Klaus Kaldemorgen, der Doyen unter Deutschlands Aktienfondsmanagern, und Edouard Carmignac sind seit mehr als 30 Jahren auf den Aktienmärkten engagiert. Sie managen beide Investmentfonds, deren Namen Ehrfurcht in Europas Fondsbranche auslösen: Kaldemorgen den DWS Akkumula, der Franzose den Carmignac Patrimoine. Jetzt kamen die beiden Altmeister der Börse erstmals in München zu einem Spitzentreffen zusammen. Noch nie zuvor hatten sie sich den Anlegern präsentiert.
„Wir haben gleich drei schwarze Schwäne in kurzer Zeit hintereinander gesehen“, sagt der Franzose, der innerhalb weniger Jahre die Fondsgesellschaft Carmignac Gestion aufgebaut hat, die heute ein Vermögen von 55 Milliarden Euro betreut. Mit „schwarzer Schwan“ bezeichnet der Ökonom Nassim Taleb eruptive Ereignisse auf den Finanzmärkten, die so außergewöhnlich sind, dass niemand sie vorhersah. Die extremen Wetterbedingungen, die einen scharfen Preisanstieg für Agrarrohstoffe und Lebensmittel ausgelöst hätten, die politischen Umwälzungen in der arabischen Welt und schließlich die Katastrophe in Japan sind aus Carmignacs Sicht alle drei „schwarze Schwäne“.
„Explodierende Staatsverschuldung“
Klaus Kaldemorgen macht sich darüber hinaus Sorgen über ein Ereignis, das mit der Natur nichts zu tun hat, sondern allein von Menschen verursacht wurde: die, wie er es ausdrückt, „explodierende Staatsverschuldung“. Staatsschulden seien nur eine andere Form der Besteuerung, die nicht so weh tut. Da zeichne sich eine Entwicklung ab, die durch konventionelle Mittel nicht mehr einzudämmen sei. Früher hätten die Notenbanken über Mittel verfügt, um die Regierungen zu disziplinieren. „Heute sind den Notenbanken die Hände gebunden“, sagt Kaldemorgen. „Die Notenbanken fluten die Märkte mit Liquidität, und zwar nicht nur in Europa oder den Vereinigten Staaten. Das ist ein globales Phänomen.“
In einem düsteren Kellerraum eines Münchner Fünf-Sterne-Hotels findet das Treffen statt. Die Fenster sind zudem mit dunkelvioletten Vorhängen verhängt, was die trübe Stimmung noch verstärkt. Als hätten sie sich abgesprochen, treten beide, Kaldemorgen und Carmignac, im Partnerlook auf: dunkler Anzug, hellblaues Hemd, rote schlichte Krawatte.
Investmentbanker, vor allem amerikanische, stehen im Ruf, laut und schrill zu sein. Nicht so Carmignac und Kaldemorgen: Beide sprechen langsam, manchmal stockend, zögernd. Es ist ihnen anzumerken, dass sie auch nach einem langen Leben im Rampenlicht den großen Auftritt scheuen. Sie haben keine Manuskripte vorbereitet und reden im Sitzen. Carmignac und Kaldemorgen zählen noch nicht zur Generation Powerpoint, die ohne Bildchen, Kurven und Stäbchendiagrammen an der Wand nicht mehr auskommt.
Rohstoffmärkte jetzt auch breiten Anlegerschichten zugänglich
Jetzt, da viele der ökonomischen Modelle versagen, ist die Erfahrung vieler Crashs auf den Finanzmärkten gefragt. Es ist die Gleichförmigkeit der Meinungen, die Kaldemorgen beunruhigt. „Früher, in den achtziger Jahren, da hatten wir noch viele Privatanleger, die häufig eine Position bezogen, die im Gegensatz zu den Auffassungen der institutionellen Anleger stand“, sagt Kaldemorgen. Doch heute sei das Kapital mehr und mehr in wenigen Händen konzentriert. „Und alle handeln sie nach denselben Modellen.“
Auch das Waffenarsenal sei deutlich größer geworden. So seien die Rohstoffmärkte jetzt auch breiten Anlegerschichten zugänglich. „Da können sehr gefährliche Bewegungen in Gang kommen, für die die Finanzkrise erst ein Vorgeschmack war“, warnt Kaldemorgen.
Carmignac kann diesem Zustand auch Positives abgewinnen: „Die Nervosität der Investoren schafft auch neue Kaufgelegenheiten.“ In diesem Punkt sind sich Kaldemorgen und Carmignac ohnehin einig: „Jetzt ist ein struktureller Wechsel von Anleihen zu Aktien notwendig“, wie es Kaldemorgen ausdrückt. „Bei diesen niedrigen Zinsen rechnet sich fast jede Investition.“ Die Mischung aus niedrigen Zinsen, der Erwartung steigender Inflation und der reichlichen Liquidität, die die Notenbanken bereitstellen, machten Aktienanlagen derzeit so interessant.
Konservative Anleger könnten Aktien mit hoher Dividende wählen, diejenigen, die es riskanter mögen, hätten eine breite Palette von Rohstoffaktien bis zu Schwellenländern. Allerdings warnt Kaldemorgen auch deutlich: „Aktien ja, aber immer mit einem Fuß auf der Bremse.“ (Fondsboutiquen bergen ihre eigenen Tücken, Seite 20)
black swans.....
(de.simonsito)
- 31.03.2011, 13:07 Uhr
Privatanleger ...
Edgar Timm (duet)
- 31.03.2011, 15:30 Uhr