11.03.2008 · „Lust auf ein Extra?", fragte die Investmentbank Goldman Sachs und bot ein Bonuszertifikat auf die Aktie von Hypo Real Estate mit einer Bonusrendite von mehr als 48 Prozent an. Dumm nur, dass das Sicherheitspolster gleich verpuffte.
„Lust auf ein Extra?", fragte die Investmentbank Goldman Sachs am Dienstag potentielle Kunden und gab sogleich die Antwort: „Bonus-Zertifikate von Goldman Sachs".
Ein Zertifikat auf die Aktie des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate wurde mit einer Bonusrendite von mehr als 48 Prozent im Jahr angeboten - bei einem Sicherheitspuffer von 18 Prozent. Nur zu dumm, dass dieser Puffer schon am Montag nach einem Kursrutsch der Aktie aufgebraucht wurde. Die Aktie fiel unter die Schwelle von 14 Euro. Damit hat der Anleger keinen Anspruch mehr auf den Bonus und damit auch nicht auf die attraktive Bonusrendite.
Den Bonus gibt es nicht gratis, sondern gegen entsprechende Risiken ...
Aus diesem Fall können die Käufer von Zertifikaten einiges lernen. So ist ein Sicherheitspuffer von 18 Prozent ziemlich klein gewählt. Zwar wird die Bonusrendite höher, aber auch das Risiko, keinen Bonus zu erhalten, steigt. Gerade in so volatilen Märkten wie derzeit verzeichnen auch die Dax-Aktien große Kursschwankungen. Da die meisten Bonuszertifikate eine Laufzeit von gut einem Jahr haben, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass zwischendurch mal ein Kursrutsch nach unten erfolgt. Und schon das einmalige Unterschreiten des Sicherheitslevels reicht aus, um den Bonusanspruch zu verlieren. Das Bonuszertifikat läuft dann wie die Aktie - nur ohne den Anspruch auf eine Dividendenzahlung. Die Dividenden behält die Bank ein, um das Sicherheitslevel des Zertifikats zu finanzieren.
Der Anleger sollte daher vor dem Kauf nicht nur auf eine hohe Bonusrendite achten, sondern auch den Puffer nicht zu klein wählen. Welche Größe die richtige ist, können zwar nur Propheten vorhersagen, die Vergangenheit lehrt aber, dass ein Kursrückgang bei Einzelaktien selbst bei einer Hausse von 20 Prozent nicht außergewöhnlich ist. Wer nicht mit solchen Rückschlägen rechnet, braucht kein Bonuszertifikat, sondern kann auch gleich die Aktie selbst kaufen. Das Prinzip des Bonuszertifikates ist es, einen bestimmten Schutz bei fallenden Kursen zu bieten. Im Kursabschwung seit Jahresbeginn hat sich gezeigt, dass viele Sicherheitspuffer zu eng gewählt wurden. Ende Februar hatten knapp 10.000 der rund 60.000 gehandelten Bonuszertifikate der Börse Stuttgart ihre Sicherheitsschwelle durchbrochen - das ist immerhin rund ein Sechstel aller Produkte.
Da seit Anfang März die Kurse nochmals ein ganzes Stück nachgegeben haben, dürfte die Zahl der Produkte ohne Bonusanspruch nochmals gestiegen sein. Bei einzelnen Werten insbesondere aus der Finanzbranche ist der Anteil der Zertifikate, die ihren Schutz verloren haben, auch deutlich höher als ein Sechstel.
... die kräftige Verluste denkbar machen
Aber gerade angesichts der bereits ein ganzes Stück zurückgekommenen Kurse muss der Kauf von Bonuszertifikaten derzeit keine schlechte Wahl sein. So bietet ABN Amro ein Zertifikat auf den Dax mit einem Sicherheitspuffer von 27 Prozent (WKN AA0VAE). Das heißt, wenn der Dax bis zum Ende der Laufzeit im Juni 2009 nie unter 4.700 Punkte fällt, erhält der Anleger auf Basis des derzeitigen Kursniveaus eine Bonusrendite von 13 Prozent bis zum Ende der Laufzeit. Steigt der Dax auf mehr als 8.000 Punkte, partizipiert der Anleger zusätzlich zum Bonus unbegrenzt von den weiteren Gewinnen des Index. Fällt der deutsche Standardaktienindex dagegen zwischendurch auf weniger als 4.700 Punkte, läuft das Zertifikat mit dem Dax - der Anleger kann also auch kräftige Verluste machen.
Der Anleger sollte beim Kauf darauf achten, ob das Produkt im Namen das Wort Cap hat. Dann nämlich sind die Gewinne nach oben begrenzt - gecapped im Finanzjargon - oft in Höhe des Bonuslevels. Diese Produkte sollten als Gegenleistung dann einen vergleichsweise großen Sicherheitspuffer oder eine höhere Bonusrendite aufweisen. Die Zertifikate mit Cap eignen sich für Anleger, die ohnehin nicht an einen deutlichen Kursaufschwung innerhalb der Laufzeit glauben.
Auch auf einzelne Aktien gibt es derzeit eine ganze Reihe von Bonuszertifikaten mit einem recht großen Sicherheitspuffer und dennoch einer ansehnlichen Bonusrendite. So bietet Sal. Oppenheim ein Bonuszertifikat auf die Siemens-Aktie mit einem Puffer von 38 Prozent und einer jährlichen Bonusrendite von 10 Prozent (WKN SEL6S5). Fällt die Siemens-Aktie nach ihrem Kursrutsch von 112 auf 80 Euro bis zum Ende der Laufzeit im Juni 2009 nie unter 50 Euro, erhält der Anleger eine Bonusrendite von 13 Prozent. Zudem profitiert er von allen Kurssteigerungen der Aktie über das Bonuslevel von 102 Euro hinaus. Ähnliche Produkte gibt es zu Hunderten von vielen Anbietern. Die Hypo-Vereinsbank bietet ein Bonuszertifikat auf die BASF-Aktie mit einem Sicherheitspuffer von 45 Prozent bei einer jährlichen Bonusrendite von 11 Prozent, auf Daimler (Puffer 41 Prozent, Rendite 14 Prozent), Eon (38 Prozent, 11 Prozent) oder Münchener Rück (43 Prozent, 11 Prozent).
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |