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Derivative Produkte Neue Zertifikate für die Ölpreisspekulation

28.04.2009 ·  Die Eigenarten des Terminhandels erschweren die Anlage in Rohstoffzertifikaten. Die Produkte können sich anders entwickeln als erwartet. Einige Emittenten versprechen nun Besserung. Gewisse Bedenken jedoch bleiben.

Von Daniel Mohr
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Wer sich nicht gerade ein paar Fässer Öl kaufen und zu Hause lagern möchte, muss auf den Terminmarkt ausweichen, um an steigenden Ölpreisen partizipieren zu können. Entsprechende Zertifikate bilden den Ölpreisverlauf zwar nach, der tatsächlichen Entwicklung des Ölpreises entspricht dies jedoch höchstens zufällig.

Die Besonderheit der Geldanlage in Rohstoffen liegt nämlich darin, dass in der Regel nicht der Rohstoff selbst gekauft wird, sondern ein entsprechender Terminkontrakt. Der Anleger erwirbt also üblicherweise nicht drei Fässer Öl oder 50 Schweinehälften oder eine Tonne Mais, sondern nur ein Lieferrecht einer bestimmten Menge zu einem bestimmten Zeitpunkt und Preis.

Steile Terminkurve führt zu Rollverlusten bei Zertifikaten

Diese Terminkontrakte muss der Anleger rechtzeitig vor der Fälligkeit wieder verkaufen, um nicht doch physisch mit dem Rohstoff beliefert zu werden. Der Wechsel von einem Terminkontrakt in einen anderen wird als „Rollen“ bezeichnet.

Ölzertifikate übernehmen für den Anleger das Rollen, er kann also stets das gleiche Zertifikat behalten. Da derzeit jedoch die Terminmarktkurve einen steigenden Verlauf hat (siehe Grafik), ein Terminkontrakt mit einer längeren Laufzeit also stets teurer ist als derjenige mit einer kürzeren, entstehen in den Ölzertifikaten Rollverluste. In extremen Marktlagen wie zu Jahresanfang, als der Ölpreis unter 40 Dollar gefallen war und fast alle Marktteilnehmer von steigenden Preisen ausgingen, war der Kurvenverlauf sogar extrem steil und die Rollverluste für den Anleger sehr groß. Aktuell entstehen beim Wechsel vom nächstfälligen Kontrakt mit Lieferung im Juni auf den Kontrakt mit Lieferung im Juli Rollverluste von rund 3 Prozent. Eine Lieferung im Juni würde knapp 49 Dollar kosten, im Juli sind es bereits rund 50,30 Dollar.

Sollte eine solche Situation, in der Fachsprache Contango genannt, länger dauern, summieren sich die Rollverluste zu einer stolzen Summe. Um diese muss der Ölpreis dann erst einmal steigen, um den Anleger neutral zu stellen. Erst ein Ölpreisanstieg über die Rollverluste hinaus sorgt auch beim Zertifikatekäufer für Gewinne. Da diese Lage äußerst unbefriedigend ist, versuchen Zertifikateemittenten immer wieder, mit neuen Konstruktionen eine Vermeidung von Rollverlusten zu bewerkstelligen. Im Dezember brachte Goldman Sachs ein Zertifikat auf den Markt (Isin DE000GS1TA18), das den Rollmechanismus dahin gehend verändert, dass nicht automatisch immer vom nächstfälligen Terminkontrakt in den mit Fälligkeit einen Monat später gerollt wird, sondern dass bei steilem Verlauf am kurzen Ende der Terminmarktkurve in den sechstnächsten Kontrakt gewechselt wird und dann künftig immer nur vom fünft- in den sechstnächsten Kontrakt gerollt wird. Dies ist seit mehr als einem halben Jahr der Fall und hat den Anlegern schon erhebliche Rollverluste erspart. Derzeit beträgt der Rollverlust vom Oktober- in den Novemberkontrakt nur rund ein Prozent von 54 auf 54,60 Dollar, gegenüber den 3 Prozent vom Juni- in den Juli-Kontrakt.

Allerdings würden auch diese Rollverluste von je einem Prozent auf das Jahr gerechnet eine Summe von 12 Prozent ergeben, die zunächst einmal aufzuholen sind. Die jährliche Verwaltungsgebühr des Zertifikats beträgt 1,5 Prozent.

„Rollproblematik“ lässt sich kaum umgehen

Eine neuartige Konstruktion zur Vermeidung der Rollverluste liegt einem Zertifikat des Bankhauses Vontobel zugrunde (Isin DE000VFP33M4), die Konstruktion stammt von der Structured Solutions AG. Hier wird einmal im Monat geprüft, ob eine Contango-Situation mit einer steigenden Terminkontraktkurve vorliegt oder ob die Kurve fällt (Backwardation). Im ersten Fall investiert das Zertifikat in die Aktien der zehn größten Ölunternehmen aus den Vereinigten Staaten und Kanada, zum Beispiel Exxon Mobil, Chevron und Conocophillips. So werden die Rollverluste vermieden. Der Indexanbieter will eine enge Korrelation zwischen der Ölpreisentwicklung und der Entwicklung des Aktienkorbes festgestellt haben. Meist habe sich der Aktienkorb sogar besser entwickelt.

In Zeiten fallender Terminmarktkurven, wie sie noch bis in den Sommer 2008 hinein Bestand hatten (siehe Infografik), investiert das Zertifikat in die Terminkontrakte. Da diese in der Backwardation- Situation von Monat zu Monat günstiger werden, erzielt der Anleger sogar Rollgewinne. Das Zertifikat ist noch bis zum 8. Mai in der Zeichnung. Der Zeichnungspreis enthält einen Ausgabeaufschlag von 1,5 Prozent. Später fallen jährliche Verwaltungsgebühren von 1,2 Prozent an.

Völlig entledigen kann sich der Anleger der Rollproblematik nur, wenn er in Produkte investiert, die stets in einem Terminkontrakt verweilen, also nie gerollt werden müssen. Dies ist entweder bei einem sehr kurzen Anlagehorizont von nur wenigen Wochen möglich, oder aber der Anleger steigt bereits zu hohen Preisen in den Markt ein. Ein Terminkontrakt mit Laufzeit bis Frühjahr 2012 kostet zum Beispiel bereits 70 Dollar. Auch werden Terminkontrakte mit langer Laufzeit nur wenig gehandelt, der Anleger begibt sich somit in einen wenig liquiden Markt.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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