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Deflation Das Dilemma des Kleinanlegers

 ·  Der Normal-Anleger dürfte angesichts massiver Verluste geschockt sein, scheint jedoch nicht in Panik zu verfallen. An eine Rückkehr in den Markt denkt er nach wie vor nicht

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In der derzeit laufenden Aufführung des Dramas „Finanzkrise“ spielen die Granden der Wall Street und die Mächtigen Washingtons die Hauptrollen. Doch was ist mit dem kleinen Mann?

Die schlechteste Aktienmarktentwicklung unserer Generation hat dem durchschnittlichen Anleger schwer zugesetzt. Nachdem sein Portfolio im bisherigen Jahresverlauf 40 Prozent an Wert verloren hat, ist er hin- und hergerissen: Soll er Aktien den Rücken kehren, weitere kaufen oder alles beim Alten belassen?

Buffetts Ratschlag stößt auf taube Ohren

Viele institutionelle Investoren und vermögende Anleger sind zum Marktausstieg gezwungen. So stoßen beispielsweise Hedge-Fonds im großen Stil Wertpapiere ab, da fremdfinanzierte Aktieninvestitionen angesichts der Kreditmarktprobleme schwieriger geworden sind und ihre Kunden verstärkt Gelder abziehen. Nach Schätzungen von Hedge Fund Research mussten Hedge-Fonds im Oktober Mittelabflüsse in Höhe von 40 Milliarden Dollar hinnehmen.

Kleinanleger sollten einem Abschwung dagegen besser standhalten können, zumindest in der Theorie. Der legendäre Investor und Milliardär Warren Buffett kauft Aktien und rät Anlegern, es ihm gleich zu tun, da viele der besten amerikanischen Unternehmen inzwischen zu Spottpreisen zu haben seien.

Es gibt bislang indes lediglich anekdotische Evidenz dafür, dass Kleinanleger diesem Rat tatsächlich folgen. Von BusinessWeek.com befragte Finanzberater berichten, dass nur wenige ihrer Klienten - meist Jüngere, die vom Ruhestand noch weiter entfernt sind - ihre Portfolios stärker zugunsten von Aktien umschichteten.

Flucht aus Fonds

Andere ziehen ihr Kapital ab oder verlagern den Schwerpunkt ihrer Portfolios hin zu weniger riskanten Anlageformen wie Bargeld oder Anleihen. Nach Angaben von Trim-Tabs Investment Research flossen seit Anfang September fast 165 Milliarden Dollar aus Aktienfonds ab.

Den drastischen Schritt eines vollständigen Rückzugs aus Investmentplänen unternehmen dagegen nur sehr wenige. Hewitt Associates, ein Unternehmen, das Pensionspläne für mehr als 2,7 Millionen amerikanische Arbeitnehmer unterhält, berichtet, dass im laufenden Jahr lediglich vier Prozent der Angestellten ihre Mittelzuflüsse in die Pläne komplett eingestellt hätten.

Aktienanteile weit unter historischen Durchschnitten

Bei fallenden Aktienmärkten sind weniger Kleinanleger zu Aktienkäufen bereit. Hewitt Associates zufolge sind derzeit 53,8 Prozent der Pensionspläne in Aktien angelegt (Vorjahr: 68,1 Prozent), was dem geringstem Aktienanteil seit Beginn der vom Unternehmen vorgenommenen Datenauswertung im Jahr 1997 entspräche.

Eine Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) ergab, dass der Aktienanteil von Kleinanlegern derzeit mit rund 45 Prozent ganze 15 Prozentpunkte unter dem historischen Durchschnitt liegt.

Die Talfahrt der Märkte hat zahlreiche Anleger dazu veranlasst, sich Gedanken über ihre Pensionspläne zu machen: Allein im Oktober wurden insgesamt 1,25 Prozent der Einlagen von Pensionsplänen umgeschichtet, was beinahe dem Dreifachen des historischen Durchschnitts entspricht.

Du bist nicht Warren Buffett

Diese Anpassungen erfolgten meist zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt in volatilen Märkten: Anleger neigten dazu, in fallenden Märkten zu verkaufen und bei steigenden zu kaufen, was im Grunde dem klassischen Anlegerfehler entspreche - bei niedrigen Kursen verkaufen, bei hohen kaufen, sagt Pamela Hess, Director of Retirement Research bei Hewitt Associates.

