11.09.2006 · Umfragen sind so etwas wie die wissenschaftliche Version der Kristallkugel - sie sollen etwas über den Stand der Gegenwart und die Aussichten für die Zukunft verraten. Was Fondskunden von ihren Beratern erwarten.
Von Hanno BeckUmfragen sind so etwas wie die wissenschaftliche Version der Kristallkugel - sie sollen etwas über den Stand der Gegenwart und die Aussichten für die Zukunft verraten. Befragt man eine genügend große Zahl von Menschen, so lautet die Idee, kann man aus dem Querschnitt der Antworten so etwas wie eine repräsentative Wirklichkeit und Zukunft herauslesen.
Diese Idee stand wohl auch Pate bei der jetzt erschienenen „Global Investment Management Survey“ von PricewaterhouseCoopers, die mittels Befragungen eine Bestandsaufnahme der Fondslandschaft in der Welt geben soll. Und wie sieht sie denn aus, die weltweit erfragte Fondswirklichkeit? Neben Beratungssprech-Klassikern wie der „Konzentration auf Kernkompetenzen“ - „Konzentration auf Randtätigkeiten“ würde auch albern klingen - geht es um drei Trends, welche die befragten Fondsverantwortlichen sehen: Wachstum, Vertrieb und Vertrauen.
Trend Nummer eins: Wachstum
Die Aussagen zu Trend Nummer eins, dem Wachstum, müssen die Branche optimistisch stimmen: War in den Jahren zuvor noch Sparen die Tugend Nummer eins, so scheint dieser doch recht schmerzhafte Trend nunmehr in der strategischen Rumpelkammer zu verschwinden. Während mehr als 50 Prozent der Befragten in den kommenden drei Jahren Umsatzzuwächse von mehr als 20 Prozent sehen, spielt das Thema Kostenreduktion fast keine Rolle mehr in den Überlegungen der Verantwortlichen.
Dieser stolze Optimismus speist sich wohl aus zwei Quellen: Zum einen liegen drei gute Jahre hinter der Branche, und das menschliche Gehirn ist stets bemüht, seinem Besitzer das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, indem es den Wunsch zum Vater des Gedankens macht und gute Zeiten gerne fortschreibt. Andererseits aber liegen mehr als drei Jahre mit straffem Kostenmanagement hinter der Branche, in denen viel überflüssiger Kostenballast über die Reling der Investment-Schiffe geworfen wurde. Und wer so schlank ist, muß nicht noch mehr abnehmen.
Trend Nummer zwei: Vertrieb
Dummerweise haben die Fondskunden selbst davon nur wenig mitbekommen - ihr Fonds ist trotz der Sparanstrengungen in den vergangenen Jahren nicht billiger geworden. Das liegt wohl auch am zweiten Trend, über den sich die befragten Fondsanbieter ihr Herz ausschütten, nämlich dem Vertrieb: Mit keinem ihrer Tätigkeitsbereiche sind die Fondsgesellschaften so unzufrieden wie mit dem Vertrieb; und in keinem ihrer Tätigkeitsbereiche sehen sie für die kommenden Jahre so große Aufgaben auf sich zukommen. Diese Ergebnisse zeigen, wie es um das Fondsgeschäft bestellt ist, wobei Deutschland hier keine Ausnahme darstellt. Fonds herstellen kann jeder, Fonds vertreiben nur wenige.
Und diese wenigen schneiden sich ein ordentliches Stück am Verdienstkuchen ab. Teilweise ist diese Machtasymmetrie zwischen dem Vertrieb und der Produktion von Fonds auch strukturellen Umständen geschuldet: Eine Fondsproduktion ist rasch mit geringen Kosten auf die grüne Wiese gesetzt, aber ein schlagkräftiges Vertriebsnetz aufzubauen ist eine Veranstaltung, die mehrere Jahre und viel Personal benötigt - und dementsprechend teuer ist. Für die Fondskunden hat das zur Folge, daß ein wesentlicher Teil ihrer Gebühren nicht bei der Fondsgesellschaft, sondern beim Vertrieb landet, auch wenn der nette Herr, der die Verkaufsunterlagen zur Unterschrift bereitlegt, dieses Detail gern dort beläßt, wo es jetzt zu finden ist - im Kleingedruckten.
Trend Nummer drei: Vertrauen
Doch ganz so zutraulich sind die Fondskunden nicht - so beklagen sich Fondskapitäne darüber, daß die Wertentwicklung ihrer Fonds nicht mehr mit bloßem Auge, sondern mit der Lupe, wenn nicht gar mit dem Mikroskop untersucht wird. Womit wir bei Trend Nummer drei wären. Vor allem institutionelle Anleger wollen immer genauer wissen, wo die Wertentwicklung herkommt und mit welchem Risiko sie verbunden ist. Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen dürfte - mit etwas Verspätung - auch bei den Privatanlegern einsetzen, die sich zunehmend nicht mehr damit zufriedengeben, die Wertentwicklung ihres Fonds von der Gesellschaft selbst erzählt zu bekommen.
Denn auch das förderte die Studie zutage: Den Anlegern fehlt Vertrauen in die Wertentwicklung der Fonds. „Ein massives Mißtrauen in die Fähigkeit der Fonds, die versprochene Wertentwicklung zu liefern“, wird dort konstatiert. Will heißen: Erst haben die Anleger ihr Geld verloren, dann ihr Vertrauen. Und bis dieses Vertrauen zurückkehrt, wird wohl noch manche Befragung durch den Fondsblätterwald rauschen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |