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Der Fondsmarkt Internetfonds ganz oben - auf kurze Sicht

18.07.2005 ·  Wer in den Fonds-Ranglisten von Morningstar stöbert und sich bei Technologiewerten umsieht, stößt dort auf alte Bekannte. Auf Sicht von drei Monaten mischen die Internet-Fonds wieder oben mit, allen voran der erste Internet-Fonds, der in Deutschland aufgelegt wurde.

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Es hat immer etwas Wehmütiges, wenn man alte Bekannte trifft - auch solche Bekannte, an die man nicht nur gute Erinnerungen hat. Wer derzeit in den Fonds-Ranglisten des Datenanbieters Morningstar stöbert und sich einmal bei den Technologiewerten umsieht, stößt dort auf solche alte Bekannte. Auf Sicht von drei Monaten mischen die Internet-Fonds derzeit wieder ganz oben mit, allen voran der Nordinternet der Fondsgesellschaft Nordinvest, der erste Internet-Fonds, der in Deutschland das Licht der Welt erblickte.

Das waren noch Zeiten, das Jahr 1998, als der Nordinternet an den Start ging und schon in seinem ersten Lebensjahr den Anlegern ein Plus von 115 Prozent bescherte. Was danach kam, ist hinreichend bekannt, und nicht nur der Nordinternet verlor über einen Zeitraum von fünf Jahren mehr als 90 Prozent an Wert. Auch andere alte Bekannte haben ihre Anleger schwer enttäuscht: Ein volles Dutzend Fonds, die sich das Internet auf die Fahnen ihrer Produktprospekte geschrieben haben, finden sich in der Datenbasis des Finanzdienstleisters Feri Trust.

Und im Schnitt haben sie in den vergangenen fünf Jahren jährlich 25 Prozent verloren - nicht eingerechnet sind darin die Fonds, die auf der langen Durststrecke bis ins Jahr 2005 mangels Erfolg aufgeben mußten. Da fallen die jährlichen Gewinne des Jahres 2003, als die Fonds rund 40 Prozent gutmachten sowie die bescheidenen Zuwächse von dreieinhalb Prozent im vergangenen Jahr kaum ins Gewicht.

Einer der heißesten Reifen für Fondsanleger

Keine Frage - auch nach dem Ende des Wir-werden-alle-mit-dem-Internet-reich-Booms sind Internet-Fonds noch immer einer der heißesten Reifen, den man als Anleger fahren kann, was nicht zuletzt auch an der aktuellen Zusammensetzung der meisten Portfolios liegt, wie Werner Hedrich vom Analysehaus Morningstar meint: „In vielen Internet-Fonds machen die zehn größten Positionen des Fonds rund 60 Prozent des Fondsvolumens aus - damit haben Sie in diesen Fonds deutliche Klumpenrisiken“, erklärt er. In der Tat sind es allen voran die Aktien von Google, Yahoo, E-Bay und Verisign, welche die Portfolios der Internet-Fonds dominieren.

Die Konsequenz dieser Ballung von Werten ist klar. Bekommt eine dieser Aktien einen - bei Internet-Werten nicht unwahrscheinlichen - Schwächeanfall, so gerät die Wertentwicklung des gesamten Fonds unter Druck. Ein Portfolio, das von vier Werten dominiert wird, kann man sich vorstellen wie ein Haus: Stürzt eine der vier Wände ein, ist das ein Problem. Verschärft wird es möglicherweise dadurch, daß die meisten Internet-Fonds sehr stark in Amerika investiert sind und damit auch ein erkleckliches Währungsrisiko haben. Das ist dann so, als würde das Haus mit der fehlenden vierten Wand an einem ganz besonders zugigen Ort stehen.

Also eine Menge Risiken auf einmal in einem Fonds - oder? „Es ist nicht so, daß wir uns nur auf Internet-Flaggschiffe konzentrieren. Die Zusammensetzung des Portfolios ergibt sich einfach dadurch, daß wir Unternehmen suchen, die eine gute Wettbewerbsposition haben, günstig bewertet sind und darauf achten, ihre Anleger nicht zu enttäuschen“, sagt Sebastian Thomas von RCM, der den Dit-Internet-Fund betreut. Mit anderen Worten: Man setzt nicht einfach auf die großen Internet-Unternehmen, sondern sie finden quasi automatisch aufgrund ihrer guten Zahlen den Weg in die Portfolios der Fondsmanager.

Unternehmen meist profitabel

Und diese Unternehmen sind, und das ist auch der Hauptunterschied zu den Internet-Werten der ersten Stunde, meistens rentabel. „Nach den vergangenen fünf Jahren haben Internet-Unternehmen gelernt, daß auch für sie gilt: Man muß so rasch wie möglich in die Gewinnzone kommen“, sagt Volker Kuhnwaldt, der den Nordinternet betreut. Mittlerweile seien 85 Prozent der Unternehmen, in die er investiert, profitabel - davon wagte man vor fünf Jahren noch nicht einmal zu träumen, geschweige denn, daß man es für nötig befand.

Aber sind es nur die großen Internet-Unternehmen, die wirklich rentierlich sind? Die Ballung weniger großer Werte in den Portfolios der meisten Internet-Fonds legt das zumindest nahe, ebenso wie ein Argument, das man ebenfalls noch aus den guten alten Zeiten kennt: Es sind die Gorillas, die im Internet das Geschäft machen. Unter einem Gorilla verstand man zur Jahrtausendwende diejenigen Internet-Unternehmen, von denen man annahm, daß sie es aufgrund ihrer Größe und des oft durch einen frühen Start bedingten Wettbewerbsvorsprungs schaffen würden, langfristig das gesamte Geschäft an sich zu reißen. Und für diese Gorillas, so die Idee, lohne es sich dann, auch einen Aufpreis zu zahlen.

Der Blick auf Yahoo, Amazon und E-Bay scheint die Gorilla-Theorie zu bestätigen. Vor allem, so glauben die Anhänger der Gorilla-These, rechtfertige er ein wenig die schon damals überhöhten Preise für diese Unternehmen. Die starke Konzentration weniger Werte in den Fondsportfolios würde sich dann dadurch erklären, daß es sich eben sozusagen um Gorilla-Portfolios handelt - nur die Großen haben überlebt. Und die sind dann eben am profitabelsten und am stärksten in den Portfolios vertreten.

Ein Gorilla der späten Stunde

Aber ausgerechnet der Spätstarter Google zeigt, daß man sich auch auf diese Theorie nicht verlassen kann. Google ist zu spät auf den Markt gekommen, um ein Gorilla der ersten Stunde zu sein - hat aber rasch viele seiner Konkurrenten abgehängt. Hier zeigt sich möglicherweise auch eine weitere Kehrseite der Fixierung auf die großen Werte: Das größte Wachstumspotential haben Internet-Werte, wenn sie auf dem Sprung zum Gorilla sind, und nicht wenn sie bereits zum Gorilla geworden sind.

Die Fokussierung auf die großen Internet-Werte reduziert zwar für den Fondsmanager das Risiko, schlechter zu sein als der Vergleichsindex, beraubt ihn aber auch zugleich der Chancen, früh genug auf den nächsten Gorilla zu setzen. Doch je mehr man im Portfolio auf die kleinen Wachstumswerte setzt, um so mehr muß man damit rechnen, daß es zu Trauerfällen im Portfolio kommt. Und so trifft man in den Ranglisten nicht nur gute alte Bekannte, sondern auch altbekannte Weisheiten, die etwas über den Zusammenhang zwischen Chancen und Risiken verraten.

Quelle: F.A.Z., 19.07.2005, Nr. 165 / Seite 21
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