Prognose gibt es freilich keine Garantie. Die Chance ist die hohe Verzinsung der Immobilie. Der Haken sind die Erträge und die Wertentwicklung. Die Mieten müssen nach Abzug aller Kosten jährlich 50.000 Euro betragen und konstant bleiben. Genauso ist es mit dem Wert des Hauses. Er darf in den nächsten 25 Jahren nicht sinken, und das Objekt muß in 25 Jahren verkaufbar sein. Sonst geht die Rechnung nicht auf.
Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, daß viele Leute vermieteten Immobilien mit gewisser Distanz gegenüberstehen. Sie bezahlen lieber die Einkommensteuer und legen das übrige Geld so rentabel wie möglich an. Hier bieten Aktienfonds attraktive Chancen. Bei einer Rendite von 8 Prozent pro Jahr sind jeden Monat nur 1.100 Euro notwendig, um in 25 Jahren einfacher Millionär zu sein. Natürlich besteht das Risiko, daß der Schuß nach hinten losgeht, wenn die Börse eines Tages einknickt. Trotzdem dürften Aktien für Leute, die viel Zeit haben und keine Pessimisten sind, im Moment die beste Lösung sein. Sie bieten so interessante Perspektiven, daß es nur darauf ankommt, mit dem Sparen anzufangen und kühlen Kopf zu bewahren, wenn es auch einmal bergab geht.
Die goldenen Jahre sind vorbei
Hans Chr. Riedelbauch (riedelbauch)
- 12.03.2006, 20:38 Uhr
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