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Depotmanagement Defensiv anlegen in unruhigen Zeiten

26.10.2007 ·  Die Gefahr einer Konjunkturabschwächung in den Vereinigten Staaten scheint zu wachsen. Zeit für Anleger sich für unsichere Zeiten zu wappnen. S&P hat Experten dazu befragt.

Von Ben Steverman
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Es wird Zeit, die Luken zu schließen. Mit Blick auf wirtschaftliche und fundamentale Faktoren könnte amerikanischen Aktienanlegern in den kommenden Monaten stürmisches Wetter bevorstehen.

Da wären zunächst die als wichtige Determinante des Marktwerts geltenden Unternehmensgewinne: der im Quartal ausgewiesene Gewinnzuwachs amerikanischer Aktiengesellschaften sinkt auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Hinzu kommt die Verfassung des Häusermarktes, die sich Monat für Monat verschlechtert. Auch das Wirtschaftswachstum hat an Fahrt verloren, während den Kreditmärkten noch immer die Finanzkrise des diesjährigen Sommers in den Gliedern steckt.

Langfristige Perspektive

Grund zur Resignation? Nein. Wir befragten Finanzexperten, wie man sich für diese unruhigen Zeiten rüsten kann. Finanzberater empfehlen ihren Klienten normalerweise, auch in turbulenten Zeiten an ihren langfristigen Finanzplänen festzuhalten. Es sei nicht einfach, seine Transaktionen zeitlich so zu planen, dass man damit die Wertentwicklung des Marktes schlägt, so ihr Tenor. Wenn Sie jedoch der Überzeugung sind, dass härtere Zeiten vor der Tür stehen, dann werfen Sie einen Blick auf die nachfolgenden fünf Strategien, die Ihnen vielleicht zu einem ruhigeren Schlaf verhelfen.

Die „Hantelstrategie“

Die „Hantelstrategie“(„Barbell-Strategie“) ist eine klassische Rentenmarkt-Strategie, mit der das Portfolio in kurz- und langfristige Anleihen aufgeteilt wird. In Zeiten wie diesen empfiehlt Manny Weintraub von Integre Advisors eine auf Aktien übertragene Version dieser Strategie. Dahinter steht die Idee, ein Gleichgewicht aus kurzfristigen, relativ konservativen Titeln und vielen langfristigen, risikoreicheren Papieren herzustellen.

So investiert Weintraub 40 Prozent seines Portfolios - den eher konservativen Anteil - in solidere Aktien von Unternehmen, die derzeit gut im Rennen liegen, beispielsweise von dem weltweiten Wachstum profitierende multinationale Konzerne, Unternehmen mit hohen und konstanten Dividendenausschüttungen oder Unternehmen, deren Sparten resistenter gegenüber konjunkturellen Abkühlungen sind.

Der restliche Teil des Portfolios besteht aus Aktien, die durch die jüngsten Marktturbulenzen Kurseinbußen erlitten. Weintraub meidet Aktien von Bauträgergesellschaften aufgrund ihres zu hohen Risikos, favorisiert jedoch beispielsweise Papiere kleinerer Technologieunternehmen. „Man sollte die Aktien jener Unternehmen ins Portfolio nehmen, die an Fahrt gewinnen, sobald das Schlimmste überstanden ist“, so Weintraub. Wenn es hart auf hart kommt, ist wenigstens ein Teil Ihres Portfolios geschützt. Wenn sich die Bedingungen jedoch verbessern, werden Sie von der Aufwärtsbewegung profitieren.

Absicherung ist Trumpf

Der Leerverkauf von Aktien als Möglichkeit, von fallenden Kursen zu profitieren, ist ein altbewährtes Mittel zum Schutz des Portfolios, wenn sich der breitere Aktienmarkt abwärts entwickelt. Leerverkäufe können jedoch riskant und kostspielig sein, und so finden sich auf dem Markt mehr und mehr Anlageprodukte, die Ihnen andere Möglichkeiten zur Absicherung Ihres Portfolios bieten.

Kipley Lytel von Montecito Capital Management empfiehlt mehrere Produkte, darunter etwa inverse Fonds, deren Wert steigt, wenn bestimmte Sektoren oder Indizes nachgeben. Gegenwärtig ist er in einem inversen Fonds mit Fokus auf Nebenwerten investiert und spekuliert im Wesentlichen gegen kleinere Unternehmen im gegenwärtig rauen Umfeld.

