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Veröffentlicht: 22.02.2017, 13:52 Uhr

Erfolg der Fondsbranche Deutsche Fonds verwalten 2,8 Billionen Euro

Die Bedeutung von Fonds für die Altersvorsorge wächst stetig. Systemrelevant will die Branche aber keinesfalls sein.

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© dpa In der Summe liegt das meiste Geld der Privatanleger weiterhin in Aktienfonds, die schon alleine wegen der deutlichen Kursgewinne an Wert gewinnen.

Der Erfolg der Fondsbranche droht zum Boomerang zu werden. Mit jedem Jahr, in dem der Fondsverband BVI starke Absatzzahlen meldet und Fondsvermögen auf Rekordniveau ausweist, wird es manchem Politiker mulmiger, und die Rufe nach einer strengeren Regulierung werden laut. 2,8 Billionen Euro, so die am Dienstag auf der BVI-Jahrespressekonferenz verkündete Zahl, verwaltet die deutsche Fondsbranche.

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Das sind glatt 200 Milliarden Euro mehr als zum Jahresende 2015 und eine Fortsetzung des starken Wachstumstrends der vergangenen Jahre. Zum Vergleich: Die Bundesbank weist ein Geldvermögen der Deutschen von gut 5,5 Billionen Euro aus. Vereinfacht gesagt, steckt damit jeder zweite Euro der Deutschen direkt oder indirekt über Versorgungswerke, Betriebsrenten und Versicherungen in Fonds.

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BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter ist daher bemüht, die Gleichung „Groß = sytemrelevant und daher gefährlich“ als Irrtum darzustellen. „Fonds sind Sondervermögen. Wenn ein Anbieter insolvent würde, beeinträchtigt dies das Kundenvermögen nicht, und es entsteht auch kein Dominoeffekt“, sagt Richter. „Wir sind nur Treuhänder im Auftrag des Kunden, das Geld ist nie in unserem Besitz und auch nie auf unserer Bilanz.“

Bestrebungen, die Fonds als systemrelevant zu betrachten und die deshalb wie Banken und Versicherer zum Beispiel mit stärkeren Eigenkapitalvorgaben zu belegen, lehnt Richter daher ab. Ebenso die gelegentliche Einordnung der Fondsbranche unter das Stichwort Schattenbanken. „Bei uns gibt es keinen Schatten, wir sind voll durchleuchtet und auch keine Bank.“

Richter ist auch bemüht, die Bedeutung seiner Branche trotz aller Erfolge kleinzuhalten. „Fonds halten 16 Prozent der Aktien der Unternehmen im Euroraum. Im Dax sind es sogar nur 10 Prozent“, sagt Richter. „Damit sind wir zwar ein wichtiger Eigenkapitalgeber der Wirtschaft, aber doch keine Gefahr.“ Auch den Vorwurf, der Wettbewerb zwischen den Unternehmen werde behindert, weil die Fonds als Eigentümer fast aller börsennotierter Unternehmen kein Interesse an gewinnminderndem Wettbewerb hätten, weist Richter zurück. „Das Thema mag akademisch interessant sein, die These ist aber unhaltbar.“

Bedeutsamer als Privatanleger sind Großkunden für die Branche

Im vergangenen Jahr flossen der Fondsbranche netto 103 Milliarden Euro zu. Das liegt über dem langjährigen Durchschnitt, aber weit unter dem Rekordjahr 2015, als 193 Milliarden Euro zuflossen. Vor allem Privatanleger hielten sich zurück und legten unter dem Strich nur 6,5 Milliarden Euro in Fonds an nach außergewöhnlich hohen 72 Milliarden Euro im Vorjahr. Mischfonds, offene Immobilienfonds und Fonds für Unternehmensanleihen bleiben die Favoriten der Privatanleger bei der Neuanlage. In der Summe liegt das meiste Geld der Privatanleger weiterhin jedoch in Aktienfonds, die schon alleine wegen der deutlichen Kursgewinne an den Aktienmärkten in den vergangenen Jahren stark an Wert gewinnen.

Weit bedeutsamer als die Privatanleger sind für die Branche die institutionellen Großkunden. Versicherer, Pensionskassen, Versorgungswerke, aber auch Stiftungen und Kirchen legen immer mehr Geld in Fonds an. Alleine 96 Milliarden Euro flossen im Jahr 2016 neu zu. 1,5 Billionen Euro werden in Spezialfonds für institutionelle Kunden verwaltet, 900 Milliarden Euro sind es in Publikumsfonds für Privatanleger und 400 Milliarden Euro in freien Mandaten.

Infografik / Die Fondsbranche verwaltet Rekordvermögen © F.A.Z. Vergrößern

Von den Privatanlegern wünscht sich die Branche mehr Bereitschaft zur renditestarken Geldanlage in Aktien. „In den Vereinigten Staaten haben 52 Prozent der Menschen Aktien und hierzulande nur 14 Prozent und das nicht, weil die Amerikaner in Finanzfragen besser gebildet sind, sondern weil es eine steuerlich geförderte private Altersvorsorge gibt“, sagt Richter. Das fordert der BVI-Hauptgeschäftsführer auch für Deutschland. „Das trägt viel mehr zu einer vernünftigen privaten Vermögensbildung bei als Wahlkampfvorschläge wie die Wiedereinführung der Eigenheimzulage, die nur Mitnahmeeffekte produziert.“ Von der Deutschland-Rente, wie sie die hessische schwarz-grüne Landesregierung ins Spiel gebracht hat, hält die Fondsbranche dennoch nichts.

Zwar sieht auch die Deutschland-Rente steuerliche Anreize für privates Sparen in Aktien vor. Einen staatlich gelenkten Konkurrenzfonds will die Fondsbranche jedoch nicht neben sich wachsen sehen. Zum einen werden politische Begehrlichkeiten zu bedenken gegeben, wenn ein solcher Fonds erst einmal ein Milliardenvermögen angehäuft hat, und zum anderen wäre die Anlagestrategie nie frei von politischen Vorstellungen, welche Länder, Branchen und Unternehmen für investierbar gehalten werden und welche nicht.

Sorgen macht dem BVI zudem eine sich verselbstständigende Regulierung. „Die Regierungen beschließen Vorhaben, kümmern sich dann aber viel zu wenig um die anschließenden Regelungen im Detail“, sagt Richter. Auf dieser in Fachkreisen Level II genannten Ebene würden die immer größer werdenden Regulierungsbehörden dann weitgehend unkontrolliert vor sich hin regulieren. „Das ist dann eine behördlich veranlasste Regulierung, nicht mehr eine politische, und das halte ich für undemokratisch“, sagt Richter, zumal das Vorgehen dieser Behörden in hohem Maße intransparent sei. „Wir brauchen einen Stopp der Behördenregulierung, die ihr Dasein durch immer neue Normen und Vorschriften rechtfertigen muss.“

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