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China Hongkongs „Superman“ warnt vor Crash

22.05.2009 ·  Hätte man im März auf Li Ka-Shing gehört und Aktien gekauft, wäre man heute - am Index gemessen - um 22 Prozent reicher: Mittlerweile gibt sich der Milliardär weniger optimistisch und empfiehlt seinen Landsleuten Immobilien.

Von Christoph Hein, Singapur
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Die Warnungen vor einem scharfen Rückgang der Aktienkurse in China werden lauter, und sie kommen aus berufenem Munde. Nun hat Li Ka-shing, der reichste Geschäftsmann Hongkongs mit besten Verbindungen nach Peking, vor einem Platzen der Blase in Hongkong und China gewarnt: „Der Aktienmarkt könnte noch zulegen. Aber seien Sie vorsichtig. Die Volkswirtschaft hat noch einige Probleme.“

Nach einer starken Warnung hört sich das zunächst nicht an. Doch jeder Anleger in Asien weiß Lis Äußerung in die richtige Richtung zu deuten. Deutlichere Worte braucht es da nicht, zumal die Regierung in Peking alles andere gebrauchen kann als ein Herabreden des Marktes. „Normalerweise erholen sich die Märkte, bevor sich die volkswirtschaftliche Lage verbessert. Das muss aber nicht immer so sein“, legte Li dann noch nach. Er steht mit seiner Warnung nicht allein, sondern ließ geschickt auch dabei der Politik den Vortritt: Chinas stellvertretender Ministerpräsident Li Keqiang erklärte am Donnerstag, jede Erholung an den Märkten dürfte „im Zickzackkurs und kompliziert“ verlaufen - dabei ging es seit Jahresbeginn ganz einfach in eine Richtung, nur bergauf. Auch die Weltbank und der Internationale Währungsfonds warnen, die Hoffnung auf eine dauerhafte Erholung in China sei „voreilig“.

Er hatte die Krise vorausgesagt

Der Hang Seng Index Hongkong hat seit Anfang März 52 Prozent an Wert gewonnen, seit Jahresbeginn liegt der Zuwachs bei immerhin schon gut 19 Prozent. Auch wenn unklar ist, ob Li seine Sätze nur auf Hongkong bezog oder auch auf Festlandchina, so deutet doch alles darauf hin, denn der Shanghai Composite legte seit Anfang des Jahres schon um gut 43 Prozent zu.

Analysten gehen davon aus, dass ein großer Teil der neuen Kredite - im ersten Quartal wurde ein großer Teil der Summe ausgeliehen, die für das gesamte Jahr veranschlagt war - direkt in Spekulationen an die Börsen in Shenzhen oder Schanghai getragen wird. Immerhin werden die Aktien in China derzeit mit dem gut 26fachen ihres erwarteten Gewinns für dieses Jahr gehandelt. Im November vergangenen Jahres lag dieser Wert bei dem 13fachen.

Gerade Li Ka-shings Warnungen werden in Asien sehr genau wahrgenommen. Denn zum einen gilt „Superman“, wie er in Hongkong genannt wird, als begnadeter Investor. Folgte man seinem Rat noch Ende März, Aktien zu kaufen, wäre man heute - gemessen am Index - 22 Prozent reicher.

Zum anderen hatte er die Krise relativ genau vorausgesagt: Im Mai 2007 sprach Li davon, dass sich an Chinas Aktienmarkt „eine Blase gebildet“ habe. Die Kurse stiegen in jenem Jahr noch insgesamt um 30 Prozent. 2008 aber kam dann die große Krise, und der Wert des Index sank um 65 Prozent.

Warten könnte sich lohnen

Gibt es nun eine Alternative? Ja, sagt Li und empfiehlt den Kauf von Immobilien. Das klingt für einen Großgrundbesitzer und Immobilientycoon wie ihn allenfalls für westliche Ohren anrüchig. Die Chinesen aber dürften ihm gerne folgen, denn Li versprach „sichere Gewinne“ in den nächsten drei oder vier Jahren. Immerhin hat der Hang Seng Property Index, der sechs Aktien der führenden Immobilienentwickler in Hongkong umfasst, seit Jahresbeginn 28 Prozent gewonnen.

Richtig ist, dass die Preise für Immobilien in der derzeitigen Krise nachgegeben haben - wenn sie auch nicht, wie etwa in London oder Florida, in sich zusammengebrochen sind. Ein weiteres Wegschmelzen der Preise auch in Hongkong oder Singapur aber ist nicht ausgeschlossen. Vieles deutet auf eine Konsolidierung des Immobiliengeschäftes hin, bei dem die großen Spieler - wie etwa Li Ka-shings Konglomerate Hutchison und Cheung Kong - die Gewinner wären.

„Kleinere Namen mit versiegenden Geldquellen und geringeren Kapazitäten werden herausgedrängt oder übernommen werden“, orakelte Michael Wu von Fitch Ratings. Goldman Sachs hat inzwischen allerdings Immobilienaktien von „negativ“ auf „neutral“ heraufgestuft.

Gleichwohl bleiben die Aussichten bedeckt, und warten könnte sich noch lohnen: Hongkongs Stadtverwaltung erklärte, die Wirtschaftsleistung der chinesischen Sonderverwaltungsregion könnte in diesem Jahr um bis zu 6,5 Prozent schrumpfen. Es wäre der stärkste Niedergang seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1962. Und Singapurs Regierung will nach einem Rückgang von dramatischen 10,1 Prozent im ersten Quartal die 9 Prozent Minus für das Gesamtjahr nicht ausschließen.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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