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China Viel Geld mit Finanzwerten verbrannt

04.05.2009 ·  Die staatliche Anlagegesellschaft China Investment Corp. (CIC) hat im ersten Jahr ihres Bestehens stark in Finanzwerte investiert und damit viel Geld verbrannt. Nun setzen die Chinesen eher auf Rohstoffe.

Von Christoph Hein, Schanghai
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Die staatliche Anlagegesellschaft China Investment Corp. (CIC) hat im ersten Jahr ihres Bestehens stark in Finanzwerte investiert und damit viel Geld verbrannt. Nun setzen die Chinesen über ihre verschiedenen staatlichen Vehikel eher auf den Kauf von Rohstoffen. Denn die braucht die Volksrepublik auch bei einem moderateren Wachstum von 6 oder 7 Prozent. Jüngst aber hieß es, dass auch der Daimler-Konzern mit der CIC im Gespräch sei.

Ihre Arbeit nahm die CIC im September 2007 auf. Aufgebaut ist sie nach den Vorbildern der Anlagegesellschaften Singapurs, Temasek und Government of Singapore Investment Corp. (GIC). Ähnlich wie diese investierte auch die CIC zunächst in Finanzwerte: Noch vor der offiziellen Aufnahme der Geschäfte erwarb sie einen Anteil an der amerikanischen Blackstone Group für 3 Milliarden Dollar. Im Dezember 2007 übernahm sie 9,9 Prozent an der Investment Bank Morgan Stanley und zahlte dafür 5 Milliarden Dollar. Geld genug ist vorhanden: Denn von der CIC offiziell verwalteten Devisenreserven der Volksrepublik betragen rund 2 Billionen Dollar. Allerdings stehen der CIC von dieser gigantischen Summe nur etwa 200 Milliarden Dollar für Anlagen zur Verfügung.

Direkt dem chinesischen Staatsrat unterstellt

Welchen Rang die CIC in Peking einnimmt, zeigt ein Blick auf die Führungsstruktur. Die Gesellschaft untersteht direkt dem chinesischen Staatsrat. Die Riege ihrer Manager ist eng mit dem Finanzministerium verwoben. Jin Liqun, früher Vizepräsident der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), ist zum Vorsitzenden der Aufsichtsbehörde der CIC ernannt worden. Ihrem Direktorium sitzt Lou Jiwei vor, früher stellvertretender Finanzminister Chinas und kurzfristig auch Generalsekretär des Staatsrates. Das Magazin „Time“ nahm ihn in seiner neuen Rolle in die Liste der einhundert einflussreichsten Personen der Welt auf.

Inzwischen führt die CIC auch die Central Huijin Investment Company Limited. Die 2003 gegründete staatliche Investitionsgesellschaft hält unter anderem die Anteile Chinas am Quartett seiner Großbanken – heute, gemessen an ihrem Börsenwert, die größten Banken der Welt. Um Central Huijin übernehmen zu können, musste die CIC gut 67 Milliarden Dollar zahlen. Zur Eigenfinanzierung hat sie Anleihen im Wert von umgerechnet gut 200 Milliarden Dollar begeben. Der Fonds müsse eine Rendite von 5 Prozent auf sein Kapital erzielen, allein schon um die Zinsen für diese Anleihen zu zahlen, sagte Lou.

Nebulöse Anlagestrategie

Die Anlagestrategie der CIC bleibt aber weiterhin nebulös. Bislang sind nur fünf Investitionen bekannt: Neben den Engagements bei Blackstone und Morgan Stanley haben sich die Chinesen mit 100 Millionen Dollar am Börsengang der Kreditkartenfirma Visa beteiligt und weitere 100 Millionen Dollar in den Börsengang von China Railways gesteckt. 800 Millionen Dollar sollen nun in einen Immobilien-Fonds von Morgan Stanley gesteckt werden. Trotz der Verwerfungen zeigt sich Lou mit dem vergangenen Jahr nicht unzufrieden: „Unsere Ergebnisse sind weit besser als diejenigen anderer Staatsfonds.“ Die CIC habe „kleinere Verluste“ verbucht, aber ihre Finanzstärke bleibe erhalten.

Die Abkehr von den Banken indes heißt nicht, dass CIC passiv werde: „Wir kaufen weiterhin aktiv im Ausland zu und werden das auch fortsetzen“, sagte Lou. Gerade erst reiste eine CIC-Delegation durch das Rohstoffland Australien, um dort Beteiligungsmöglichkeiten auszuloten. Chinesische Staatskonzerne haben in den vergangenen Monaten eine beispielslose Investitionswelle „down-under“ losgetreten. So wird etwa die staatliche Aluminium Corp. of China (Chinalco) ihre Beteiligung an der australisch-britischen Rio Tinto, dem drittgrößten Bergbaukonzern der Erde, für 19,5 Milliarden Dollar verdoppeln, was aber in Australien nicht nur mit Freude gesehen wird.

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