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Charttechnik „Chinese Correction“ der Aktienmärkte?

10.01.2007 ·  Die Charttechniker von S&P fürchten eine Chinablase, die die gute Stimmung an den Märkten jäh umschlagen lassen könnte. Auch andere Zeichen sprechen für einen größeren Kursrückgang.

Von Mark Arbeter
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Die Finanzströme der amerikanischen Anleger wiesen in den vergangenen Monaten eine deutliche Gewichtung zugunsten ausländischer Aktienmärkte auf. Investmentgelder wandern meist zu Anlagen mit besseren Renditen und in diesem Falle zu unseres Erachtens risikoreicheren Anlagen.

Es hat den Anschein, als sei jede Aktie aus China eine Investition, die nicht verlieren kann. Manche Spekulanten vertreten offenbar die Auffassung: „Schaufeln Sie nur weiter Geld in das chinesische Momentum und Sie sind auf dem besten Wege zu schnellem Reichtum.“ Das erinnert ein wenig an die Tage der Internetblase. Wir warnen: Verlassen Sie nicht als letzte den Schauplatz des Geschehens.

Chinaboom zeigt Anzeichen einer Blase

Der iShares FTSE/Xinhua China 25 Index Fund (Isin DE000A0DPMY5), ein börsennotierter Fonds (ETF), wurde zur Nachbildung des Index aufgelegt, nach dem er benannt ist. Der FTSE/Xinhua-Index (FXI) repräsentiert die Wertentwicklung der größten Unternehmen am chinesischen Aktienmarkt, die internationalen Anlegern zur Verfügung stehen. Er setzt sich aus Aktien von 25 der größten und liquidesten chinesischen Unternehmen zusammen.

Am 3. Januar waren die Finanzwerte der größte Sektor - sie machten fast 43 Prozent des Fonds aus. Auf Telekommunikation entfielen rund 19 Prozent des Fondsvermögens, gefolgt von 16 Prozent für Öl & Gas, 11 Prozent Industriewerte und 9 Prozent für Grundstoffe. Der ETF nahm den Handel erstmals im März 2005 auf.

Wir haben zwei gewichtige Bedenken hinsichtlich des FXI und ähnlicher Auslandsanlagen. Erstens: Das Chart hat sich asymptotisch entwickelt und das Handelsvolumen ist explodiert.

Der zweite Grund ist weniger wissenschaftlich und beruht eher auf einer sachkundigen Schätzung: Wir bezweifeln, dass Anleger wirklich etwas über die im Fonds enthaltenen Unternehmen wissen, außer dass sie in China ansässig sind. Zur Beruhigung könnte angeführt werden, dass es sich um große Unternehmen mit nachgewiesener Erfolgsbilanz und nicht um eine Internetgesellschaft der neunziger Jahre ohne jeden Ertrag und Erfolg handelt.

Furchterregende Charts

Das Chart des FXI ist nach unserer Auffassung richtig furchterregend. Eine größere Berichtigung dürfte fällig sein. Der ETF hatte seinen Tiefstand bei 66 Dollar am 13. Juni 2006 und ist in weniger als sieben Monaten um bemerkenswerte 76 Prozent bei Börsenschluss am 3. Januar 2007 geklettert. Noch unglaublicher ist, dass der FXI seit dem 28. November über 26 Prozent und seit dem 21. Dezember um 13,5 Prozent zugelegt hat. Könnte man da wohl eine „Massenspekulation“ vermuten?

Seit dem letzten großen Tief im Juni 2006 änderte sich der Richtungskoeffizient der Kursgewinne vier Mal und wurde jedes Mal steiler. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen explodierte in den ersten Handelstagen 2007 und betrug fast das Dreifache des durchschnittlichen Tagesvolumens. Dies ist sehr typisch für eine spekulative Blase und diese nehmen oftmals ein schlimmes Ende.

Das tägliche Momentum ist extrem überkauft und hat negative Divergenzen ausgebildet. Am 3. Januar lag der ETF unglaubliche 39 Prozent über seinem exponentiell gleitenden 200-Tage-Durchschnitt.

Der Zyklus der Marktemotionen entwickelte sich sehr schnell von Optimismus zu Euphorie. Leider wird er nach unserer Auffassung voraussichtlich in Furcht und dann Panik umschlagen. Wie all dies sich für den amerikanischen Markt auswirkt, ist schwer zu sagen, aber es ist keine gesunde Entwicklung und ruft, wie wir meinen, nach einem mittelfristigen Top.

„Eingesperrter“ S&P-500

Wenden wir uns nun den erfreulichen Seiten des amerikanischen Aktienmarktes zu, so sehen wir, dass der Beginn des neuen Jahres alles andere als langweilig war. Trotz der heftigen Intraday-Volatilität bei Eröffnung von 2007 verzeichnete der S&P-500 nur einen geringen Verlust für die erste Handelswoche des Jahres.

Der Index wirkte zuletzt nachgerade eingesperrt, wie ein großer Ball in einem kleinen Behälter. Seit Anfang Dezember betrug der Intraday-Handelsbereich zwischen 1.405 und 1.432 Punkten, nur rund zwei Prozent. Auf Schlusskursbasis betrug der Bereich nur 1,4 Prozent. Bis Mitte Dezember hatte der S&P-500 eine Reihe höherer Hochs und höherer Tiefs verzeichnet, die Kursgewinne Ende Dezember bewirkten jedoch kein höheres Hoch und mit der heutigen Schwäche steht der „500-er“ auf einem niedrigeren Tief.

Der wichtigste Unterstützungsbereich liegt nach wie vor zwischen 1.380 and 1.400. Der exponentiell gleitende 30-Tage-Durchschnitt, der seit August mehrmals Unterstützung bot, verharrt auf 1.409. Knapp über dem Stand von 1.400 kommen zwei Trendlinien ins Spiel, der 50-Tage-Durchschnitt steht auf 1397 und der Tiefstand der 21-Tage-Kurszone nähert sich bei 1.389.

Ein 23,6-prozentiges Retracement der Marktgewinne seit Juni liegt bei 1.379 und stellt ebenfalls eine potenzielle Unterstützung dar. In dieser Zone gibt es auch geringe Chartunterstützung. Wenn der Index diesen Unterstützungsbereich durchläuft, würde eine fünfprozentige Korrektur des letzten Hochs von 1.427,09 uns auf 1.355 bringen, nahe an einem 38,2-prozentigen Retracement der Rally seit Juni. Ein 50-prozentiges Retracement der Rally strebt auf den Stand von 1.325 zu, einen bedeutenderen Unterstützungsbereich, da er den Höchststand des Rückgangs im Mai darstellt.

Markt noch nicht für Umschwung bereit

Wie wir vor kurzem veranschaulichten, beinhalteten das Kursmomentum, interne Daten und die Stimmung am Markt eine Warnung vor einem potenziellen Zwischenhöchststand. Was der Markt jedoch nicht verzeichnete - und was oftmals eine Voraussetzung für einen Rückgang oder eine Korrektur bildet -, ist ein einheitliches Muster von Tagen mit fallenden Kursen bei hohem Handelsvolumen oder eine starke Verkaufsaktivität von institutionellen Anlegern.

An der Nasdaq gab es im letzten Monat nur ein paar Handelstage und beim S&P-500 nur einen. Das könnte darauf hindeuten, dass der Markt noch nicht für einen Umschwung bereit ist und der Rückgang erst zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Monat beginnen wird.
Hinsichtlich der Kursdynamik haben die großen Indizes sämtlich sowohl auf Tages- wie auf Wochenbasis einen überkauften Stand erreicht und es zeigen sich einige negative Divergenzen.

Intern ist bei der Anzahl der Aktien, die neue Höchststände und neue Tiefstände verzeichnen, eine Verringerung zu beobachten. Die Summe der neuen Hochs an der NYSE und der neuen Hochs an der Nasdaq wurden Anfang Dezember überkauft und verzeichnen seither niedrigere Höchststände. Auch die neuen Tiefstände wurden überkauft und begannen zu steigen, was zu negativen Divergenzen führte. Das Volumen steigender Aktien an der Nasdaq schwächte sich ab, während das Volumen fallender Aktien in den letzten Monaten anstieg.

Bären fast ausgestorben

Als Zeichen für erhöhte Spekulation ist zu werten, dass sich das Wochenvolumen der Nasdaq im Verhältnis zum Wochenvolumen der NYSE seit Anfang Dezember ständig erhöhte und sich auf dem überkauften Stand befindet, der den letzten drei Rückgängen oder Korrekturen vorausging. Um nicht zurückzustehen, ist auch die Stimmung am Markt recht optimistisch und grenzt zuweilen an Euphorie. Das Verhältnis von Puts zu Calls hat sich auf einen überkauften Stand verringert. Vor einer Woche ergab eine Umfrage von Investor's Intelligence nur 19,6 Prozent Bärenstimmung, während die Bullenstimmung in der Konsensumfrage mit 75 Prozent außerordentlich hoch ist.

Die Anleiherenditen gingen letzte Woche sogar zurück, nachdem die amerikanischen Beschäftigungszahlen (ohne Landwirtschaft) höher als erwartet ausfielen. Die zehnjährige Schatzanweisung schloss die Woche mit einer Rendite von 4,65 Prozent und hat dabei möglicherweise auf Intraday-Basis von Freitag, 5. Januar, von der Schwächephase der Aktien profitiert.

Nach unserer Auffassung haben sich die Renditen nach dem Durchbruch über die Trendlinienunterstützung und dem Durchstoßen des exponentiell gleitenden 80-Tage-Mittelwertes mittelfristig zu einem Aufwärtstrend umgekehrt. Die zehnjährige Schatzanweisung läuft immer noch offenbar auf eine inverse Kopf-Schulter-Formation zu. Die Haupt-Chartunterstützung liegt bei 4,8 Prozent. Dieser Bereich repräsentiert auch ein 50-prozentiges Retracement des Renditerückgangs seit Juni. Ein Durchbruch über den Stand von 4,8 Prozent würde dann nach unserer Auffassung den Markt für eine Entwicklung bis in den Bereich von 5 Prozent bis 5,25 Prozent vorbereiten.

Rohölpreis könnte stark sinken

Die Rohölpreise zogen letzte Woche an, konnten jedoch eine kritische Chartunterstützung im Bereich von 55,50 Dollar halten. Dieser Bereich stellt den Tiefstand für Rohöl seit November 2005 und November 2006 dar. Die Rally im Dezember konnte sich nicht weiter fortsetzen, bei 64 Dollar ging ihr - sozusagen - der Treibstoff aus. Zwei Widerstandslinien befinden sich in dieser Zone, darunter der exponentiell gleitende 200-Tage-Durchschnitt und eine Trendlinie, die sich aus den Tiefständen Ende 2005 und Anfang 2006 ableitete.

Die Seitwärtskonsolidierung der letzten Zeit zeichnete nur rund 38,2 Prozent des Rückgangs seit August nach und konnte das Momentum nicht über die neutrale Zone schieben. Vom Höchst- zum Tiefstand verlor der Baissemarkt bei Rohöl 28 Prozent seines Wertes. Dieser Absturz verschob den 14-Wochen relative Stärke-Index (RSI) auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2001, knapp über dem Stand, auf dem der Haussemarkt begann.

Während der gesamten Bullenphase fand der 14-Wochen-RSI bei allen Berichtigungen Unterstützung etwa auf dem Stand von 40. Der wöchentliche RSI-Indikator wird meistens in einem bestimmten Bereich der Bullenmärkte und Bärenmärkte gehandelt. Zuletzt lag dieser Bereich zwischen 30 und 50 und ist als Bären-Bereich einzustufen.

Offenbar besteht durchaus die Möglichkeit, dass Rohöl die Unterstützung bei 55 Dollar durchbricht. In diesem Fall sind einem Rückgang bis in die Zone von 45 Dollar Tür und Tor geöffnet. In diesem Bereich besteht eine Chart-, Trendlinien- und Fibonacci-Unterstützung. Darüber hinaus würde ein weiterer Rückgang von 28 Prozent gegenüber dem jüngsten Höchststand von 64 Dollar die Zone die mittlere 40-Dollar-Zone anpeilen.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.

Quelle: Business Week Online
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