24.01.2007 · Sorge macht den Charttechnikern von S&P die Technologiebörse: Der Rückgang des Nasdaq-Composite-Index nach einem starken Volumenzuwachs könnte eine Korrektur von sieben bis zehn Prozent signalisieren.
Von Mark ArbeterDer Ausbruch des Nasdaq kam nicht zustande. Das führte dazu, dass sich an der Wall Street in der vergangenen Woche eine besorgte Gesamtstimmung einstellte. Die Anleiherenditen konsolidierten knapp unter 4,8 Prozent, während die Rohölpreise sich dem Stand von 50 amerikanischen Dollar pro Barrel näherten.
Es häufen sich die Alarmzeichen, dass ein Rückgang oder eine Korrektur bevorsteht. Wir würden eine kurzfristige Stärke zur Verringerung der Aktienbestände nutzen, insbesondere größerer Pakete. Mittelfristige Marktspitzen sind meist nur schwer genau zu bestimmen, da sie länger dauern als Tiefstände und üblicherweise keine sauberen, unzweifelhaften Umkehrformationen bilden, die so oft bei mittelfristigen Tiefs zu beobachten sind.
Ausbruch der Nasdaq bei hohem Volumen gescheitert
Die Unmöglichkeit, eine Spitze genau zu bestimmen, mag als großer Nachteil erscheinen, doch gibt der Markt Investoren reichlich Warnhinweise, so dass sie ihre Bestände verringern und mehr in defensive Anlagen umschichten können, die in einem für Aktien schwächelnden Klima um ein Vielfaches besser abschneiden.
Zwei große Indizes, die erfahrungsgemäß bei mittelfristigen Marktspitzen den Spitzenindizes vorausgehen, sind der Nasdaq Composite und der FTSE 100 Index. Während des jüngsten mittelfristigen Gipfels erreichte der Nasdaq Composite am 19. April ein Hoch, während der S&P 500 erst am 5. Mai den Spitzenwert verzeichnete.
Der Ausbruch des Nasdaq in der zweiten Woche des Neuen Jahres ging sehr rasch zu Ende, was sehr oft kein gutes Chartmuster für einen Index oder eine Aktie ist. Oft ist nach einem gescheiterten Ausbruch zu beobachten, dass ein Index noch unter den vorangegangenen Tiefstand fällt und einen Durchbruch nach unten verzeichnet.
In Verbindung mit dem erfolglosen Ausbruch war der Rückgang recht stark und ging mit einem Anstieg des Volumens einher. Der Nasdaq ging am Mittwoch und Donnerstag der vergangenen Woche bei einem Volumen von 2,38 bzw. 2,54 Milliarden Aktien um 2,2 Prozent zurück. Dieser Volumenanstieg lag weit über dem 50-Tage-Durchschnitt von zwei Milliarden Aktien. Zudem war das Volumen am Donnerstag das höchste seit Juni 2006. Unserer Meinung nach ist dies ein klares Zeichen für eine breite Verteilung durch die Institutionen und wir halten es für ein weiteres Alarmzeichen für eine bevorstehende Rückzugsbewegung oder Korrektur.
Starke Korrektur erwartet
Wir erwarten einen Rückgang des Nasdaq bis hinab zur Sohle seines jüngsten Tiefstands im Bereich zwischen 2.390 und 2.400 Punkten. Danach könnten wir einen erfolglosen Aufschwungversuch sehen. Ein deutlicher Ausbruch unter diesen Bereich würde uns schließlich anzeigen, dass der Korrekturvorgang beginnt.
Knapp unter der Chartunterstützung zwischen 2.390 und 2.400 befindet sich der exponentiell gleitende 80-Tage-Durchschnitt bei 2.386 Punkten. Der Nasdaq bewegte sich seit Mitte August oberhalb dieses wichtigen Durchschnittswertes und hat ihn zuletzt am 11. Mai nach unten durchstoßen, gerade als sich die Korrektur des Jahres 2006 entwickelte. Darüber hinaus entspricht ein Retracement der Rally um 23,6 Prozent einer potentiellen Unterstützung bei 2.389,16 Zählern.
Wenn wir mit unserer Einschätzung des Gesamtmarkts richtig liegen, erwarten wir einen Rückgang des Nasdaq zwischen sieben und zehn Prozent. Ein siebenprozentiger Rückgang entspricht einem Retracement der Rally um 38,2 Prozent seit dem Julitief und würde den Index auf den Stand von 2.318,85 Zähler bringen. Ein fünfzigprozentiges Retracement der Rally entspricht einer Korrektur von 9,6 Prozent und würde zu einem Sturz auf 2.262,24 Stellen führen.