Die meisten Anleger scheinen jedoch an ihren langfristigen Investmentplänen festzuhalten. „Die Mehrheit der Leute belässt alles beim Alten“, so Hess. Oder mit anderen Worten: Sie wissen nicht, was sie tun sollen. „Nach meiner Meinung sind viele Anleger wie gelähmt“, sagt Milo Benningfield, Finanzberater in San Francisco. „Sie versuchen, mit der Lage fertig zu werden, stehen aber noch immer unter Schock.“

Dies sei momentan vielleicht die beste Strategie, sagt Frank Boucher, Finanzplaner in Reston, Virginia. „Solange die Hysterie am Markt anhält, ist es wirklich sinnvoll, keinen Finger zu rühren“, sagt er. Über Buffetts Rat befragt, fügt er an: „Warren Buffett ist Milliardär. Er kann es sich leisten, diese Risiken einzugehen.“

Verschwundener Liquiditätsstau

Es wird des Öfteren behauptet, dass sich große Geldsummen in Wartestellung befänden, um sofort in den Markt zurückzukehren, sobald sich das Wirtschafts- und Finanzumfeld verbessere. Als Beleg hierfür wird der auf historischem Tiefststand befindliche Aktienanteil von Kleinanlegern angeführt.

Das Problem an dieser Behauptung sei allerdings, dass es in diesen wirtschaftlich harten Zeiten deutlich schwieriger geworden sei, Geld beiseite zu legen, sagt Charles Biderman, Vorstandsvorsitzender von Trim-Tabs. Die in den vergangenen acht Monaten auf Bankkonten, in Einlagenzertifikaten, Anleihen (ohne Staatsanleihen) und Aktien angelegten Mittel beliefen sich nach Angaben von Trim-Tabs auf 50 Milliarden Dollar. In den entsprechenden Monaten des Vorjahres habe die Summe dieser Ersparnisse noch 500 Milliarden Dollar betragen.

„Der Zusammenbruch des Immobilienmarktes fordert augenscheinlich seinen Tribut“, sagt Biderman. Hinzu komme, dass wahrscheinlich viele Amerikaner ihre Ersparnisse anzapfen müssten, um ihre laufenden Konsumausgaben decken zu können, fügt er an.

Dauerhaft Abstand von Aktien?

Sollte sich die Konjunktur wie von Experten erwartet weiter abkühlen, dann bliebe den Amerikanern noch weniger Geld, um es in Anleihen, Aktien oder Bankkonten anzulegen, oder es unter der Matratze zu horten.

In diesem Jahr haben Anleger am eigenen Leib erfahren, wie gefährlich die Anlage in Aktien sein kann. Es stellt sich nun vor allem die Frage, ob diese Lektion zu dauerhaften Veränderungen des Anlegerverhaltens führen und Aktien mit einem Makel belegen wird. „Rückblickend werden diese Geschehnisse bei Anlegern zu der Einsicht führen, dass Aktien auf kurze Sicht riskante Investments sein können“, sagt Susan Elser, Finanzplanerin aus Indianapolis.

Vielleicht zu riskant für manche Anleger, die einen größeren Teil ihres Portfolios wirklich besser in Anleihen oder andere Anlagen abseits der Aktienwelt hätten investieren sollen.

Panik ist (noch) nicht in Sicht

Allerdings könnte sich die Baisse noch immer in einem vergleichsweise frühen Stadium befinden, warnt Benningfield. Es sei daher durchaus möglich, dass Anleger von vorübergehenden Erholungsrallys kalt erwischt würden. „Wenn der Markt nach ihrem Einstieg auf neue Tiefs absackt, werden sie sich angewidert abwenden“, sagt er. „Ich versuche, meine Klienten auf noch größere Enttäuschungen vorzubereiten.“

Bislang gibt es nur wenige Anzeichen offener Panik unter Kleinanlegern. Nach Ansicht von Markthistorikern komme es auf Aktienmärkten in der Regel erst nach Angstwellen und Panikverkäufen zur Bodenbildung. Niemand kann sagen, ob dieser Fall bereits eingetreten ist.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Business Week Online
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