21.08.2007 · An den Kapitalmärkten wird derzeit Domino gespielt: Nachdem der erste Stein - amerikanische Hypothekendarlehen minderer Bonität - umgekippt ist, sind weitere gefallen. Auch in der Fondsbranche sieht es ähnlich aus.
Von Hanno BeckWas eine Kettenreaktion ist, weiß jeder, der einmal mit Dominosteinen gespielt hat. Man stellt mehrere Steine hintereinander auf, stupst den ersten Stein an. Und dieser sorgt dafür, dass nach und nach alle anderen Steine umkippen.
Eine Art Domino wird derzeit an den Kapitalmärkten gespielt: Nachdem der erste Stein - amerikanische Hypothekendarlehen minderer Bonität - umgekippt ist, sind Zug um Zug weitere Steine gefallen, zuerst andere Hypothekendarlehen, dann weitere forderungsbesicherte Kredite. Und jetzt wackeln die Aktienmärkte. Auch in der Fondsbranche sieht es ähnlich aus. Nachdem es in der vergangenen Woche einige Fonds erwischte, die in forderungsbesicherte Wertpapiere investieren, geht jetzt unter Anlegern die Angst um, dass nach diesen sogenannten ABS-Fonds auch Geldmarktfonds im Finanzmarkt-Domino eine fallende Rolle spielen könnten.
Liquiditätsverknappungen auf dem Geldmarkt
Auf den ersten Blick wirkt diese Befürchtung gerechtfertigt. Aufgrund der Vorkommnisse in Amerika kam es in den vergangenen Tagen zu deutlichen Liquiditätsverknappungen auf dem Geldmarkt. Dies bewegte die Europäische Zentralbank dazu, reichlich Liquidität in den Geldmarkt zu pumpen, um das Umfallen eines weiteren Steinchens zu verhindern. Die meisten Geldmarktfondsmanager allerdings sehen diese Vorgänge gelassen. Zwar sind am Geldmarkt in bestimmten Laufzeiten die Zinsen gestiegen, doch für Anleger in Geldmarktfonds hat das auch positive Folgen. Da viele Papiere mit variablen Zinssätzen ausgestattet sind, profitieren diese von den steigenden Zinsen.
Auch bei den festverzinslichen Papieren, die Geldmarktfonds im Portfolio haben, müssen die steigenden Zinsen nicht unbedingt zu fallenden Kursen dieser Wertpapiere führen, da bei Papieren mit kurzen Laufzeiten in der Regel keine Kurse gestellt werden. Und dort, wo die Zinssteigerungen - die sich am Geldmarkt bisher ohnehin auf Laufzeiten zwischen einem und drei Monaten beschränkten - die Kurse belasten, können die Fondsmanager die entsprechenden Papiere bis zur Fälligkeit halten. Abgesehen von den Opportunitätskosten, die dadurch entstehen, dass man in anderen Papieren höhere Zinsen bekommen könnte, drohen den Geldmarktfonds keine unmittelbaren Verluste - zumindest von der Geldmarktseite her.
Anders sieht dies aus, wenn man von den Geldmarktfonds spricht, die in forderungsbesicherte Papiere investiert haben, um im Wettbewerb gegen die Tagesgeldkonten und sonstigen Banken-Angebote bestehen zu können. Wo dies der Fall ist, könnten diese Fondsmanager die gleichen Probleme bekommen, die ihre Kollegen der ABS-Fonds haben: Wenn zu viele Anleger auf einmal verkaufen wollen, dann müssen sie ihre Positionen unter hohen Verlusten auflösen - zum Schaden der Anleger. Das ist auch der Grund, warum einige Produkte in den vergangenen Tagen Verluste hinnehmen mussten.
Geldmarktfonds nicht gleich Geldmarktfonds
Wichtig für den Anleger ist, dass Geldmarktfonds nicht gleich Geldmarktfonds ist. Es ist eher die Minderheit der Fonds, die im großen Stil in solche Papiere investiert haben. Bei den meisten Fonds sind diese Produkte nur eine Portfoliobeimischung. Wenn es zu Abflüssen kommt, können diese Fonds erst andere, liquidere Positionen abstoßen - das Fondsmanagement hätte also die Möglichkeit, Probleme bei forderungsbesicherten Papieren erst einmal auszusitzen.
Für den Anleger in Geldmarktfonds bleibt die Frage, warum er nicht gleich zum Tagesgeld greifen soll, statt sein Nervenkostüm so zu strapazieren. Die Fondsgesellschaften verweisen darauf, dass die Banken oftmals die Kunden mit attraktiven Zinsen auf das Tagesgeldkonto locken, anschließend diesen Zins wieder herunterschrauben. Bei Geldmarktfonds hingegen bekomme man stets die aktuelle Geldmarkt-Rendite. Das im Vergleich zu Tagesgeld leicht erhöhte Risiko sei zudem der Preis für die Hoffnung auf eine höhere Rendite. Dem stehen allerdings die Verwaltungsvergütung eines Fonds und eventuelle Kosten für die Eröffnung eines Depots gegenüber, so man denn noch keines hat. Unter dem Strich wird es wie so häufig zu einer finanzmathematischen Rechenaufgabe, die für jeden Geldbeutel, jeden Anlagehorizont und jede Risikoneigung ein anderes Ergebnis liefert. Wer allerdings Angst vor einem gewaltigen Kurseinbruch hat - den die meisten Marktbeobachter allerdings nicht erwarten -, dürfte sich auch auf einem Geldmarktkonto nicht allzu sicher fühlen, denn das Wesen eines Dominospiels besteht darin, dass jeder Stein umfallen kann, und sei er auch noch so weit vom ersten Stein entfernt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,87 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |