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China Im Reich der Mitte boomt der Tourismus

25.04.2006 ·  China ist die Investmentstory der Börse seit spätestens 2003. Auch der Tourismus entwickelt sich immer besser. Noch sind die Investitionsmöglichkeiten in diesem Sektor allerdings begrenzt.

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China ist sicherlich die Investmentstory der Börse seit spätestens 2003. Der Rohstoffhunger des Landes hat die Warenterminmärkte zum Sieden gebracht und auch so manche Aktie hat sich vor allem deswegen nach oben entwickelt, weil Anleger gute Geschäfte in China wittern.

Ob dabei alle Versprechungen wirklich eingelöst werden können, muß sich erst noch zeigen. Tatsache ist, daß das Wachstum in China anhält und daß jenseits aller Verteilungs- und Effizienzprobleme auch die Bevölkerung immer reicher, das Land Stück für Stück offener und bekannter und für die Bewohner reicher Ländern auch immer interessanter wird - ganz jenseits der Finanzmärkte.

Chinesen reisen mehr

China überrundete 2005 beim Bruttoinlandsprodukt Frankreich und Großbritannien und stieg zur weltweit viertgrößten Volkswirtschaft auf. Das Wachstum erhöhte nicht nur den Lebensstandard vieler Chinesen, sondern stärkte auch die Nachfrage nach Reisen. Die Bürger Chinas unternahmen nach den jüngsten Zahlen innerhalb ihres Heimatlandes 2004 etwa 1,1 Milliarden Reisen. Die Zahl der Auslandsreisen wird auf 28,8 Millionen geschätzt. Allein während der diesjährigen Mondfeiertage gaben 78 Millionen chinesischer Touristen (13,5 Prozent mehr als im Jahr davor) 4,6 Milliarden Dollar aus.

Die Zahl der ausländischen Touristen, die China besuchten, belief sich von Januar bis Oktober 2005 auf 100 Millionen. Ihre Zahl stieg damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,6 Prozent. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres hat die Zahl der ausländischen Touristen in China 18,7 Millionen betragen. Insgesamt arbeiten in dem Sektor unmittelbar 17,3 Millionen Menschen. Berücksichtigt man die Stellenzahlen in tourismusnahen Branchen wie dem Nahrungsmittel- und Getränkesektor sichert er 77,6 Millionen Chinesen Beschäftigung.

Bis 2016 der zweitgrößte Touristikmarkt der Welt

Insofern verwundern auch die positiven Prognosen für die chinesische Tourismusbranche nicht. Laut dem Branchenverband World Travel & Tourism Council (WTTC), der 100 der weltgrößten Reiseunternehmen repräsentiert, erwartet der Sektor in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von 23 Prozent. China könnte damit zum drittgrößten Reisemarkt der Welt hinter den Vereinigten Staaten und Japan werden und an Deutschland, Frankreich und Spanien vorbeiziehen.

„China hat das Potential, in zehn Jahren zum zweitgrößten Touristikmarkt aufzusteigen“, sagte WTTC-Präsident Jean-Claude Baumgarten. Bis 2016 dürfte der Wert des chinesischen Tourismusmarktes eine Billion Dollar übertreffen. 2006 soll die chinesische Tourismusbranche ein Umsatzvolumen von 244 Milliarden Euro erreichen, nach 198 Milliarden im vergangenen Jahr und damit direkt 2,9 und indirekt 13,7 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen.

Ausländische Besucher werden im laufenden Jahr laut WTTC 60 Milliarden Euro in China ausgeben. Dies entspräche 7,4 Prozent der Exporte.Die Deviseneinnahmen aus dem internationalen Fremdenverkehr sollen dadurch um 4,4 Milliarden Dollar wachsen. Dies entspricht jeweils einem Wachstum von fünf Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Thüringen umwirbt Touristen aus China

Sun Gang, der stellvertretende Leiter des staatlichen chinesischen Tourismusamtes erklärte am Donnerstag bei der Eröffnung der Inlandstourismusmesse in der südwestchinesischen Stadt Chengdu, Tourismus und nicht zuletzt der Inlandstourismus seien zur vitalsten und wachstumsstärksten Sektor im Dienstleistungsbereich geworden.

Auch die Teilnehmer der 55. Konferenz der PATA (Pacific And Asia Travel Association), die jüngst im thailändischen Pattaya stattfand, zeigten sich optimistisch. „Die kommenden zwei Dekaden werden mehr Lifestyle-Änderungen hervorbringen als das gesamte vergangene Jahrhundert“, meinte Ho Kwon Ping, Vorstandschef der Luxus-Hotelgruppe Banyan Tree. Eine der Ursachen sei der Aufstieg des urbanen Mittelstands in China.

