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Daxhoch Historische Lektionen für das Allzeithoch

13.07.2007 ·  Das Allzeithoch ist erreicht, wo geht es nun hin? Blickt man in die lange Geschichte des S&P 500, so lassen sich keine eindeutigen Regeln daraus ableiten. Indes rät die Begeisterung, die Hochs verbreiten, eher zur Vorsicht.

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Allzeithochs sind Gründe zum feiern. Feiertage sind sie aber nicht. Denn auch an der Börse gilt: nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Wie also geht es weiter mit dem Dax?

Blickt man in die Historie eines traditionsreicheren Indizes als des deutschen, der letztlich nur bis 1990 zurückreicht, so ergibt sich kein eindeutiges Bild. Der S&P 500 verzeichnete in seiner Geschichte, die rechnerisch bis 1950 zurückgeht, auch wenn der Index erst 1957 eingeführt wurde, naturgemäß eine Vielzahl von Höchstständen.

Fünfziger Jahre: Gipfelspringen bis zur Krise

In den besonders guten Börsenjahren der Fünfziger zu Anfang seiner Geschichte wurde ein Höchststand praktisch vom nächsten abgelöst. Das erste „Allzeithoch“ am 9.1.1950 von 17,08 Punkten etwa hatte zwei Tage lang Bestand und auch das Hoch vom 11. Januar wurde bereits am 2. Februar abgelöst.

Die erste nennenswerte Pause macht der Index zwischen dem 22. Juni und dem 14. September 1950. Etwas zu kämpfen hatte er mit der Marke von 20 Punkten, auch wenn der Index zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht ausgewiesen wurde. Das zeigt, wie solche „magischen Marken“ manchmal überbewertet werden.

Das erste Allzeithoch, das länger als ein Jahr bestand hatte, erreichte der S&P am 5. Januar 1953. Von den 26,66 Punkten ging es im Zuge der Rezession nach dem Koreakrieg 15 Prozent abwärts, bevor am 11. März 1954 mit 26,69 Punkten eine neue Bestmarke erreicht wurde, der dann erneut ein jahrelanges Gipfelspringen folgte, das erst im August 1956 mit einem Stand von 59,64 Punkten zu Ende ging, bevor der S&P den politischen Krisen in Ägypten, Zypern und Ungarn Tribut zollte.

Sechziger Jahre: Stärken und Schwächen

Erst im September 1958 wurde die Marke von 50 Punkten übersprungen, nachdem der Index daran 1957 knapp gescheitert war. Dies war der Mittelpunkt einer abermaligen Hausse, die im Januar 1960 mit dem Sprung über 60 Punkte belohnt wurde. Das allerdings war der Auftakt zu einem schlechten Börsenjahr - erst fast genau ein Jahr später notierte der S&P wieder über 60 Punkten, machte seine Sache dann aber besser.

Indes verliefen die folgende Jahre volatiler und am 12. Dezember 1961 war erst einmal Schluss. Die Kubakrise schadete dem Aktienmarkt und der Index fiel. Die Konsolidierung tat ihm gut und ab 1963 erlebte er eine starke Erholungsphase mit vielen neuen Gipfeln - vor allem in Reihe. Zwischen dem 25. Juni und dem 10. Juli 1964 stellte der S&P 500 elfmal hintereinander einen Rekord auf.

Die Hause fand ihren vorläufigen Abschluss am 9. Februar 1966 bei 94,06 Punkten, doch nach einer drastischen Korrektur glänzte der Index im Mai 1967 mit einem neuen Hoch, dem sich eine weitere Rekordjagd anschloss, die allerdings durch deutliche kurzfristige Einbrüche gekennzeichnet war.

Die mageren siebziger Jahre

Das nahm bereits vorweg, was danach geschah. Den Sprung über die Marke von 100 Punkten im Juni 1968 feierten die Börsianer noch mit weitere Hochs, zuletzt am 29. November 1968 bei 108,37 Punkten. Danach mussten sie über drei Jahre warten. Doch was wohl viele als den Beginn einer neune Hausse wähnten, endete in Tränen. Der Höhenflug nach dem Hoch bei 108,77 Punkten im März 1972 endete jäh mit der Ölkrise im Januar 1973 mit der Niederlage in Vietnam bei 120,24 Punkten. Es folgten die Ölkrise und Watergate und sieben magere Jahre auf dem Parkett.

Wie schon in den späten Sechzigern und den frühen Siebzigern pendelte der Index um die Marke von 100 Punkten, bevor er im Juli 1980 die neue Bestmarke von 121,44 Zählern erreichte. Doch abermals trog die Hoffnung, denn im November war bei 140,52 Stellen weitere zwei Jahre Schluss, als die Zentralbank die Zinsschraube nach den inflationären Siebzigern die Zinsschraube festzog.

Festival, Crash und goldenes Jahrzehnt

Was ab 1982 folgte ist bekannt. Das Festival der frühen Achtziger, das übrigens keineswegs glatt verlief, endete mit dem Crash am 19. Oktober 1987, nach dem Hoch bei 328,07 Punkten am fünften des Monats. Das blieb aber letztlich nur Episode - im Juli 1989 begann der Vorläufer der großen Technologiehausse mit einem neuen Rekord am 11. Juli 1989. Vom ersten Golfkrieg unterbrochen, gong es dann wieder Schlag auf Schlag bis zum 24. März 2000 und 1527,46 Punkte, das erstmals Ende Mai und dann erst am Donnerstag mit 1547,70 Punkten überboten wurde.