Die langfristigen gleitenden Durchschnittswerte verharren in der Nähe dieser wichtigen Fibonacci-Retracementstände, der exponentielle 150-Tage-Durchschnitt bei 2.327 und der einfache 200-Tage-Durchschnitt bei 2.266 Punkten.
FTSE als Vorläufer
Der FTSE-100-Index ging ebenfalls den amerikanischen Märkten im Laufe der Jahre voraus, manchmal sowohl bei den Höchst- als auch bei den Tiefständen. Den Grund dafür kennen wir nicht. Der FTSE erreichte nicht nur am 21. April 2006 seinen Höchststand weit vor den amerikanischen Blue-Chip-Indizes, sondern auch seinen Tiefstand am 14. Juni, etwa einen ganzen Monat vor dem Tiefstand von S&P 500 und DJIA.
Diesmal könnte die Vorlaufzeit beim Höchststand nur ein oder zwei Wochen betragen. Der FTSE verzeichnete einen Ausbruch auf ein neues Erholungshoch am ersten Handelstag des Jahres, etwa sieben bis acht Handelstage vor dem Ausbruch der amerikanischen Märkte. Der Ausbruch des FTSE scheiterte am 5. Januar, etwa acht Tage vor dem erfolglosen Ausbruch des Nasdaq Composite. Dem FTSE gelang es nicht, die wichtige Trendlinienunterstützung und den gleitenden Durchschnitt durchzustoßen, doch auf Grund seiner Eigenschaft als führender Index kann er sich eine abwartende Haltung leisten.
Der FTSE verharrt weiterhin gefährlich dicht über einigen wichtigen mittelfristigen und langfristigen Unterstützungslinien, daher dürfte sein Verhalten etwa im Zeitraum des kommenden Monats sehr aussagekräftig sein. Der kleine Ausbruch Anfang des Jahres auf ein neues Erholungshoch war erfolglos und könnte der Vorläufer eines Rückgangs oder einer Korrektur sein.
Mittel- bis langfristig bullisch
Die mittel- und langfristigen Kursentwicklungen sind nach wie vor bullisch, mit einer Reihe höherer Hochs und höherer Tiefs, und einer starken Unterstützung durch Trendlinie und gleitenden Durchschnitt; dennoch besteht unserer Auffassung nach weiterhin reale Besorgnis. Der tägliche MACD und der 14-Tage-RSI verzeichneten bärische Abweichungen von ihrem überkauften Stand und bei den Wochenwerten ist das Gleiche zu beobachten.
Dies sind die ersten Momentum-Divergenzen seit dem Frühjahr 2006, kurz vor der Korrektur in der Jahrsmitte. Die IT-Trendlinienunterstützung befindet sich bei 6.165 Punkten, der exponentiell gleitende 80-Tage-Durchschnitt bei 6130 Zählern.
Die mittelfristige Chartunterstützung befindet sich im Bereich von 6.000 Punkten und stellt auch ein Retracement von 38,2 Prozent der Entwicklung seit Juni dar. Die langfristige Trendlinienunterstützung befindet sich bei 6.130 und der 40-Wochen-Durchschnitt steht etwas unter 6.000 Zähler.
Put-Call-Verhältnis als Schlüssel
In den vergangenen Wochen gab es einige interessante Entwicklungen, was die Stimmung am Markt betrifft. Sämtliche Put-Call-Verhältnisse an der Börse Chicago über den Zeitraum von fünf, zehn und 30 Tagen haben sich im Trend flacher entwickelt und die Abwärtsdynamik eingebüßt, die seit Mai und Juni vorherrschend gewesen war.
Nach unserer Auffassung bildet dieser Trend den Schlüssel für die Entwicklung des Aktienmarkts. Wenn sie niedriger tendieren, entwickelt sich der Markt oftmals gut, und wenn sie höher tendieren, hat der Markt im allgemeinen Schwierigkeiten. Wenn sich der Trend dieser Put-Call-Verhältnisse in eine Aufwärtsbewegung umzukehren beginnt, wäre das unserer Meinung nach ein weiteres Alarmzeichen, das auf eine bevorstehende Korrektur hindeutet.
Auf der anderen Seite blieb das Put-Call-Verhältnis der S&P-100-Optionen (OEX), dem wir eine Vorstellung entnehmen können, wie sich professionelle Investoren verhalten, in den vergangenen Monaten in der oberen Hälfte des Normalbereichs, was wir für ein pessimistisches Zeichen halten. Das OEX-Put-Call-Verhältnis befindet sich gegenwärtig auf dem vierten Höchststand innerhalb der vergangenen vier Jahre.
Sentiment stark gefallen
Schauen wir uns die Umfragen in Investorenkreisen an, so erkennen wir in der letzten Zeit einen drastischen Rückgang der bullischen Stimmung in der Umfrage von Investor's Intelligence. Die optimistische Stimmung war im September 2005 von 55,4 Prozent auf 50,5 Prozent zurück gegangen, die höchste Verringerung innerhalb einer Woche. Dieser Zeitraum lag kurz vor einem Absturz in die Tiefstände von Oktober 2005.
Die bullische Stimmung in der Umfrage von MarketVane ist von ihrem Höchststand von 73 Prozent allmählich auf 68 Prozent abgefallen. Die Consensus-Umfrage ergab einen schnellen Rückgang der optimistischen Stimmung von 75 Prozent auf 67 Prozent innerhalb von zwei Wochen. Wir halten diesen Abfall der bullischen Stimmung von ihren sehr hohen Werten für einen weiteren Warnhinweis für den Aktienmarkt.
Ölpreis noch nicht auf dem endgültigen Tiefstand
Die Rohölpreise fielen in der Donnerstagssitzung auf 49,90 Dollar pro Barrel, erholten sich dann wieder und schlossen die Woche auf einem Stand von 51,99 Dollar. Wir vermuten, dass Deckungskäufe vorgenommen wurden, als die Preis sich bis auf die psychologisch wichtige Höhe von 50 Dollar abwärts bewegten. Die Preise befanden sich in den letzten Wochen praktisch im freien Fall und offenbar fanden einige Liquidationsverkäufe statt.
Bei Sitzungsschluss am Donnerstag war der Rohölpreis über 17 Prozent innerhalb der letzten elf Tage abgestürzt - das schlechteste Ergebnis seit Anfang des Jahres 2003. Da die Rohölpreise so schnell fielen und es sich anscheinend um eine Abwärts-Kapitulation handelt, ist es möglich, dass die Preise im Bereich um 50 Dollar ihren Tiefstand erreichen.
Unsere anfängliche Prognose war ein Rückgang des Rohölpreises aus dem Bereich von 47,50 auf 45 Dollar, basierend auf der langfristigen Trendlinienunterstützung, der Chartunterstützung und der Fibonacci-Analyse.
Angesichts des Preiseinbruchs sind die Momentum-Indikatoren extrem überkauft. Bevor ein endgültiger Tiefstand ausgerufen werden kann, würden wir gerne einige positive Divergenzen in den Momentum-Charts und eine Periode des Verhaltens bei Erreichen einer Talsohle sehen, zu dem auch ein Tiefstandmuster gehören würde.
Ein potentiell äußerst positives Zeichen für Rohöl ist im Commitment of Traders Report zu finden. Professionelle Absicherungsgeschäfte verzeichnen netto eine Kaufposition im Markt, die den höchsten Umfang seit März 2006 aufweist, wohingegen die großen Spekulanten netto eine Verkaufposition im Markt mit dem höchsten Umfang seit Februar 2006 haben. Dieser Zeitraum bildet einen wichtigen mittelfristigen Tiefstand für Rohöl im Laufe des Jahres 2006. Bleiben Sie dran!
Staatsanleihen zeigen hausseverdächtiges Muster
Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen konsolidierte in der vergangenen Woche knapp unterhalb der wichtigen Unterstützung von 4,8 Prozent und es hat den Anschein, als seien die Renditen nun auf ein höheres Niveau eingestellt. Aktuell liegt dieses knapp unter den jüngst erzielten Renditehöchstständen des September und Oktober.
Die Zone von 4,8 Prozent repräsentiert auch ein fünfzigprozentiges Retracement des Renditerückgangs vom Juni 2006. In den Tages- und Wochencharts zeigten sich mehrere positive Momentum-Divergenzen, was darauf hindeutet, dass die Renditen weiter ansteigen dürften. Der 10-Jahres-Index steht gerade am Ende einer umgekehrten Kopf-Schulter-Formation, ein Hausse-verdächtiges Umkehrmuster. Nach unserer Auffassung werden die Renditen noch steigen und wieder in den Bereich von 5 bis 5,25 Prozent zurückkehren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |