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Der Fondsmarkt Ein alternativer Autopilot schlägt Indexfonds

04.02.2003 ·  In Zeiten der Baisse gehen Fonds, die sich an einem bestimmten Index orientieren, mit dem Börsenbarometer nach unten. Bei aktiv gemanagten Fonds können Verluste über Kassenhaltung vermieden werden.

Von Hanno Beck
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Wie fliegen die meisten Flugzeuge? Bis auf den Start und die Landung in der Regel mit dem Autopiloten: Man gibt ein Ziel und einen Kurs ein, der Rest geht dann automatisch.

Das funktioniert bei Flugzeugen in der Regel recht gut, doch bei Fonds? In der Tat gibt es auch Fonds, die ähnlich wie ein Flugzeug geführt werden: Man einigt sich auf ein Ziel, gibt einen Kurs vor, und dann schaltet man den Autopiloten ein.

Mit dem Index nach unten

Das bekannteste Beispiel solcher Fonds sind indexnahe Fonds: Man einigt sich auf einen Index, den man verfolgen will, legt den Fonds auf, und der Rest geht dann mehr oder weniger automatisch. Doch in Zeiten der Baisse haben indexnahe Fonds einen strukturellen Nachteil gegenüber aktiv gemanagten Produkten: Da sie immer voll investiert sind, gehen sie eins zu eins mit dem Index nach unten - aktiv gemanagte Fonds hingegen können über die Kassenhaltung einen Teil der Verluste vermeiden.

Kann man denn den Index schlagen, ohne das damit verbundene Risiko zu haben? Ja, sagen die Experten des Fondsanbieters Janus Capital, und das ohne einen aktiven Fondsmanager, nur mit Mathematik als Autopiloten. Die Grundannahme der Janus-Experten: Die Kurse der Standardwerte sind effizient gepreist, in den Börsenkursen dieser Werte sind also alle Informationen enthalten. Doch die Indizes der Standardwerte sind keine effizienten Portfolios, sagt Janus: Schließlich werden diese Indizes nach Kriterien wie Marktkapitalisierung sowie gehandeltem Volumen zusammengesetzt und nicht nach portfoliotheoretischen Aspekten.

Im Index enthaltene Aktien neu gewichten

Dann aber, meinen die Janus-Experten, dürfte es doch recht leicht sein, den Index zu schlagen, nämlich indem man die im Index enthaltenen Aktien neu gewichtet. Dann kann man mit den Aktien des Index ein effizienteres Portfolio kreieren, das dann besser als der Index abschneidet. En détail funktioniert das so: Nachdem man sich einen Vergleichsindex gesucht hat, wählt das Programm innerhalb dieses Index Aktien mit relativ hohen Kursschwankungen und geringer Korrelation untereinander aus. Diese mischt man zu einem neuen Portfolio, in dem man dann insgesamt geringere Kursschwankungen hat als in einem Portfolio, das den Index nachbildet.

Gewinne der einen Aktien kompensieren Verluste der anderen

Und im besten Fall werden wegen der geringen Korrelationen der Aktien untereinander die Kursverluste der einen Aktie durch die Kursgewinne einer anderen kompensiert. In der Praxis hat das bisher anständig funktioniert: Beide Janus-Fonds, die mit diesem Ansatz gemanagt werden, der Large Cap Core und der Large Cap Growth, haben seit ihrer Auflegung ihren Vergleichsindex um elf respektive sechs Prozent geschlagen.

Doch nicht nur die Janus-Experten setzen auf Autopiloten, bei der SEB Invest beispielsweise managt man einen Rentenfonds mit Hilfe eines sogenannten quantitativen Trendfolgemodells. Ziel des Fonds ist es, frühzeitig zu erkennen, wenn ein Abwärts- oder Aufwärtstrend beginnt. Bestimmte Signale - wie beispielsweise gleitende Durchschnitte - geben den Fondsmanagern das Zeichen für den Ein- oder Ausstieg. In Zahlen ausgedrückt: Der SEB Trend System Renten hat im vergangenen Jahr 15,65 Prozent eingefahren, seit Auflegung sind es rund 19 Prozent.

Den Dax mit Trendfolgemodell geschlagen

Mit Trendfolgemodellen arbeitet auch der Warburg Dax-Trend-Fonds von M. M. Warburg & Co. „Aus der Veränderung der Kurse und der Länge der Zeiträume, in denen sich die Kurse verändern, läßt sich eine Reihe von Indikatoren ableiten. Aus diesen wiederum muß dann noch ein Regelwerk abgeleitet werden, und das Ergebnis ist ein sehr disziplinierter Anlageansatz", sagt Martin Weinrauter von Grohmann & Weinrauter, der für M. M. Warburg den Fonds betreut. Unter dem Strich ein erfolgreiches Konzept, der Fonds hat sich in vielen Hitlisten weit oben plaziert und seit Auflegung rund acht Prozent erzielt, während der Dax im gleichen Zeitraum fast 30 Prozent verlor. Und das alles schaffte der Fonds mit einem Risiko, das unter dem des Marktes lag.

So gut das klingt - mit statistischen Methoden dem Markt ein Schnippchen schlagen -, so problematisch ist das in der Praxis, aus einem einfachen Grund: Jedes mathematische oder statistisch ausgerichtete Modell braucht einen Input, einen verwertbaren statistischen Zusammenhang, und dieser Zusammenhang muß aus der Vergangenheit hergeleitet werden. Und genau hier liegt das Problem: Ein statistischer Zusammenhang, der in der Vergangenheit gegolten hat, muß nicht notwendigerweise in der Zukunft gelten. Ändern sich wichtige ökonomische Parameter, so können solche Modelle zusammenbrechen. Verschiebt sich der Horizont, so muß der Autopilot neu justiert werden.

Große Datenmenge und sinnvolle Theorie nötig

Kritiker dieser Modelle werfen deren Architekten oft vor, daß man ein Modell aus Vergangenheitsdaten konstruiere und anschließend damit werbe, daß das Modell so gut die Vergangenheit darstelle. Wer sein Modell sauber entwerfen will, muß es an eine möglichst große Datenmenge anpassen und es zudem mit einer sinnvollen Theorie unterlegen. Auch hilft es, das einmal gefundene Modell an alternativen Zeitreihen - sprich: Märkten - auf seine Robustheit zu testen.

Trendfolgemodelle führen zu mehr Disziplin im Anlageprozeß und können durchaus Erfolge mit sich bringen, ersetzen aber nicht den Anlageverstand. So müssen die Modelle ersonnen und sinnvoll angewendet werden - "a fool with a tool still remains a fool" spotten Kritiker, zu deutsch: Was will ein Analphabet mit einem Wörterbuch? Doch nicht nur das: Die Modelle müssen auch ständig überprüft, angepaßt und weiterentwickelt werden, und zumeist müssen Fondsmanager noch im Detail eingreifen - viele Trendfolgemodelle steuern nur den Investitionsgrad, die Einzeltitelauswahl bleibt dem Fondsmanager überlassen. Es ist wie beim Autopilot: Es gehört immer noch ein Pilot dazu, der im Gefahrenfall eingreifen kann.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2003, Nr. 29 / Seite 25
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