25.11.2003 · Die Rente ist sicher - nicht aber ihre Höhe. Privates Sparen ist dringend nötig. Eine intelligentere Förderung nach massiven politischen Reformen ist nötig, zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge.
Von Christof LeisingerDie junge und „mitteljunge“ Generation in Deutschland steht vor einem Dilemma. Auf der einen Seite steigen die Abgaben für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung immer mehr an.
Auf der anderen müssen sie aufgrund der Umlagefinanzierung in Verbindung mit der demographischen Entwicklung - der Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung wird immer größer - bei Erreichen des eigenen Rentenalters mit deutlich geringeren Einnahmen rechnen. Aus diesem Grund müssen sie privat Geld zur Seite legen. Und das, obwohl im bestehenden System immer weniger dafür übrig bleibt.
Die Rente ist zwar sicher - nicht aber ihre Höhe
Da die Reformbemühungen äußerst zäh sind und auf den ersten Blick erkennbar ist, daß sie bei weitem nicht weit genug gehen, könnte sich vor allem bei der jüngeren Bevölkerung leicht ein „Zukunftsdepressionsgefühl“ einschleichen. Denn die Aussicht, immer mehr zahlen zu müssen, ohne die Hoffnung, das eingezahlte Geld jemals wieder in voller Höhe zurückzuerhalten - von einer angemessenen Verzinsung erst gar nicht zu reden - ist alles andere als prickelnd.
Umverteilungspolitiker aller Parteien, die gerne noch das Geld mit großer Kelle verteilen würden, sollten deswegen endlich ihre Illusionen einstampfen und ihr Bündel enger schnüren. Denn der verteilbare Kuchen wächst auf Grund der politisch völlig fehlgesteuerten Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte nicht nur nicht mehr, sondern er schrumpft. Die Rente ist zwar sicher - nicht aber ihre Höhe. Letzteres haben die „kleinen“ Propheten des Umlagesystems lange Zeit vorsätzlich verschwiegen.
DIA-Studie zeigt die Auswege
Aber keine Panik. Wie so oft im Leben zeichnen sich auch hier Auswege ab, wenn auch teure. Dies zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) auf: „Durch geschickte Lebensökonomie, vor allem durch die optimale Nutzung des Faktors Zeit, können die Lasten der Für- und Vorsorgeaufwendungen erträglich gehalten werden,“ heißt es dort. Die Erfolgsformel: Mehr und besser arbeiten und mit den gebotenen Rücklagen so früh wie möglich beginnen.
Die Realität: Notwendige Rentenniveausenkungen werden zu materiellen Einschränkungen führen. Wer privat seinen Bedarf nicht rechtzeitig ermittelt, auf Konsum verzichtet und konsequent Rücklagen bildet - sechs bis acht Prozent des Bruttoeinkommens - läuft Gefahr, im Alter zu verarmen. Dabei ist die Lebensarbeitszeit eine entscheidende Stellgröße. Wer früh ins Berufsleben einsteigt und lange arbeitet hat nicht nur relativ viel Zeit zum Sparen, sondern auch die „Rentenzeit“ wird kürzer.
Deutliche politische Reformen nötig
Aber nicht nur der Einzelne muß zur Lösung beitragen, sondern vor allem die Politik ist rasch und konsequent gefordert. Durch eine Erhöhung der Frauenerwerbsquote und verbesserte Kinderbetreuung beispielsweise lassen sich Ausfallzeiten reduzieren, steigt das Sparpotential der Familien und nimmt die Bereitschaft zu, mehr künftige „Beitragszahler“ in die Welt zu setzen.
Extrem wichtig ist die flexible Gestaltung der Sparprozesse und der Förderungen. Das gilt vor allem für Haushalte mit Kindern und fremdfinanziertem Wohneigentum. Denn sie sind kaum zu regelmäßigen Sparleistungen in der Lage. Private und betriebliche Altersvorsorge müssen gleichermaßen gefördert werden. Während die Obergrenze der betrieblichen Variante derzeit bei maximal 2.448 Euro liegt, beträgt sie bei der privaten Vorsorge nur 525 Euro und soll ab dem Jahr 2008 bei 2.100 Euro eingefroren werden. Zur Gegenfinanzierung schlägt das DIA die Abschaffung der Riesterzulagen, der klassischen Vermögensförderung und Sparerfreibeträgen sowie die Integration des Bausparens in die Förderung vor. Denn die „intelligentere“ Förderung von Wohneigentum sei ein integraler Bestandteil der privaten Altersvorsorge.
„Länger arbeiten, mehr Kinder und preiswerteres Wohneigentum führt zu den dringend nötigen höheren Sparleistungen für die private Altersvorsorge,“ lautet das Fazit der DIA-Studie. Eine an sich einfache Botschaft, die allerdings weitergehendere politische Reformen verlangt, als sie momentan absehbar sind.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |