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Der Fondsmarkt Rentenfonds haben drei Instrumente zur Steuerung

22.09.2003 ·  Trotz Renditedruck fließt den Rentenfonds noch immer viel Kapital zu. Wer unverdrossen mitmischt, sollte die Instrumente der Fondsmanager kennen und sich Gedanken über die aktuell geeignetsten Rentenfonds machen.

Von Hanno Beck
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Sie gelten als sicherer Hafen für den risikoscheuen Anleger, und sie haben ihn in den vergangenen drei Jahren im Vergleich zu Aktienfonds gut durch den Sturm getragen: Rentenfonds sind etwas für den Anleger, der genug von den dramatischen Kursverlusten an den Aktienmärkten hat.

Und offenbar sind das immer noch genug Anleger, die genug von Kursverlusten haben: Insgesamt 8,7 Milliarden Euro sind Rentenfonds in diesem Jahr zugeflossen - im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 3,9 Milliarden Euro.

Renditedruck macht sich in der Fonds-Performance bemerkbar

Doch seit Mitte Juni hat der Wind an den Rentenmärkten gedreht. Die Rendite deutscher Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stieg seitdem um rund 80 Basispunkte, ihre amerikanischen Pendants legten im gleichen Zeitraum rund 110 Basispunkte bei der Rendite zu.

Diese von vielen Analysten bereits als Zinswende betitelte Entwicklung ist an den Rentenfonds nicht vorbeigegangen. Steigende Renditen gehen spiegelbildlich einher mit sinkenden Anleihekursen, und zwar deutlicher, als man denkt, wie Michael Krautzberger von der Fondsgesellschaft Union Investment beispielhaft vorrechnet: „Ein Renditeanstieg von 100 Basispunkten würde bei einer zehnjährigen Bundesanleihe zu einem Kursverlust von mehr als sieben Prozent führen, eine Anleihe mit 20 Jahren Laufzeit würde rund elf Prozent an Kurswert verlieren", sagt er. Bei einem Zinsanstieg um 200 Basispunkte wäre es für eine Anleihe mit dreißig Jahren Laufzeit sogar ein Kursverlust von rund einem Viertel.

Ein Blick in die Statistiken von Standard & Poor's zeigt, daß Rentenfonds diese Kursverluste nicht vollständig abfangen konnten: Hinsichtlich der Wertentwicklung der insgesamt 25 Fondskategorien, die S&P untersucht, belegen Euro-Rentenfonds mit einer leicht negativen Wertentwicklung, auf einen und drei Monate gesehen, den letzten Platz - auf ein Jahr gerechnet hingegen, liegen sie aber noch auf dem sechsten Rang.

Ein ähnliches Bild bietet die Wertentwicklung der weltweit anlegenden Rentenfonds: Auf einen und drei Monate gesehen, liegt diese Fondsgruppe abgeschlagen auf Rang 20 beziehungsweise 22, wo sie noch, auf ein Jahr gesehen, auf dem neunten Rang rangieren.

Drei Instrumente zur Performance-Steuerung

An den Kursverlusten der Anleihen führt für die Rentenfonds also kein Weg vorbei - sie können aber versuchen, diese einzudämmen. Dazu hat ein Rentenfondsmanager drei Instrumente in seinem Werkzeugkasten: das sogenannte Durationsmanagement, das Kurvenmanagement und das Segmentmanagement.

Beim Durationsmanagement geht es darum, die Laufzeiten der im Portfolio befindlichen Anleihen zu verkürzen. Je kürzer die Laufzeit einer Anleihe, um so geringer ist ihre Anfälligkeit gegen Zinsveränderungen, die näherungsweise mit der sogenannten Duration gemessen wird. Und je geringer die Duration ist, um so geringer wird für den Fondsmanager das Risiko, bei weiter steigenden Zinsen von noch stärker sinkenden Kursen auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Beim Kurvenmanagement, dem zweiten Werkzeug der Rentenfondsmanager, geht es darum, vom sogenannten Roll-down-Effekt zu profitieren. Dieser Effekt entsteht, wenn sich die Laufzeit von Anleihen verkürzt: Wird aus einer fünfjährigen Anleihe im Zeitablauf eine vierjährige Anleihe, so entsteht automatisch durch die Abschmelzung der Laufzeit ein Kursgewinn.

Und je steiler der Bereich der Renditekurve ist, in dem der Fondsmanager sozusagen auf dieser Kurve herabrutscht, um so größer ist dieser automatische Kursgewinn. „Diese Strategie macht Sinn, wenn man erwartet, daß die Renditen in Zukunft eher stagnieren werden", sagt Martin Hochstein, Rentenfondsmanager von der SEB Invest.

Werkzeug Nummer drei - das Segmentmanagement - soll die Rendite aufbessern, indem man entweder über das Währungsmanagement Zusatzgewinne einfährt oder aber Anleihen mit höheren Risiken und höherem Kupon ins Portfolio nimmt, beispielsweise Unternehmensanleihen oder Anleihen aus Schwellenländern.

Amerikanische Staatsanleihen für deutsche Anleger schon länger wenig lukrativ

Wem das zu diffus ist, der greift bei entsprechendem Risikobewußtsein gleich zu den klassischen Produkten für Hochzinsfreunde - und er wäre die vergangenen drei Jahre damit gar nicht so schlecht gefahren, sagt Kai Wiecking vom Fondsratinganbieter Morningstar. Sowohl auf Jahresfrist als auch im laufenden Jahr haben Rentenfonds, die auf Schwellenmärkte oder Unternehmensanleihen setzen, ihre Konkurrenten, die nur auf Staatsanleihen setzen, geschlagen. Rund 17 Prozent gab es für die Unternehmensanleihen, fast neun Prozent für die Schwellenmarktpapiere, die auf fünf Jahre mit einem Plus von 14 Prozent sogar die Unternehmensanleihen (minus ein Prozent) schlugen.

Fonds, die auf amerikanische Staatsanleihen setzen, haben sich laut Wiecking in den vergangenen Jahren als keine gute Anlage erwiesen - hier war es vor allem die Entwicklung des Dollarkurses, der europäischen Anlegern den Gewinn schmälerte. „Am besten wären Sie gefahren, wenn Sie europäische Staatsanleihen gehabt hätten und die Rendite mit Schwellenmarktfonds ein wenig aufgepeppt hätten", meint Wiecking.

Statt Rentenfonds kann man auch einfach Staatsanleihen kaufen

Doch mit Blick auf die Zukunft könnte etwas mehr Diversifizierung angesagt sein, sagt SEB-Fondsmanager Hochstein: „Wenn Sie an eine weltweite Konjunkturerholung glauben, dann machen internationale Rentenfonds Sinn, weil Sie dann das negative Umfeld für Renten durch geschicktes Währungsmanagement abfedern können."

Wer keine Fonds mag, der verweist gern auf die Möglichkeit einer sogenannten Buy-and-hold-Strategie: Eine Staatsanleihe kaufen, den Kupon einstreichen und bis zur Fälligkeit liegenlassen ist eine relativ einfache Strategie - hier droht lediglich Gefahr durch Inflation. Fondsmanager hingegen können sich nicht zurücklehnen und dem Geld bei der Arbeit zuschauen - sie werden dafür bezahlt, daß sie mehr als den Kupon erwirtschaften. Aber dazu haben sie ja auch einen umfangreichen Werkzeugkasten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2003, Nr. 221 / Seite 25
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