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China China verbessert Klima auf Finanzmärkten

21.07.2005 ·  Wichtig für das Klima, meinen Volkswirte und Analysten, sei die Entscheidung der chinesischen Regierung zur Änderung des Wechselkursregimes. Ansonsten sei die Bedeutung eher gering.

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Die chinesische Zentralbank, die People's Bank of China (PBoC) hat am Donnerstag überraschend die Dollar-Anbindung der Landeswährung Yuan an den Dollar beendet. Künftig werde die auch als Renminbi bezeichnete Landeswährung an einen Währungskorb gekoppelt, erklärte die Notenbank. Allerdings wurde über
die Zusammensetzung des Währungskorbs nichts verlautbart. Obendrein wurde der Dollarkurs auf 8,11 Yuan neu festgelegt. Das entspricht einer Aufwertung von rund zwei Prozent.

Die Aktienmärkte reagierten auf die Meldung zunächst freudig überrascht. Der Dax, der den ganzen Tag zwischen 4.820 und 4.830 Punkten gependelt hatte, sprang um 35 Punkte nach oben, hielt sich dort bis etwa 13:45 Uhr und fiel dann wieder zurück - sogar unter die ursprüngliche Handelspanne. Nicht anders, wenn auch weniger stark reagierte der FTSE-100. Auch dem Eurostoxx50 ging es nicht anders. Parallel fiel der Bund-Future für eine Dreiviertelstunde nach unten, um sich dann genauso jäh zu erholen. Im Endeffekt wurde der „Yuan-Effekt“ am Donnerstag von unklaren Meldungen aus London über „Zwischenfälle“ in U-Bahn-Stationen überlagert.

Positive und negative Effekte für den Euro

Die zukünftige freiere Bewertung des Yuan wurde an den Aktienmärkten zunächst positiv betrachtet, weil sie eine Unsicherheitssituation auflöst. „Der Euro hat seit 2002 die Last des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits alleine getragen“, sagt Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Hypo-Vereinsbank (HVB). „Daß andere Währungen diese Last jetzt mittragen, ist natürlich positiv für die Wirtschaft.“ Andererseits, meint Adolf Rosenstock von Nomura International zur Nachrichtenagentur Reuters, könne es möglicherweise zu Umschichtungen bei den chinesischen Währungsreserven kommen, woraus ein leichter Aufwertungsdruck für den Euro resultiere.

HVB-Aktienstratege Gerhard Schwarz schätzt besonders einen generellen Erleichterungseffekt positiv ein. Die Maßnahme sorge für größere Sicherheit, nicht zuletzt weil sie zum Abbau poliitscher Spannungen beitrage. Tendenziell stärke dies auch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie, wie etwa des italienischen Textilsektors. Alles in allem jedoch sei die Anpassung aber nicht eine so einschneidende Veränderung, daß sie die Märkte auf Dauer in Atem halten werde.

Motto: Nicht überbewerten

„Nicht viel passiert“ ist überhaupt das Motto unter Volkswirten und Analysten. Solange nichts genaues über den zukünftigen Währungskorb bekannt sei, seien längerfristige Aussagen schwer möglich, meint Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Entscheidend sei eher, welche Schritte dem nun folgten. Im Extremfall, meint Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert, könne der Yuan zwar nun täglich um 0,3 Prozent aufwerten, aber das sei unwahrscheinlich. Er glaubt eher an einen Testballon der chinesischen Behörden, die bemüht seien, Spekulationen nicht weiter anzuheizen. Im Prinzip sei eher wahrscheinlich, daß die Notenbank weiter die Schwankungsbreite verteidige. Damit würde sich eigentlich erst einmal nicht so viel ändern. Zumal dann, wenn so wie Sartorius vermutet, der Dollar ein Währungskorb weiter dominieren wird.

Für die Rentenmärkte ist der Schritt eher interessant, wird doch seit Monaten spekuliert, daß der Dollar durch massive Anleihenkäufe aus China gestützt wird. Eine größere Schwankungsbreite des Yuan aber würde die Nachfrage nach Dollar-Anleihen verringern und somit die Kurse unter Druck setzen.

Doch auch hier winken Volkswirte ab. „Nicht überbewerten“, ist Sartoris' Fazit. Und nach Schuberts Ansicht ist der gesamte Mechanismus fragwürdig, denn die niedrigen Renditen ließen sich ohnehin nicht mit chinesischen Interventionen erklären. Kurzum: China und London haben den Finanzmärkten einen interessanten Nachmittag bereitet. Doch außer einem gewissen Erleichterungseffekt haben sich die Rahmendaten nur wenig verändert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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