Eine weitere Möglichkeit sind Hedge-Fonds oder Mutual Hedge Funds, die von ihren Fondsmanagern so konzipiert sind, dass sie Erträge ohne Korrelation mit dem breiteren Markt abwerfen. „Man investiert eher in eine Strategie, anstatt in einen Markt“, so Lytel.

Bei Fonds und insbesondere bei Hedge-Fonds sollte man jedoch genau hinsehen, da sie nicht selten mit hohen Gebühren verbunden sind, die langfristig die Rendite schmälern.

Goldene Jahre?

Die Preise für Rohstoffe wie Öl, Gold oder andere Metalle entwickeln sich häufig unabhängig vom Aktienmarkt und bieten sich daher als Sicherheit an. In Zeiten des Ausnahmezustands, etwa im Falle eines Terrorangriffs, könnten sie sich reger Nachfrage erfreuen.

Bryant Evans von Cozad Asset Management erinnert jedoch daran, dass eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums dämpfend auf die Nachfrage nach Energie und zahlreichen anderen Rohstoffen einwirken kann. So würden beispielsweise die Preise für Eisen und Kupfer von einem starken Abschwung der Bauaktivitäten negativ beeinflusst.

„Gold profitiert dagegen häufig von einem schwachem Aktienmarkt“, so Evans. Dies hängt mit der Seltenheit des Edelmetalls zusammen. Gold weist zwar abseits der Schmuckverarbeitung nur wenige Verwendungsmöglichkeiten auf, gilt unter Anlegern jedoch gemeinhin als sicherer Hafen in schwierigen Zeiten.

Raum für Anleihen

Kurz gesagt: Anleihen sind ein probates Mittel zur Kapitalerhaltung in risikoreichen Zeiten.
„Anleihen sind eine wirklich gute Investition in Zeiten schwacher Wirtschaftslage“, so Evans. Dies liegt zum einen daran, dass eine Konjunkturabschwächung häufig von Zinssenkungen begleitet wird. Sinkende Zinsen bedeuten steigende Anleihenkurse.

Zum anderen lösen konjunkturelle Abkühlungen häufig eine „Flucht in Qualität“ unter Anlegern aus, wobei amerikanische Staatsanleihen nach wie vor als Goldstandard der Qualität gelten. Evans empfiehlt eine geringere Gewichtung von Unternehmensanleihen, da „ihre Wertentwicklung stärker denen von Aktien ähnelt“.

Global anlegen

Bei der Anlageentscheidung „sollte man Unternehmen mit starkem Engagement auf den internationalen Märkten berücksichtigen“, rät Georges Yared von Yared Investment Research. Während sich viele Anleger um eine Konjunkturabkühlung in den Vereinigten Staaten sorgen, bieten sich international sowohl in Schwellenländern als auch in anderen Industrieländern glänzende Wachstumsaussichten.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, um von diesem Wachstum zu profitieren. Viele amerikanische Großkonzerne setzen einen Gutteil ihrer Produkte im Ausland ab. Aus diesem Grund favorisiert Yared große Technologieunternehmen wie Oracle und Cisco Systems. Es bleibt jedoch immer die Gefahr, dass sich Umsatzrückgänge in den Vereinigten Staaten selbst dann belastend auf amerikanische Unternehmen auswirken, wenn sich die im Ausland generierten Gewinne prächtig entwickeln. Weitere Möglichkeiten sind die Direktanlage in ausländische Aktien und ein Engagement in internationale Investmentfonds.

Zu jeder defensiv ausgerichteten Strategie gehört nach Meinung der Experten auch die Diversifizierung. „Mit einem gut ausgewogenen Portfolio lassen sich stürmische Zeiten am besten überstehen“, so Evans. Chronisch pessimistische Anleger jedoch, die stets auf eine von dunklen Wolken verhangene und sturmgepeitschte Zukunft setzen, verpassen dagegen die Chancen, die sich in den zwangsläufig eintretenden sonnigen Zeiten eröffnen.

Steverman ist Reporter für die Investor-Seiten der Business Week.

Quelle: Business Week Online
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