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Der Fondsmarkt Ausgabeaufschläge mit „No Load“-Fonds vermeiden

08.09.2003 ·  Erwirbt ein Kunde Fondsanteile für 25.000 Euro mit einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent, so verdient sein Berater für seine Bank rund 1.190 Euro. Nur 23810 Euro wandern in den Fonds. Doch es geht auch anders.

Von Hanno Beck
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Ein Kunde kommt in die Bankfiliale und will einen Fonds kaufen. Er weiß auch genau, welchen Fonds er will, so daß das Gespräch mit dem Berater und der Kaufvorgang gerade einmal 15 Minuten dauern. Ist man großzügig und nimmt an, daß die beiden noch ein wenig über das Wetter, die Bundesliga und andere wirklich wichtige Dinge sprechen, dürfte sich der Kunde nach einer halben Stunde verabschiedet haben. Hat er Fondsanteile im Wert von 25.000 Euro zu einem nicht unüblichen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent gekauft, so hat der Berater unseres Fondskunden für seine Bank in dieser halben Stunde rund 1.190 Euro verdient.

Denn der Ausgabeaufschlag geht mittlerweile meist komplett an den Vertrieb. Das ist kein schlechter Stundenlohn und relativ teuer für ein Gespräch über die Bundesliga. Ohne den Schnack über Wetter und Bundesliga wäre der Stundenlohn noch üppiger ausgefallen: Ob fünf Minuten oder fünf Stunden - 1.190 Euro gehen an den Berater. Nur 23.810 Euro wandern in den Fonds.

No Load-Fonds mit höheren Verwaltungsgebühren

Leider machen sich viele Fondskunden zuwenig Gedanken über diesen Umstand. Aber diejenigen, die dies tun, suchen nach Alternativen - und werden auch fündig. Ihnen bietet die Branche sogenannte "No Load"-Fonds an, also Fonds ohne Ausgabeaufschläge. Doch so gut das auf den ersten Blick klingt, schenken mag die Branche ihren Kunden nichts: In der Regel haben diese Fonds, auf neudeutsch auch als "Trading-Fonds" bezeichnet, zwar keinen Ausgabeaufschlag, doch dafür verlangen sie höhere Verwaltungsvergütungen. Und die Frage ist natürlich, was billiger ist - der Fonds ohne Ausgabeaufschlag mit höheren Verwaltungsvergütungen oder der Fonds mit Ausgabeaufschlag und geringeren jährlichen Gebühren.

Wie so oft lautet die Antwort auf diese Frage: "Es kommt darauf an": Nicht jeder Anleger sollte zu No-Load-Fonds greifen, und nicht jeder No-Load-Fonds macht auch Sinn. Gängige Münze ist in der Branche der Rat, No-Load-Fonds nur zu kaufen, wenn man über einen begrenzten Zeitraum anlegen will. Das Kalkül hängt dann von der Höhe der jeweiligen Kostenbelastungen, der Anlagedauer und der Wertentwicklung des Fonds ab.

Dabei gilt als Faustformel: Auf kurze Zeit schlagen die höheren Verwaltungsvergütungen nicht zu stark zu Buche wie der üppige Fünf-Prozent-Ausgabeaufschlag. Unterstellt man beispielsweise einen Aktienfonds mit einer jährlichen Wertentwicklung von zehn Prozent und jährlichen Zusatzkosten von einem Prozent für den No-Load-Fonds gegenüber dem herkömmlichen Fonds, so dauert es rechnerisch betrachtet rund fünfeinhalb Jahre, bis der normale Fonds bei einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent billiger wird als die Variante ohne Ausgabeaufschlag. Bei einem Sparplan allerdings verlängert sich dieser Zeitraum, da es länger dauert, bis das gesamte Geld durchschnittlich jene fünf Jahre gebunden ist.

Drei Klassen von No Load- oder Trading-Fonds

Doch Trading-Fonds ist nicht gleich Trading-Fonds, sagt Peter Ludewig, Vorstand von F&V Fondscenter. Nicht für jeden Trading-Fonds treffe die obige Analyse zu. Ludewig unterscheidet drei Klassen von Trading Fonds: Solche, die man empfehlen kann, solche, die man bedingt empfehlen kann, und Fonds, die man nicht empfehlen kann. Trading-Fonds, die man als Anleger meiden sollte, sind seiner Auffassung nach Fonds, die ein identisch geführtes Pendant mit Ausgabeaufschlag haben, aber nicht nur erhöhte jährliche Gebühren, sondern auch zusätzlich eine Rücknahmegebühr aufweisen. Bedingt empfehlenswert sind für Ludewig Trading-Fonds, die ebenfalls ein identisch geführtes Pendant haben, von dem sie sich nur über die höheren jährlichen Verwaltungsvergütungen unterscheiden. Für diese Fonds gelte das Kalkül, daß sie je nach Kostenbelastung und Wertentwicklung auf die Fünf-Jahres-Frist günstiger sein können als ihre Pendants mit Ausgabeaufschlag.

In die gleiche Kategorie zählt Detlef Glow vom Homburger Finanzdienstleister Feri auch die sogenannten Exchange Traded Funds (XTF), also börsennotierte Fonds, die jederzeit handelbar sind: "Wenn Sie einen XTF nehmen, der einen Index abbildet, wissen Sie genau, was Sie kaufen, die Gebühren sind günstig, und Sie können jederzeit verkaufen", sagt er.

Fonds mit Rabatt auf Ausgabeaufschlag

Bleibt noch die dritte Kategorie Trading-Fonds. Welche dieser Fonds kann man denn dem Anleger generell empfehlen? "Manche Trading-Fonds haben kein identisches Gegenstück, waren aber nach Abzug aller Kosten unter dem Strich immer noch besser als ihre Konkurrenzprodukte", sagt Ludewig. Das erstklassige Management sei dann auch ein wenig mehr an Gebühren wert, meint er. Zu solchen Fonds zählt er beispielsweise einige Produkte aus der DWS-Typ-0-Fondsreihe. Empfehlenswert seien aber beispielsweise auch der Fidelity World oder der Fidelity Euro Stoxx 50, die keinen Ausgabeaufschlag aufweisen, deren jährliche Gebühren aber in etwa den üblichen Gebühren bei normalen Fonds entsprechen. "Selbst wenn manche Fonds teilweise etwas teurer sind, solange sich das unter dem Strich für Anleger rechnet, machen diese Produkte Sinn", sagt auch Glow.

Es gibt noch eine vierte Variante von No-Load-Fonds, die man uneingeschränkt empfehlen kann, nämlich normale Fonds mit Rabatt auf den Ausgabeaufschlag: Direktbanken bieten verschiedene Fonds mit teils deutlichen Preisnachlässen auf den Ausgabeaufschlag an. Das Rabattmodell funktioniert manchmal auch bei den Beratern vor Ort: Wer auf einen entsprechenden Status als Kunde verweisen kann, kann im persönlichen Gespräch mit dem Berater oft einen deutlichen Preisnachlaß bekommen. Es könnte dann nur passieren, daß der Schnack über Wetter und Bundesliga etwas kürzer ausfällt als sonst.

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