04.04.2007 · Fehlende starke Unterstützungen und Widerstände bieten dem Markt relativ viel Bewegungsspielraum in beide Richtungen, so Markttechniker Mark Arbeter von Standard & Poor's Equity Research.
Von Mark Arbeter, S&PDie sich in jüngster Zeit einträchtig im Gleichschritt bewegenden maßgeblichen Aktienmarktindizes zogen sich in der vergangenen Woche auf starke Unterstützungsniveaus zurück, bevor sie gegen Ende der Woche in höhere Gefilde vorstießen. Da nach oben keine wesentlichen Widerstände im Wege stehen, gehen wir davon aus, dass es in den kommenden ein oder zwei Monaten sehr spannend werden dürfte.
Aus charttechnischer Sicht hatte das erste Quartal ein wenig von allem zu bieten. Es begann in ruhiger Manier, als der Aktienmarkt seinen stufenweisen Anstieg ohne nennenswerte Schwankungen fortsetzte. Dann kam der 27. Februar, die Schleusen öffneten sich und rissen den Markt nach unten.
Markt bildete eine bullische Umkehrformation aus
Glücklicherweise scheint der Markt den Boden ziemlich schnell erreicht zu haben. Er bildete eine bullische Umkehrformation aus und zeigte dann einen Ausbruch nach oben. Aufgrund der in den vergangenen vier Monaten geformten Kursmuster haben sich nur wenige starke Unterstützungs- oder Widerstandsbereiche entwickelt. Dies führt zu einer Kursspanne ohne nennenswerte Beschränkungen, weshalb wir relativ große ungehinderte Bewegungen beobachten.
Bisweilen sehen Chartmuster aus, als seien sie direkt dem Lehrbuch entsprungen, und sind dementsprechend auch leicht zu lesen. Charttechniker kennen diese ausgeglichenen Formationen sicherlich im Schlaf, da sie in den meisten einschlägigen Büchern über technische Analyse behandelt werden. Der sich bislang ausgebildete Doppelboden ist eines dieser perfekten Chartmuster.
Ein starker Rückgang formte das erste Tief, auf das eine rasche Erholung folgte, die einen kleinen Teil des Schadens wettmachte. Das zweite Tief entstand am 14. März, als der Markt unter das Niveau des ersten Tiefs sank, daraufhin wieder nach oben drehte und im Candlestick-Chart einen sogenannten „Hammer“ ausbildete. Während des zweiten Tiefs ging die Angst um, doch der Markt leistete Widerstand und formte eine wichtige Kehrtwende genau in einem bedeutenden Unterstützungsbereich aus. Anschließend nahm der Markt wieder an Fahrt auf und brach mit hohem Volumen nach oben aus, woraufhin ein Test der Ausbruchsmarke und der mittelfristigen exponentiell gleitenden Durchschnitte bei geringerem Volumen folgten. Diese Tests der Ausbruchmarke sind relativ häufig anzutreffen und zudem typische Lehrbuchbeispiele, worauf bei einer Umkehrbewegung und während eines Ausbruchs zu achten ist.
Bei einem näheren Blick auf den S&P-500 erkennen wir, dass der Index genau auf eine Ansammlung gleitender Durchschnitte im Bereich zwischen 1416 und 1418 Zählern zurückwich. Die exponentiell gleitenden 20-, 30-, 50- und 65-Tage-Durchschnitte haben ihre Kräfte gebündelt, um einen potenziellen Boden für den Markt innerhalb dieser zwei Punkte umspannenden Zone zu bilden.
Nach einem erfolgten Ausbruch ist sehr häufig eine leichte Rückkehrbewegung des Index' zu beobachten, die dem exponentiell gleitenden 50-Tage-Durchschnitt etwas Zeit zum Aufholen lässt. Genau dies trat auch hier ein. Das Schlusstief der Woche lag bei 1417 Punkten, genau in der Mitte der Anhäufung gleitender Durchschnitte. Das Tagestief der Woche befand sich bei 1409 Zählern, zwischen den Schluss- und Tageshochs im Verlauf des Doppelbodens, der sich von 1407 auf Schlussbasis bis 1410 auf Tagesbasis erstreckte.
