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Veröffentlicht: 29.06.2004, 17:43 Uhr

Derivate CFDs - die besseren Aktienfutures

Derivate sind „in“, die Terminbörsen florieren. Allerdings nicht die Futures auf einzelne Aktien. Aber es gibt Alternativen: CFDs. Sie können auch den normalen Privatanleger zum Hedge-Fonds-Manager mutieren lassen.

Die internationalen Terminbörsen warten immer wieder mit Rekordmeldungen auf. Das Geschäft mit Optionen und Futures scheint richtiggehend zu brummen. Das gilt wohl vor allem bei Kontrakten auf Indizes, Anleihen, Währungen und Rohstoffen.

Börsen wie Euronext Liffe oder OneChicago in Amerika wollten von diesem Erfolg profitieren und haben eine ganze Reihe von so genannten Aktienfutures eingeführt. Das sind analog zu Indexfutures standardisierte Termingeschäfte auf einzelne Aktien, mit welchen Anleger sowohl auf steigende als auch fallende Kurse setzen könnten. Allerdings scheint die Nachfrage bisher nicht allzu groß zu sein (siehe auch Aktienfutures setzen sich am Markt nicht durch).

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Contracts for Difference (CFDs) in England weit verbreitet

Das ist schade, denn wenn ein Anleger eine ausgeprägt negative Meinung zu einem Unternehmen hat, dann kann er sie nur bedingt „spielen“. Und zwar nur dann, wenn es auf diesen Wert Optionen gibt. Sie kostet nicht nur eine Prämie, sondern auf Grund der begrenzten Laufzeit läuft auch die Zeit gegen ihn.

Aber es gibt auch Alternativen. In Großbritannien sind die so genannten CFDs - Contracts for Difference - weit verbreitet. Dabei handelt es sich um nichts anderes, als den Kauf oder den Verkauf von aktienähnlichen Produkten gegen Hinterlegen einer Marge. Möchte ein Anleger beispielsweise 865 Aktien von Nokia mit einem Gegenwert von etwa 10.000 Euro erwerben, so muß er nicht die gesamte Summe einsetzen, sondern nur ein Bruchteil davon.

Liegt der Kurs des CFDs beispielsweise bei 11,58 Euro, so kostet der Kauf vor Spesen bei einer Marge von zehn Prozent 1.001,67 Euro. Steigt der Kurs der Aktie um zehn Prozent oder um absolut 1,16 Euro auf 12,74 Euro, so legt seine CFD-Position um 1,16 x 865 oder um 1.103,4 Euro auf dann 2.005 Euro zu. Das heißt, Der Anleger konnte sein Kapital auf diese Weise nicht nur verdoppeln, sondern er mußte dafür nur ein Zehntel des Kapitals einsetzen, welches er für den faktischen Kauf der Aktie benötigt hätte. Der Wertpapierhandel auf Marge - oder im Fachchinesisch: mit Leverage - erweitert so die Gewinnmöglichkeiten, aber natürlich auch die denkbaren Risiken.

CFDs funktionieren vom Prinzip her wie Futures

CFDs funktionieren damit vom Prinzip her wie Futures. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede. Erstens werden sie nicht über eine Börse gehandelt, sondern mit einem Broker oder einer Bank auf der anderen Seite. Das heißt, es sind so genannte OTC-Kontrakte, also gegenseitige Verträge. Zweitens ist ihre Laufzeit unbegrenzt. Drittens erwirbt man keine Anteile an einem Unternehmen und hat damit keine Stimmrechte an der Hauptversammlung. Dividendenzahlungen werden ausgeglichen. Es gibt keine zweitägige Valuta, sondern Zahlungen werden sofort bei Geschäftsabschluß fällig gestellt.

Die weiteren Details hängen von der anbietenden Bank ab und können im Detail variieren. So orientieren sich beispielsweise die Kurse der dänischen Saxobank für ihre CFDs an den Aktienkursen. Wird die Nokia-Aktie mit 11,58/59 gestellt, so ist das in der Regel auch der Preis des CFDs. Im Unterschied zu Futures wird bei „Long-Positionen“ täglich eine Finanzierungsposition in Anlehnung an den kurzfristigen Zins der jeweiligen Währung berechnet und bei „Short-Positionen“ gutgeschrieben. Einmal im Monat werden sie effektiv ausgeglichen, beim Intradayhandel fallen sie nicht an.

Breiteres Handelsspektrum

Im Unterschied zu Futures ist auch das Aktienspektrum bei CFDs viel breiter. Die Saxobank bietet den Handel für Aktien an, die an der Amex, der australischen Börse, der dänischen Börse, an Euronext, der deutschen Börse, der London Stock Exchange, der Nasdaq, der NYSE und anderen gehandelt werden. Grundsätzlich sei ein CFD auf jede Aktie von Unternehmen handelbar, die mindestens eine Marktkapitalisierung von einer Million Euro und ein durchschnittliches Handelsvolumen von 250.000 Stück pro Tag bieten, so Stephan Martinussen von der Saxobank.

Insgesamt dürften die CFDs für „trading - und strategieorientierte“ Anleger eine interessante Alternative zu Optionen, Futures und Zertifikaten darstellen. Denn sie sind einfach zu verstehen und einfach zu handeln.Risiko und Chancen können durch die Plazierung von verschiedenen bedingten Limitorders gewahrt werden. So können auch Privatanleger mit „Long-Short-Strategien“ zu Hedge-Fonds-Managern mutieren - wenn sie es denn wollen.

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