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Die Vermögensfrage Börsenhandel von Fonds ist neuer Wein in alten Schläuchen

09.07.2006 ·  Fondsanteile können mittlerweile auch an der Börse gekauft werden. Doch der Nutzen der Anleger scheinen mehr als zweifelhaft. Denn die Ausgabeaufschläge werden durch Handelsspannen und Beteiligungen ersetzt.

Von Volker Looman
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Der Verkauf von Investmentfonds ist mittlerweile das Hauptgeschäft zahlreicher Vermittler geworden. Jetzt ist der Absatz der Aktien- und Rentenfonds in schwere See geraten, weil mittlerweile neue Spielregeln gelten: Fondsanteile können auch an der Börse gekauft werden. Die Gebühren liegen zum Teil erheblich unter den klassischen Aufgeldern, so daß die Ausgabeaufschläge zur Diskussion stehen.

Das ist auf der einen Seite erfreulich, doch es steht in den Sternen, ob die Anleger von diesem Handel auf Dauer profitieren werden, weil die Verkäufer mit Argusaugen auf ihre Provisionen sehen. Die meisten Vermittler wollen, wenn sie Fondsanteile verkauft haben, ihr Geld sofort auf die Hand, und die Gefahr, daß die Einnahmequelle in Zukunft versiegt, führt hinter den Kulissen zu harten Auseinandersetzungen zwischen Anbietern und Verkäufern. Hier werden mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Vergütungsmodelle eingeführt, die für die Anleger zweischneidige Schwerter sind.

Deutscher Ausgabeaufschlag als günstigere Variante

Ausgabeaufschläge sind Einmalkosten, die beim Kauf von Fondsanteilen anfallen. Sie betragen in der Regel zwischen 2,5 und 5 Prozent des Anlagebetrages. Die niedrigen Kosten fallen beim Kauf von Rentenfonds an, welche das Geld ihrer Kunden in festverzinsliche Wertpapiere investieren, und die hohen Kosten werden fällig, sobald das Geld in Aktien fließt. Bei den Mischfonds, die sowohl in Renten als auch in Aktien investieren, liegen die Ausgabeaufschläge zwischen 3,5 und 4 Prozent. Die einzelnen Sätze sind Nominalwerte, so daß die effektiven Kosten höher sein können, weil die Aufschläge nach zwei Methoden berechnet werden.

Die günstigere Variante ist der deutsche Ausgabeaufschlag. Hier wird im Hundert gerechnet, wie die Fachleute sagen. Wenn ein Anleger beispielsweise 100 Euro in einen Fonds steckt, der genau 3 Prozent kostet, betragen die Kosten nicht drei Euro, weil der Fondsmanager das Anlagekapital durch 1,03 teilt. Das führt zu einer effektiven Investition von 97,09 Euro und einmaligen Kosten von 2,91 Euro. In diesem Fall sind der nominale und der effektive Ausgabeaufschlag identisch. Sie betragen jeweils 3 Prozent, weil 2,91 Euro mal 100 geteilt durch 97,09 Euro eben 3 Prozent entsprechen.

Die Effektivsätze klettern proportional

Anders sieht die Rechnung beim internationalen Ausgabeaufschlag aus. Hier rechnen die einzelnen Fondsmanager vom Hundert, so daß im vorliegenden Beispiel drei Euro anfallen. Folglich fließen nur noch 97 Euro in das Vermögen der Fondsgesellschaft, so daß die effektiven Startkosten des Investors steigen, weil 3 Euro mal 100 geteilt durch 97 Euro zu 3,09 Prozent führen. Insgesamt klettern die Effektivsätze proportional zur Höhe des Ausgabeaufschlags. Bei einem Agio von 4 Prozent sind effektiv 4,17 Prozent zu bezahlen, bei einem Satz von 5 Prozent sind es 5,26 Prozent, und bei einem Wert von 6 Prozent schlagen die Kosten in Wahrheit mit 6,38 Prozent zu Buche.

Die Abrechnung der Einmalkosten liegt im Ermessen der einzelnen Unternehmen, doch der Trend zur internationalen Methode ist unverkennbar. Für die Anleger spielt die Abrechnungsmethode freilich nur die zweite Geige. Viel wichtiger ist die Einsicht, daß die Einmalkosten massiven Einfluß auf die Rendite der Anlage haben. Dabei gelten schlichte Regeln: Je kürzer die Anlagedauer ist, desto geringer ist die Rendite des Kapitals, und Sparverträge sind von den Ausgabeaufschlägen stärker betroffen. Wenn beispielsweise 100000 Euro fünf Jahre lang zu 4 Prozent in Anleihen investiert werden, sinkt die Rendite bei einem Aufschlag von 2,5 Prozent, berechnet nach der internationalen Methode, auf 3,43 Prozent pro Jahr. Bleibt das Kapital zehn Jahre im Topf der Anlagegesellschaft liegen, kommt unter dem Strich eine jährliche Verzinsung von 3,69 Prozent heraus.