Ein Bereich des Aktienmarktes wird nach wie vor stiefmütterlich behandelt: die Nebenwerte. Wir gingen eigentlich davon aus, dass die lang anhaltende Outperformance der Nebenwerte gegenüber den großen Börsenwerten im vergangenen Sommer ihr Ende findet, als die relative Stärke merkliche Einbußen erlitt. Auf lange Sicht ist die langfristige Wertentwicklung indes nie eingebrochen - seit August 2006 werden Blue-Chips von Small-Caps überflügelt. Man mag es kaum glauben, doch der auf amerikanische Nebenwerte spezialisierte Russell-2000-Index schlägt den S&P-500 seit April 1999 und den Nasdaq-Index seit März 2000.
Die jüngste Entwicklung des Russell-2000 gleicht im Großen und Ganzen derjenigen des S&P-500. Der Index hat eine Doppelbodenformation abgeschlossen, ist nach oben ausgebrochen und testet nun seine Ausbruchsmarke. Der Index sank während des kürzlichen Shake-Outs etwas stärker als der S&P-500, was bei Marktkorrekturen nicht unüblich ist. Der Russell-2000 sackte in sieben Handelstagen um 8,4 Prozent ab und lag damit etwas niedriger als in einem vergleichbaren Zeitraum während des Rückgangs im letztjährigen Juni. Das jüngste Schlusstief bei 760 Zählern am 5. März und das Tagestief bei 761 Punkten am 14. März wurden durch den exponentiell gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gestützt. Die unlängst erfolgte Rückkehrbewegung vom Hoch bei 810 Punkten am 23. März erhielt Unterstützung vom exponentiell gleitenden 50-Tage-Durchschnitt bei 794 Zählern.
Der Index befindet sich nach wie vor über seiner Ausbruchsmarke von 789 Punkten, der die nächste passable Unterstützung abgibt, wenn der 50-Tage-Durchschnitt durchbrochen werden sollte.
Kritische Betrachtung der Nebenwerte - aber sie laufen und laufen ...
Nach unseren Beobachtungen herrscht eine recht pessimistische Marktstimmung gegenüber Nebenwerten. Wenn wir diesen Pessimismus mit einem Marktbereich kombinieren, der kurz- wie langfristig durch Outperformance gekennzeichnet ist, kommt dies nach unserer Auffassung einer optimistischen Ausrichtung gleich. Die Geldbewegungen in den Rydex-Fonds zeigen eine klare Präferenz hin zu großen Börsenwerten und weg von Nebenwerten. Wenn diese Entwicklung in der Vergangenheit eintrat, war von Seiten der Small-Caps sehr häufig eine Outperformance zu beobachten.
Wir sehen ferner hohe Niveaus offener Put-Positionen im iShares Russell 2000 Index (IWM), wodurch sich Investoren vor einem Einbruch bei Nebenwerten schützen. Auf der anderen Seite sind deutlich weniger offene Call-Positionen auf den IWM vorhanden, was darauf schließen lässt, dass Anleger wenig Hoffnung auf eine große Bewegung nach oben haben. Diese Entwicklung bei den offenen Positionen bietet in unseren Augen eine passable Unterstützung nach unten und geringen Widerstand nach oben.
Einer der vielen von uns beobachteten Sentiment-Indikatoren zeigt nach wie vor sehr niedrige Optimismuswerte gegenüber dem Aktienmarkt, was in der Vergangenheit nicht selten eine Aktienrally nach sich zog. Der ISE-Sentimentindex (ISEE), der die Meinung der Investoren zu Aktienkursen misst und lediglich die an der amerikanischen Optionsbörse ISE von Kunden eröffneten Long-Positionen abbildet, erreichte am 9. März mit einem Sentimentwert von 59 ein Allzeittief. Transaktionen von Market-Makern und Handelshäusern bleiben im ISEE unberücksichtigt, da sie wegen der häufig sehr speziellen Art dieser Transaktionen nicht als repräsentativ für die Marktstimmung betrachtet werden.
Kundentransaktionen werden dagegen nicht selten als bestes Barometer für die Marktstimmung eingeschätzt, da Kunden - wozu auch Privatanleger zählen - oft Call- und Put-Optionen kaufen, um ihre Haltung gegenüber einer bestimmten Aktie zum Ausdruck zu bringen. Fällt der ISEE unter den Wert von 100, so deutet dies darauf hin, dass mehr Kunden Long-Positionen in Put-Optionen als in Call-Optionen eröffnet haben.
Vor dem Hintergrund der in diesen und anderen Sentimentwerten, darunter jenen der Put/Call-Ratios, verzeichneten hohen Niveaus an Furcht und niedrigen Niveaus an Optimismus scheint eine Rally nach unserer Ansicht nicht weit entfernt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |