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Crowdfunding Die Internetfinanzierer schwärmen aus

 ·  In Deutschland etablieren sich Plattformen zur Finanzierung von Unternehmensgründungen. Bisher ist das Volumen relativ gering. Doch zwei neue Anbieter wollen noch in diesem Jahr an den Start gehen.

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© obs Vergrößern Gute Idee: Eine Million für Strombergs Film durch Crowdfunding

Etwas völlig Neues in der Welt der Finanzen entsteht fernab der großen Banken. Es geschieht mitten in Berlin zwischen Bundeswehrkrankenhaus, dem künftigen Sitz des Bundesnachrichtendienstes und dem Kirchhof der Französischen Gemeinde, auf dem Theodor Fontane begraben liegt. Hier hat Bergfürst seinen Sitz, das erste Unternehmen in Deutschland, das sich in den Bereich des Crowdinvesting in nennenswerten Größenordnungen wagt.

Crowd? Investing? An dieses Wort müssen sich viele Anleger noch gewöhnen. Crowd bedeutet im Englischen Menge, Menschenauflauf oder auch Schwarm und steht in der Welt des Internets für alle möglichen Arten von Finanzierungen, bei denen sich Internetnutzer ohne Banken zusammentun (siehe Kasten). „Bei Crowdinvesting geht es darum, Eigenkapital für neue Unternehmen über das Internet zu finden“, sagt Guido Sandler, Vorstand von Bergfürst, einer Finanzierungsplattform, die noch in diesem Jahr mit ersten Transaktionen beginnen will.

Unternehmensgründer kommen in der Regel nur schwer an Bankdarlehen und noch schwerer an Eigenkapital. Das Geschäft mit klassischen Börsengängen liegt ohnehin am Boden, erst recht für junge Unternehmen. „Wenn sich Crowdfinance durchsetzt, dann wäre das eine echte Alternative zu Banken“, sagt Torsten Schreiber, der eine ähnliche Plattform wie Bergfürst aufbaut. Best BC heißt diese.

Lebhafte Welt der Finanzierungen

Schwarmfinanzierungen bewegen längst die Massen. Im Internet hat sich eine lebhafte Welt der Finanzierungen entwickelt, bei denen sich Internetnutzer für eine gewisse Zeit zusammenschließen. Schwarmfinanzierungen gibt es in allen erdenklichen Formen. Es begann mit Finanzierungen von Musikproduktionen, Filmen und auch Büchern. Heute können sich die Nutzer auf einer Plattform Geld für den nächsten Urlaub oder einen neuen Auspuff besorgen. Mittlerweile lassen sich auf diese Weise auch größere Projekte finanzieren. Crowdfunding ist dem Stadium einer digitalen Almosensammelei entwachsen und hat sich etabliert.

Innerhalb weniger Stunden fanden sich Ende Dezember vergangenen Jahres per Schwarmfinanzierung eine Million Euro, um den Spielfilm der erfolgreichen Fernsehserie „Stromberg“ zu finanzieren. Mehr als 3000 Investoren haben sich laut der Produktionsgesellschaft Brainpool gemeldet, jeder davon hat für mindestens 50 Euro Anteile an dem Film erworben. Kommen eine Million Menschen ins Kino, bekommen die Anleger ihr Geld zurück. Werden mehr Tickets verkauft, ist ihnen sogar ein Bonus in Aussicht gestellt.

Der Vorstoß aus dem Internet in die Finanzwelt berührt das klassische Bankgeschäft. 37 Plattformen allein in Kontinentaleuropa greifen die Banken aus dem Internet in den verschiedensten Bereichen an, vom Zahlungsverkehr bis zu Crowdfinance, hat das Core Institute in Berlin in der Studie „Bank Attackers“ gezählt. Hinzu kommen 20 in Großbritannien und Irland, 40 an der amerikanischen Westküste und 26 an der Ostküste. Das können die Banken laut Core nicht ignorieren. „Passivität hat ein deutlich geringeres Wachstum zur Folge“, heißt es in der Studie.

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