Auch um chinesische Auslandstouristen wird bereits geworben. So reiste Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus Anfang April in Begleitung einer Wirtschaftsdelegation, der auch Tourismusexperten angehörten nach China, um dort für den Tourismus im Freistaat zu werben.

Touristikunternehmen mit hohen Umsätzen und schwächeren Gewinnen

Noch nicht so recht bemerkbar macht sich der Boom dagegen bei den chinesischen Aktien. Zwar haben viele Tourismusunternehmen in den vergangenen Jahren die Umsätze deutlich steigern können. So legte im vergangenen Jahr der Umsatz des Reiseanbieters China CYTS Tours um 32 Prozent und der von China Travel um 17,6 Prozent zu.

Indes war dies längst nicht bei allen so. Der regionale Veranstalter Emei Shan kam über ein Umsatzplus von 0,85 Prozent nicht heraus und Beijing Capital büßten sogar rund fünf Prozent ein.

Schwächer lief bei allen die Gewinnentwicklung. Zumeist verzeichneten die Unternehmen rückläufige Überschüsse. So sank der Gewinn je Aktie von China Travel um 16,3 Prozent. Besser lief es dagegen bei Wing on Travel, die den gewinne je Aktie um 75 Prozent steigern konnten.

Zu den größten Nutznießern des Tourismusbooms in China gehört auch die nationale Fluggesellschaft Air China. Die Airline verzeichnete 2005 einen überraschenden Gewinnanstieg um 38,49 Prozent je Aktie, da sie mehr Passagiere und auch mehr Fracht beförderte.

Die wenigsten Aktien befriedigen

Auch die Kursentwicklung der meisten Aktien verlief in den vergangenen Jahren recht unbefriedigend, was nicht zuletzt an der Schwäche des chinesischen Aktienmarktes lag. Ohnehin sind die wenigsten Papiere außerhalb Chinas notiert. Neben Air China gibt es eigentlich nur noch zwei echte Tourismus-Aktien aus dem Reich der Mitte: China Travel und Wing on Travel.

China Travel betreibt Golfplätze, Hotels sowie Touristenattraktionen und leistet Transportdienste. Damit hat das Unternehmen im vergangenen Jahr umgerechnet 586 Millionen Euro umgesetzt, allerdings einen Gewinneinbruch verzeichnet. In diesem und im kommenden Jahr soll nach Analystenprognosen der Gewinn wieder steigen, so daß sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15,3 bzw. 13,5 ergibt.

Die Aktie läuft an der Börse in Hongkong seit Mitte 2004 tendenziell seitwärts. derzeit befindet sie sich in einer Aufwärtsbewegung, ist aber bei 2,125 Hongkong-Dollar vom Drei-Jahres-Hoch bei 2,75 Dollar noch deutlich entfernt.

Noch schlechter ist es um das Papier von Wing on Travel bestellt. Nach einem kurzfristigen Höhenflug zwischen August 2004 und Januar 2005 stürzte das Papier vom Drei-Jahres-Hoch bei 4,10 Hongkong-Dollarbis auf 0,58 Hongkong-Dollar im vergangenen Oktober ab. Seitdem hat sich eine leichte Erholung ergeben, doch ist darin kein Aufwärtstrend zu sehen. In Deutschland ist die Aktie zwar notiert, wurde aber in den vergangenen zwölf Monaten nicht gehandelt.

Mangelnder Umweltschutz als Hemmschuh

Air China brachten nach dem Tief im September bei 2,275 Hongkong-Dollar ihren Abwärtstrend hinter sich und stellten am Dienstag ihr Drei-Jahres-Hoch bei 3,225 Hongkong-Dollar vom Dezember 2004 ein. Analysten erwarten in den kommenden Jahren einen weiteren Gewinnanstieg und rechnen mit KGVs von 15,4 bzw. 12,2, womit das Unternehmen ähnlich bewertet ist wie die deutsche Lufthansa. Gelingt es der Aktie die Marke von 3,225 Hongkong-Dollar zu nehmen, könnte der Kursanstieg möglicherweise weitergehen.

Die Tourismusbranche in China ist noch im Aufbau. So fordert der WTTC zur Förderung derselben mehr Urlaub für chinesische Arbeitnehmer, es fehlten preiswerte Hotels für den Binnentourismus. Auch die Regulierung des Transportwesens müsse fallen. Vor allem aber drohten schwellenländertypische Gefahren. „16 der 20 meistverschmutzten Städte befinden sich in China und fünf der großen chinesischen Flüsse sind als Trinkwasserquelle ungeeignet“, sagt WTTC-Chef Baumgarten. „China muß aufräumen. Alles andere wäre ein enormes Desaster für die chinesische Tourismusbranche.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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