Home
http://www.faz.net/-gvf-716mi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Crowdfunding Die Internetfinanzierer schwärmen aus

In Deutschland etablieren sich Plattformen zur Finanzierung von Unternehmensgründungen. Bisher ist das Volumen relativ gering. Doch zwei neue Anbieter wollen noch in diesem Jahr an den Start gehen.

© obs Vergrößern Gute Idee: Eine Million für Strombergs Film durch Crowdfunding

Etwas völlig Neues in der Welt der Finanzen entsteht fernab der großen Banken. Es geschieht mitten in Berlin zwischen Bundeswehrkrankenhaus, dem künftigen Sitz des Bundesnachrichtendienstes und dem Kirchhof der Französischen Gemeinde, auf dem Theodor Fontane begraben liegt. Hier hat Bergfürst seinen Sitz, das erste Unternehmen in Deutschland, das sich in den Bereich des Crowdinvesting in nennenswerten Größenordnungen wagt.

Crowd? Investing? An dieses Wort müssen sich viele Anleger noch gewöhnen. Crowd bedeutet im Englischen Menge, Menschenauflauf oder auch Schwarm und steht in der Welt des Internets für alle möglichen Arten von Finanzierungen, bei denen sich Internetnutzer ohne Banken zusammentun (siehe Kasten). „Bei Crowdinvesting geht es darum, Eigenkapital für neue Unternehmen über das Internet zu finden“, sagt Guido Sandler, Vorstand von Bergfürst, einer Finanzierungsplattform, die noch in diesem Jahr mit ersten Transaktionen beginnen will.

Unternehmensgründer kommen in der Regel nur schwer an Bankdarlehen und noch schwerer an Eigenkapital. Das Geschäft mit klassischen Börsengängen liegt ohnehin am Boden, erst recht für junge Unternehmen. „Wenn sich Crowdfinance durchsetzt, dann wäre das eine echte Alternative zu Banken“, sagt Torsten Schreiber, der eine ähnliche Plattform wie Bergfürst aufbaut. Best BC heißt diese.

Lebhafte Welt der Finanzierungen

Schwarmfinanzierungen bewegen längst die Massen. Im Internet hat sich eine lebhafte Welt der Finanzierungen entwickelt, bei denen sich Internetnutzer für eine gewisse Zeit zusammenschließen. Schwarmfinanzierungen gibt es in allen erdenklichen Formen. Es begann mit Finanzierungen von Musikproduktionen, Filmen und auch Büchern. Heute können sich die Nutzer auf einer Plattform Geld für den nächsten Urlaub oder einen neuen Auspuff besorgen. Mittlerweile lassen sich auf diese Weise auch größere Projekte finanzieren. Crowdfunding ist dem Stadium einer digitalen Almosensammelei entwachsen und hat sich etabliert.

Innerhalb weniger Stunden fanden sich Ende Dezember vergangenen Jahres per Schwarmfinanzierung eine Million Euro, um den Spielfilm der erfolgreichen Fernsehserie „Stromberg“ zu finanzieren. Mehr als 3000 Investoren haben sich laut der Produktionsgesellschaft Brainpool gemeldet, jeder davon hat für mindestens 50 Euro Anteile an dem Film erworben. Kommen eine Million Menschen ins Kino, bekommen die Anleger ihr Geld zurück. Werden mehr Tickets verkauft, ist ihnen sogar ein Bonus in Aussicht gestellt.

Der Vorstoß aus dem Internet in die Finanzwelt berührt das klassische Bankgeschäft. 37 Plattformen allein in Kontinentaleuropa greifen die Banken aus dem Internet in den verschiedensten Bereichen an, vom Zahlungsverkehr bis zu Crowdfinance, hat das Core Institute in Berlin in der Studie „Bank Attackers“ gezählt. Hinzu kommen 20 in Großbritannien und Irland, 40 an der amerikanischen Westküste und 26 an der Ostküste. Das können die Banken laut Core nicht ignorieren. „Passivität hat ein deutlich geringeres Wachstum zur Folge“, heißt es in der Studie.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Karlie streicht Stellen

Underberg und Valensina halten den Wechsel vom aufgelösten Mittelstandsmarkt in den Primärmarkt nicht für nötig. Creditreform senkt das Rating der MAG IAS. Mehr

27.01.2015, 14:02 Uhr | Finanzen
Crowdfunding-Projekt kauft Schusswaffen auf

Jeden Tag sterben 30 Menschen in den Vereinigten Staaten durch Schusswaffengewalt - vielerorts versucht die Polizei dort darum, Waffen aufzukaufen und aus dem Verkehr zu ziehen. Der Kalifornier Ian Johnstone, dessen Vater bei einem Raubüberfall erschossen wurde, hat ein Crowdfunding-Projekt gestartet, um solche Programme anzukurbeln. Mehr

13.09.2014, 08:30 Uhr | Gesellschaft
Streamingplattformen Endet das Fernsehen?

Netflix stellt für das klassische Fernsehen eine Herausforderung dar. Ted Sarandos, Programmchef des On-Demand-Anbieters, sieht den Erfolg vor allem in der Wahlfreiheit der Zuschauer begründet. Mehr Von Nina Rehfeld, Pasadena

17.01.2015, 18:38 Uhr | Feuilleton
Hauskäufer lässt sich Katze 140.000 Dollar kosten

Dass ihre Katze Tiffany bei der Versteigerung ihres Hauses mal das Zünglein an der Waage sein würde, hätten die Besitzer dieses Eigenheims im australischen Melbourne wohl nicht gedacht. Die geforderten rund zwei Millionen Australische Dollar wollte für die Immobilie mit fünf Schlafzimmern zunächst niemand zahlen. Erst als Tiffany noch oben drauf gelegt wurde, schlug ein Interessent zu - und bot sogar noch 140.000 Dollar mehr. Mehr

14.10.2014, 10:57 Uhr | Gesellschaft
Investments in der Schweiz Was die Franken-Turbulenzen bedeuten

Die großen Banken haben durch die Freigabe des Franken gegen den Euro dreistellige Millionenbeträge eingebüßt, die Aktienkurse in der Schweiz sind stark gefallen. Deutsche Anleger haben es aber besser. Mehr Von Christoph A. Scherbaum

19.01.2015, 11:35 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.07.2012, 19:56 Uhr

Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche