http://www.faz.net/-gv6-8i1fj

Fondsmanagergespräch : Vietnam und Indien gehört die Zukunft

Bauboom in Vietnam Bild: AFP

Brasilien und China galten einst als Träume von Schwellenländern. Die Dankse Invest lassen sie derzeit eher weniger gut schlafen. Anders ist dies mit Indien und Vietnam.

          Die Art und Weise, wie Schwellenländer betrachtet werden, hat sich seit den Zeiten der Finanzkrise stark gewandelt. „Damals schienen sie der weiße Ritter zu sein, der die entwickelte Welt rettet. Heute gelten sie als potentieller Krisenherd“, sagt Antti Raappana, Fondsmanger der Danske Invest.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am größten sind die Sorgen hinsichtlich Brasilien, der größten Volkswirtschaft Südamerikas. „Es gibt dort ein sehr hohes Niveau an Frustration mit der Korruption und der Politik“, konstatiert Raappana. Eigentlich sollten weitere Reformen vorangetrieben werden, findet der Anlagespezialist. Denn das Land leide seit Jahren unter einem Mangel an Investitionen.

          „Holländische Krankheit“ in Brasilien

          „Während des Rohstoffbooms hat man sich auf die Stimulierung der Nachfrage konzentriert, vor allem auf die Sozialausgaben. Das war ein Fehler.“ Brasilien leide unter der für Schwellenländer nicht untypischen „holländischen Krankheit“. Der florierende Rohstoffexport der Vergangenheit habe die Landeswährung Real seinerzeit aufwerten lassen, was die anderen Industriezweige unter Druck gebracht habe. Hier habe sich schon der Mangel an Investitionen gezeigt.

          Die Aufwertung habe aber auch die Inflationsrate steigen lassen, nicht zuletzt weil in der brasilianischen Wirtschaft immer noch zahlreiche Preise indexiert seien. Das wiederum habe die Zentralbank veranlasst, das Zinsniveau hoch zu halten, was sich wiederum negativ auf die Investitionen ausgewirkt habe. „Und um diese Auswirkungen zu bremsen, hat man versucht, den Zufluss ausländischen Kapitals durch höhere Steuern zu entmutigen. Insgesamt hat sich in Brasilien gezeigt, dass Schwellenländer immer noch darunter leiden, dass Institutionen zu wenig entwickelt sind und daher in wirtschaftliche Prozesse viel stärker ad-hoc eingegriffen wird.“

          Die starke Aufwertung des Real ist mittlerweile Geschichte.
          Die starke Aufwertung des Real ist mittlerweile Geschichte. : Bild: FAZ.NET; Daten: Bloomberg

          Dabei habe das Land im Vergleich zu früheren Zeiten durchaus Erfolge zu verzeichnen: Die Justiz sei unabhängiger und auch die Institutionen hätten sich weiterentwickelt. Das Wirtschaftsleben sei transparenter geworden und ja, auch die Korruption sei zurückgegangen. Dennoch sei die Lage dort nicht rosig.

          Chinas Erfolg wird zur Herausforderung

          Auch die Entwicklung in China sieht Raappana mit Sorge: „Die chinesische Führung muss derzeit mit zu vielen Bällen gleichzeitig jonglieren.“ Zwar solle man die Erfolge nicht kleinreden. In den vergangenen 30 Jahren sei es der Regierung gelungen, das Land aus der Armut zu führen. Dafür seien die notwendigen Investitionen gemacht worden.

          Genau dies ist aber jetzt die Herausforderung. „Viele Menschen arbeiten in den alten Boombranchen. Bis in den Februar hinein hat die Führung Reformen auf der Angebotsseite befürwortet. Doch als man dann die Kapazitäten in der Stahlindustrie verringert hat, fiel die Produktion, die Zahl der Arbeitslosen stieg um drei Millionen, und noch schlimmer war der psychologische Schock der ersten Zahlungsausfälle.“ Deswegen habe sich der Kurs um 180 Grad gedreht. Jetzt versuche man zum Beispiel über die Asiatische Infrastrukturbank die externe Nachfrage zu stimulieren.

          Im Moment versuche China, in der Wertschöpfungshierarchie aufzusteigen. Denn einerseits falle das Arbeitsangebot aufgrund der demographischen Entwicklung, und andererseits produzierten Länder wie Vietnam, Laos oder Bangladesch mittlerweile billiger. Das sei das neue China, in dem Themen wie Umweltschutz, Wasserversorgung, Freizeit und Tourismus eine große Rolle spielten.

          Doch es sei noch ein Stück weg zu gehen. „Wenn man es mit Angebotsreformen ernst meint, muss man auch anerkennen, dass es faule Kredite gibt, und das fällt der Führung noch schwer. Es gibt widerstreitende Kräfte in der Wirtschaft. Aber wir haben einige langfristige Positionen aufgebaut. Der Rückgang der Kurse hat dabei auch einige Gelegenheiten geschaffen.“

          Indien und Vietnam auf der richtigen Spur

          Grundsätzlich sind es aber andere Länder, die Raappanas Interesse finden. So sieht er Indien in der richtigen Spur. Die politischen Veränderungen hätten das Unternehmertum ermutigt, die Digitalisierung gehe voran, das Finanzsystem entwickele sich positiv. Das doppelte Defizit in Staatshaushalt und Außenhandel schwinde, die Inflation gehe zurück, die Wachstumsraten stiegen.

          Auch für Vietnam findet der Finne lobende Worte. Nach Jahren des Schwankens zwischen Boom und Krise wachse das Land nun rasch. Die Volkswirtschaft entwickele sich gut: Die Inflation sei unter Kontrolle, die Banken würden restrukturiert, und die Immobilienbranche floriere. „Das ist für Schwellenländer sehr wichtig.“ Dabei seien die Bewertungen außerhalb der Bankenbranche günstig. „Bei einem zweistelligen Gewinnwachstum liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse noch unter zehn. Das werden mindestens zwei bis drei gute Jahre.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Cyber Valley : Warum Amazon ins Schwäbische zieht

          Bei Stuttgart entsteht eine große Forschungskooperation für schlaue Computer. Angesagte Unternehmen machen mit – nun auch der weltgrößte Internethändler. Und nicht nur mit einer jährlichen Millionen-Überweisung.

          Streamingdienst : So analysiert Netflix seine Nutzer

          Die Online-Videothek gibt Milliarden für Eigenproduktionen wie „Stranger Things“ aus. Deshalb wird der Erfolg dieser Serien minutiös geplant. Und der Geschmack der Zuschauer ganz genau durchleuchtet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.