Was man aus diesen fünfzig Jahren für den Dax lernen kann, ist am ehesten, dass es kaum historische Gesetzmäßigkeiten für das Verhalten der Börse nach einem Allzeithoch gibt. betrachtet man die großen Hochs des S&P 500 in den Jahren 1955, 1959, 1966, 1969, 1973, 1980, 1987 und 2000, so weisen sie einige Gemeinsamkeiten auf, die für die meisten Gipfel zutreffen - allerdings nicht für alle.

Euphorie tut selten gut

Verharrte der Index vor und nach einem Gipfel längere Zeit in der Region des Allzeithochs, so folgte häufig eine länger anhaltende Konsolidierung. Allerdings muss man dabei die Historizität der Betrachtung berücksichtigen. Die großen Gipfel waren große Gipfel, weil danach eine Konsolidierung eintrat. Als beispielsweise der S&P 500 im Jahr 1983 um das Allzeithoch kämpfte, folgte nach kurzer Konsolidierung eine lange Bergfahrt.

Die Frage ist also eher, wie die längerfristigen Aussichten für den Dax sind. Wenn in Frankfurt viele Börsenprofis kein Ende der Rekordjagd sehen, so sprich das eher für die Begeisterung, mit der die Hausse die Hausse nährt. Das Rekordhoch könnte viel mehr die Euphorie überschäumen lassen. Schon sprechen die ersten von 9.000 Punkten in den kommenden zwölf Monaten. Im übrigen spricht auch die Historie der Dax-Allzeithochs eher gegen anhaltende Bergfahrten (vgl. Daxhochs kündigten eher selten Haussen an).

„Der Markt ist euphorisch“, sagt Analyst Mario Mattera vom Bankhaus Metzler. „Dabei nehmen die Aktionäre aber die Risiken um sie herum gar nicht wahr.“ Auch Börsenexperte Wolfgang Gerke sagte den Fernsehsender n-tv: „Der Markt reagiert im Moment mit selektiver Wahrnehmung. Das heißt, die Anleger schauen sich insbesondere die Nachrichten an, die positiv sind, und die negativen ignorieren sie.“

Nichts ist anders

Denn an den noch vor wenigen Tagen so belastenden Faktoren wie den dräuenden Krisen am amerikanischen Finanzmarkt (Folgt der Subprime- die Hochzins-Krise?), explosiven politischen Lagen im asiatischen Raum zwischen dem Irak und Afghanistan, hat sich nichts geändert. Nach wie vor können hohe Ölpreise und steigende Zinsen das Wachstum ausbremsen.

Und wenn einmütig behauptet wird, der diesjährige Aufschwung sei wesentlich dynamischer und solider als zur Zeit des letzten Börsenbooms Ende der neunziger Jahre, so erinnert dies doch wieder an die zum Ende des 19. Jahrhunderts, in den zwanziger, sechziger und neunziger Jahren gehegte Ansicht, dass diesmal eben alles anders sei.

Wenn im Jahr 2000 nicht zuletzt Bilanzskandalen die Schuld gegeben wird, so könnte diesmal das Unheil aus einer dramatischen Überbewertung der strukturierten Anleihen und einer Überschuldung im Hochzinsbereich heraufziehen.

Die Krise kommt immer unerwartet

Die als unerwartet gut betrachteten Einzelhandelszahlen in den Vereinigten Staaten könnten Episode bleiben, zumal das Handelsministerium am Freitag vor Börseneröffnung mitteilte, die Umsätze der amerikanischen Einzelhändler seien im Juni um 0,9 Prozent gesunken und nicht wie von Analysten erwartet, um 0,1 Prozent gestiegen. Die ebenfalls vor Handelsbeginn bekannt gegebenen Einfuhrpreise stiegen im Juni zum Vormonat um 1,0 Prozent, erwartet worden waren 0,7 Prozent.

Auch die Mammutübernahme des kanadischen Aluminiumriesen Alcan für 38,1 Milliarden Dollar durch den britisch-australischen Bergwerkskonzern Rio Tinto könnte die letzte Übertreibung eines Spiels um Übernahmen sein, die jenseits der Sinnhaftigkeit realwirtschaftlicher Prozesse stattfinden. Genauso wenig sind riesige Aktienrückkaufprogramme, wie das am Freitag von General Electric angekündigte, ein Grund für dauerhaft steigende Kurse.

Sicher ist indes, dass auch diesmal nicht alles anders ist. Die jüngste Hausse wird ihr Ende finden und viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischen, so wie jedes Mal. Und sie wird es dann tun, wenn es die wenigsten erwarten. Denn das war historisch noch jedes Mal so.

Immerhin lehrt die Historie doch eines. Ob Dax oder S&P, fällt ein Allzeithoch auf einen Freitag, so gibt es meistens am Montag noch einen ordentlichen Schlag drauf. Wetten sollte man darauf zwar nur bedingt, aber es lässt ja immerhin für den Beginn der kommenden Woche einiges hoffen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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