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Depotbanken Auslandsbanken ringen um deutsche Fondsdepots

10.06.2009 ·  Unter den deutschen Depotbanken steht eine Konsolidierung an. Von den knapp 60 in Deutschland tätigen Instituten werden nur wenige übrig bleiben, meinen Fachleute. Vor allem kleinere Anbieter stünden unter Druck.

Von Markus Frühauf
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Am deutschen Markt für Investmentfonds steht eine Konsolidierung an. Diese findet aber nicht nur für den Anleger sichtbar über die Zusammenlegung von Fonds statt, sondern auch in der Kontrolle und Verwahrung. In diesem „Hinterstübchen“ sind in Deutschland knapp 60 Depotbanken tätig, die sich auf Dienstleistungen für Fondsgesellschaften spezialisiert haben. Mit einem Fondsvermögen von insgesamt 1,2 Billionen Euro müsste der deutsche Markt ausreichend groß sein, um diese Anbieterzahl verkraften zu können. Rein rechnerisch würde jede Depotbank auf ein zu verwaltendes Fondsvermögen von 20 Milliarden Euro kommen.

Doch Jörg Ambrosius, Geschäftsführer des Marktführers State Street, erwartet eine Konsolidierung unter den Depotbanken. „Es sind zu viele Anbieter, so dass nicht jeder auf die kritische Größe kommt, die zur Realisierung von Skaleneffekten erforderlich ist“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Für die Kapitalanlagegesellschaften erbringen die Depotbanken Dienstleistungen wie Kontrollfunktion, Verwahrung und Verwaltung, Fondsbuchhaltung oder Anteilsscheinverwahrung. Auch die tägliche Berechnung der Kurse für die Fondsanteilsscheine gehören zur Dienstleistungspalette.

Vor allem kleinere Anbieter unter Druck

Die Investmentfonds sind per Gesetz dazu verpflichtet, das von den Anlegern anvertraute Vermögen nicht selbst zu verwahren, sondern dieses auf eine unabhängige Depotbank zu übertragen. Damit soll das Fondsvermögen vor Veruntreuung und Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt werden.

Ambrosius sieht vor allem kleinere Anbieter unter Druck. Denn die Finanzkrise werde zu einer strengeren Regulierung führen. Die zusätzlichen Auflagen würden vor allem die kleinen Anbieter vor Probleme stellen, ist Ambrosius überzeugt. Seiner Ansicht nach werden für die Fondsgesellschaften die Gebühren, die sie von ihren Investoren verlangen, immer stärker zum Wettbewerbsfaktor. Deshalb sei eine kritische Größe nötig, um den Fondsgesellschaften eine günstige Verwaltung ihrer Vermögenswerte zu ermöglichen.

„Fünf bis acht Anbieter werden übrig bleiben“

Ambrosius erwartet, dass die Zahl der Depotbanken in den kommenden drei bis fünf Jahren deutlich zurückgehen wird. „Am Ende werden nur fünf bis acht Anbieter übrig bleiben, die dieses Geschäft aktiv am Markt anbieten werden“, sagt er. Einer davon werde State Street sein. Der amerikanische Wertpapierverwahrer verwaltet in Deutschland als Depotbank ein Volumen von 185 Milliarden Euro und ist damit Marktführer. Insgesamt betreut State Street hierzulande ein Wertpapiervermögen von 260 Milliarden Euro. Denn State Street ist auf der ganzen Welt vor allem als Wertpapierverwahrer - im Fachjargon Custodian - bekannt. Insgesamt verwaltet State Street Vermögenswerte von 8,5 Billionen Euro.

Nur die Bank of New York Mellon (BNYM) ist größer: Der amerikanische Verwahrer kommt auf 13,8 Billionen Euro. Die BNYM hat bis Ende 2008 mit der BHF-Bank, einer Tochtergesellschaft von Sal. Oppenheim, im Verwahr- und Depotbankgeschäft kooperiert. Doch seit Jahresanfang geht man hier getrennte Wege und kooperiert nur noch lose in Randbereichen. Die spezialisierte Einheit BHF Asset Servicing GmbH ist nach einer Umfrage der Fachzeitschrift „Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten“ (dpn) mit einem verwalteten Vermögen von 85 Milliarden Euro die zweitgrößte Depotbank in Deutschland. Auch Dirk Werthmann, Vertriebsleiter der BHF Asset Servicing, erwartet, dass die Konsolidierung in Deutschland voranschreiten wird. Seiner Ansicht nach schreiben im reinen Depotbankgeschäft maximal zehn Anbieter in Deutschland schwarze Zahlen.

Große internationale Verwahrer im Vorteil

Hinter State Street und BHF folgen JP Morgan mit 72 Milliarden Euro, die französische Caceis mit 68,5 Milliarden Euro und BNP Paribas mit 57,4 Milliarden Euro. Für BNYM finden sich in der Umfrage keine Zahlen. Experten schätzen ihr Volumen im deutschen Depotbank-Bereich auf weniger als 30 Milliarden Euro. Sowohl das Verwahr- als auch das Depotbankgeschäft will die Bank in Deutschland ausbauen, sagte ein Sprecher.

Im Vorteil sieht Ambrosius vor allem die großen internationalen Verwahrer, die zuletzt deutlich Marktanteile gewonnen haben. Hierzu zählen neben State Street und JP Morgan auch BNYM, HSBC sowie die französische BNP Paribas. Zu den kleineren Anbietern gehören vor allem Landesbanken, die nach den Verlusten in der Finanzkrise angeschlagen sind und sich von nicht zum Kerngeschäft zählenden Aktivitäten trennen müssen. Vor allem die Bayern LB und die HSH Nordbank werden am Markt als Verkaufskandidaten gehandelt. Als stärker verwurzelt im Depotbankgeschäft gelten die Landesbank Hessen-Thüringen (Volumen 17,6 Milliarden Euro), die Nord LB (13,9 Milliarden Euro) und die Landesbank Baden-Württemberg (29,8 Milliarden Euro).

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