Zinsen und Zinseszinsen neutralisieren Kosten

Noch schwerer fallen die Ausgabeaufschläge bei Sparplänen ins Gewicht. Wer monatlich 500 Euro in einen Rentenfonds steckt und die Sache nach fünf Jahren beendet, muß sich bei einem jährlichen Anlagezins von 4 Prozent mit einer Rendite von 2,97 Prozent zufriedengeben. Ursache sind die laufenden Kosten von jeweils 2,5 Prozent. Der Anleger investiert 500 Euro pro Monat. Davon werden aber jeweils 12,50 Euro für Marketing und Vertrieb abgezwackt, so daß lediglich 487,50 Euro für die Anlage zur Verfügung stehen.

Das führt nach fünf Jahren zwar zu einem Endguthaben von 32.266 Euro, doch die Rendite sinkt um 103 Basispunkte, weil die Gebühren monatlich zu Buche schlagen und den Anlageerfolg begrenzen. Geringer wird der Schaden, wenn der Sparplan lange läuft. Bei einer Anlagedauer von zehn Jahren sinkt die jährliche Rendite von 4 auf 3,5 Prozent, und bei einer Laufzeit von 20 Jahren geht die jährliche Verzinsung von 4 auf 3,77 Prozent zurück, weil die Zinsen und Zinseszinsen die Kosten zum Teil wieder neutralisieren.

Provisionen lukrativer als einmalige Vergütung

Die Ausgabeaufschläge sind das Brot-und-Butter-Geschäft vieler Banken und Vermittler, so daß die Frage auftaucht, wovon die Verkäufer leben sollen oder werden, wenn der Börsenhandel oder die üblichen Rabatte die Ausgabeaufschläge in Frage stellen. Die Antwort ist einfach: Die heiklen Ausgabeaufschläge werden in laufende Gebühren umgewandelt und sind auf diese Weise für die meisten Anleger überhaupt nicht mehr erkennbar. Bei den Investmentfonds ist seit Monaten der Trend zu beobachten, daß die laufenden Kosten steigen. Die jährlichen Gebühren für die Verwaltung liegen in der klassischen Vermögensverwaltung zwischen 0,5 und 1 Prozent des Anlagekapitals, doch bei Investmentfonds fallen schnell Kosten von 1 bis 2 Prozent an.

Die laufenden Provisionen können unter dem Strich sogar lukrativer als die einmalige Vergütung sein. Wenn ein Verkäufer beispielsweise 100.000 Euro einsammelt und den vollen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent durchsetzt, erhält er 5000 Euro auf die Hand. Wird auf den Aufschlag verzichtet und statt dessen jährliche Beteiligung von einem Prozent vereinbart, kommen 5225 Euro zusammen, wenn das Kapital fünf Jahre im Fondstopf bleibt und dort zu 8 Prozent pro Jahr angelegt wird. Noch lukrativer ist die Geschichte bei Sparplänen. Wenn zum Beispiel zehn Jahre jeden Monat genau 500 Euro angelegt werden, fließen dem Vermittler bei einem Ausgabeaufschlag von 5 Prozent insgesamt 120 Raten a 25 Euro zu.

Maßgebend sind allein die Gesamtkosten

Der Barwert der Raten beträgt 2369 Euro, wenn die Provisionen mit jeweils 5 Prozent abgezinst werden. Wird der Vermittler jedes Jahr mit einem Prozent beteiligt, kommen 3111 Euro zusammen, falls das Kapital zu 8 Prozent angelegt wird. Die Ursache liegt in dem Zinseszinseffekt. Der Verkäufer erhält die Beteiligung nicht aus dem eingezahlten Geld, sondern aus dem Fondsvermögen am Ende des Jahres.

Die Regelung dürfte trotz der Undurchsichtigkeit der beste Kompromiß sein, weil für den Anleger zwei Dinge wichtig sind. Er braucht ordentliche Beratung, und die Kosten sollten sich in Grenzen halten. Bei einmaligen Anlagen wird das Konto des Anlegers, wenn der Ausgabeaufschlag in Zukunft unter den Tisch fallen sollte, nicht mehr mit dem hohen Agio belastet, und bei laufenden Anlagen spielt es keine Rolle, ob die Kosten künftig Ausgabeaufschlag oder Beteiligung heißen. Maßgebend sind allein die Gesamtkosten, und die spannende Frage lautet, wann der Gesetzgeber den Mut hat, von den Anbietern eine Kennzahl wie den Effektivzins bei Krediten zu fordern.

Eine solche Kennzahl ist die Total Expense Ratio (TER). Dabei werden die in den Rechenschaftsberichten veröffentlichten Kosten für Fondsmanagement, Depotbank, Werbung, Wirtschaftsprüfer und Geschäftsberichte addiert und ins Verhältnis gesetzt zum Vermögen des betreffenden Fonds. Heraus kommt eine Prozentzahl, die schnell bei 1 bis 2 Prozent liegen kann und zeigt, welchen Einfluß die Kosten auf die Entwicklung des Fonds haben.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

Quelle: F.A.Z., 08.07.2006, Nr. 156 / Seite 24
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