Die Kurse der chinesischen Aktien haben sich seit ihren Tiefs Ende Oktober 2008 verdoppelt. So konnte sich der Hang Seng China Enterprises (HSCEI), der Index für H-Aktien von 4800 Punkten im Herbst auf nun 9800 Punkte verbessern. Damit hat er knapp ein Drittel der Kursverluste nach seinem Hoch bei 20.600 Punkten im November 2007 wieder aufgeholt. Der CSI-300 für chinesische A-Aktien verbesserte sich von 1600 auf 2700 Punkte nach fast 6000 Punkten beim Rekordhoch im Oktober 2007.
Der Grund für die gute Kursentwicklung der chinesischen Aktien ist das im Herbst aufgelegte Konjunkturprogramm der chinesischen Regierung im Umfang von fast 500 Milliarden Euro. Kein Land ist derart entschlossen und zügig mit immensen Mitteln gegen eine Abschwächung des wirtschaftlichen Wachstums vorgegangen wie China.
Vertrauen auf das Konjunkturprogramm
Und die Märkte scheinen von der Wirksamkeit der Investitionen vor allem in die Infrastruktur überzeugt: Zuletzt sahen sich die Experten der Investmentbank Goldman Sachs nicht nur dazu veranlasst, ihre Kursziele für die chinesischen Aktienindizes auf bis zu 13.200 Punkte für den HSCEI zum Jahresende zu erhöhen, auch die Prognosen für das Wirtschaftswachstum wurden für das laufende Jahr deutlich von 6 auf 8,3 Prozent angehoben. Für das Jahr 2010 wird mit 10,9 Prozent sogar wieder eine zweistellige Wachstumsrate erwartet.
Auch an den Rohstoffmärkten wird zur Begründung des Preisanstiegs seit dem Jahresanfang immer wieder die Nachfrage aus China angeführt. Das einwohnerreichste Land der Erde nutze angesichts seiner immensen finanziellen Rücklagen die gesunkenen Rohstoffpreise, um seine Lagerbestände aufzufüllen. Am Montag gab die chinesische Regierung bekannt, ihre Lagerkapazitäten für Agrarrohstoffe deutlich ausweiten zu wollen.
Noch immer schlechte Chancen für deutsche Anleger
Die Möglichkeiten für deutsche Anleger, an der Entwicklung des chinesischen Aktienmarktes zu partizipieren, haben sich zwar verbessert, hinken aber immer noch weit hinter anderen Auslandsmärkten her. Noch immer können ausländische Privatanleger nicht in A-Aktien investieren.
Damit bleibt der größte Teil des chinesischen Aktienmarktes unverändert Chinesen und einigen wenigen institutionellen Anlegern vorbehalten. Die internationalen Anleger müssen sich mit den in Hongkong gehandelten H-Aktien begnügen. Hier ist die Auswahl weitaus geringer, die größten chinesischen Aktiengesellschaften sind jedoch auch in Hongkong notiert.
Günstige Indexfonds
Wer sich nicht mit der Auswahl chinesischer Einzeltitel befassen möchte, dem bieten Fonds und Zertifikate eine mittlerweile günstige Möglichkeit der Teilhabe. So ermöglicht die Royal Bank of Scotland als erste und einzige Bank den Anlegern die Partizipation am CSI-300 über das CSI 300 China Index Tracker Open End Zertifikat (Isin DE000AA1DEW5). Es bildet dabei die Wertentwicklung eines Indexfonds (Exchange Traded Funds, Börsengehandelte Indexfonds: Trends für die Anleger) auf den CSI-300 nach. Der ETF selbst ist nur chinesischen Anlegern vorbehalten. Neben einer Managementgebühr von einem Prozent für das Zertifikat trägt der Anleger aber auch die Kosten des Fonds von 0,5 Prozent im Jahr.
Die klassische Möglichkeit, als ausländischer Anleger an der chinesischen Aktienkursentwicklung teilzuhaben, sind die Indizes auf die H-Aktien. Lyxor bietet einen auf Xetra handelbaren Indexfonds auf den 43 Werte umfassenden HSCEI an (Isin FR0010204081 ). Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt 0,65 Prozent. Zudem gibt es einen Indexfonds der Deutschen Bank auf den FTSE Xinhua China 25 (Isin LU0292109856) mit einer Verwaltungsgebühr von 0,6 Prozent. In dem Index sind 25 in Hongkong gelistete Unternehmen enthalten.
Auch mit Bonus
Für Anleger, die nicht das volle Kursrisiko tragen wollen, hat Goldman Sachs in der vergangenen Woche vier Bonuszertifikate auf den FTSE Xinhua China 25 auf den Markt gebracht. So kann der Anleger zum Beispiel bei einer Laufzeit von drei Jahren mit einem Sicherheitspuffer von gut 40 Prozent eine jährliche Rendite von mindestens 8 Prozent erzielen (Isin DE000GS103F4), sofern der Index nicht unter die Sicherheitsschwelle rutscht.
Bei allen Zertifikaten trägt der Anleger das Währungsrisiko. Die A-Aktien notieren in Yuan, die H-Aktien in Hongkong-Dollar. Beide Währungen entwickeln sich ähnlich wie der amerikanische Dollar. Den chinesischen Aktienindizes ist gemeinsam, dass die Finanzwerte ein sehr hohes Gewicht haben. Wer das umgehen will, kann auch auf spezielle Themen setzen: Goldman Sachs bietet ein Zertifikat auf Infrastrukturwerte (Isin DE000GS0SCH4), die Royal Bank of Scotland auf Immobilien (Isin NL0000776870) und die DWS Go auf Immobilien (Isin DE000DWS0G40) und Konsumwerte (Isin DE000DWS0GE6).