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BVI-Statistik Rentenfonds bescheren Anlegern Verluste

12.07.2006 ·  Zum ersten Mal seit 1999 haben Rentenfonds auf Sicht von zwölf Monaten an Wert verloren. Fonds mit europäischen Anleihen brachten 2,4 Prozent Minus, mit internationalen Anleihen waren es sogar 3,2 Prozent. Schuld sind die steigenden Leitzinsen.

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Keine guten Zeiten für Rentenfondsbesitzer: Zum ersten Mal seit langem wieder haben Rentenfonds auf 12-Monatsfrist Verluste verbucht. Ausweislich der Statistiken des Branchenverbandes BVI haben Rentenfonds, die in europäische Anleihen investieren, 2,4 Prozent verloren; international investierende Rentenfonds haben sogar 3,2 Prozent eingebüßt.

Der Grund für diese Verluste sind die mittlerweile weltweit steigenden Zinsen: Sie führen dazu, daß die Kurswerte der Anleihen, in welche die Rentenfondsmanager investieren, sinken. Die steigenden Zinszahlungen reichten dabei zuletzt nicht aus, um die Kursverluste der Anleihen zu kompensieren.

Negative Jahresrendite zuletzt 1999

„Das ist grundsätzlich nichts ungewöhnliches - wenn Sie eine Lebensversicherung oder ein Sparbuch haben, dann verlieren Sie auch in Zeiten steigender Zinsen Geld, Sie merken es nur nicht“, sagt Johannes Müller, Rentenfondsmanager bei der DWS. Allerdings ist mache gerade die gegenläufige Wertentwicklung von Anleihen ihren Charme aus. Das zeigen auch die längerfristigen Zahlen des BVI: Während Aktienfonds auf fünf Jahre noch mit Minuszeichen kämpfen, haben Euro-Rentenfonds in diesem Zeitraum ein Plus von 21 Prozent erwirtschaftet; international investierende Rentenfonds liegen auf diesen Zeitraum mit 5 Prozent im Plus - hier machen sich auch die Währungsrisiken international investierender Fonds bemerkbar.

Eine negative Jahresrendite haben Rentenfonds laut den BVI-Zahlen zuletzt 1999 (minus 1,6 Prozent) und 1994 (minus 3,5 Prozent) erwirtschaftet. In den Jahren davor und danach allerdings haben Rentenfonds deutlich positive Renditen erwirtschaftet. Zudem zeigen die BVI-Zahlen, daß Rentenfonds auf längere Frist in allen 25jährigen Anlagezeiträumen seit 1955 im Durchschnitt nie Verluste eingefahren haben und dabei deutlich geringere Kursschwankungen aufweisen als Aktienfonds oder Mischfonds.

„Anleihen mit langen Laufzeiten etwas zu teuer“

Rentenfondsmanager gehen davon aus, daß die kommenden Monate zwar noch schwierig werden, sehen aber kein Anlaß zur Besorgnis: „Wir gehen davon aus, daß die Kapitalmarktzinsen weiter steigen werden, aber nicht dramatisch“, sagt Jörg Warncke, Rentenfondsmanager bei Union Investment. Er erwartet ebenso wie Müller, daß die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins bis Ende des Jahres auf 3,5 Prozent heraufschleusen wird - das sollte dann aber auch schon der Gipfel der Zinserhöhungen sein. „Die EZB nimmt nur den Fuß vom Gaspedal, will aber nicht aktiv bremsen“, sagt Müller. Da diese Zinserhöhungen bereits in den kurzlaufenden Anleihen eingepreist sind, müsse man bei Anleihen mit kurzer Laufzeit keine weiteren Verluste befürchten, Sagt Warncke. Allerdings rät er derzeit davon ab, in Anleihen mit langer Laufzeit zu investieren, da er hier noch die Gefahr von Kursverlusten sieht: „Derzeit sind vor allem Anleihen mit langen Laufzeiten etwas zu teuer.“

Anleger sollten genau hinschauen

Der Wertverlust der Rentenfonds dürfte eine Menge Anleger betreffen: Im vergangenen Jahr sind rund 8,6 Milliarden Euro netto in Rentenfonds geflossen; im ersten Quartal des Jahres 2006 waren es noch einmal 5 Milliarden Euro. Aktienfonds hingegen, die auf ein Jahr laut BVI auf ein Jahr 17 Prozent (Europa-Fonds) beziehungsweise 11 Prozent (weltweit investierende Fonds) zugelegt haben, verbuchten 2005 noch per saldo Abflüsse von rund einer Milliarde Euro; im ersten Quartal 2006 flossen rund 2,3 Milliarden Euro in diese Produkte.

Für Anleger in Rentenfonds bedeutet die aktuelle Situation, daß sie sehr genau hinschauen müssen bei der Wahl eines Rentenfonds: Fonds, die auf kürzere Laufzeiten setzen oder aber in der Lage sind, ihre Laufzeiten flexibel anzupassen, sollten in Zeiten steigender Zinsen Vorrang genießen. Schwieriger allerdings ist die Entscheidung über die internationale Positionierung des Fonds: International investierende Rentenfonds haben ein zusätzliches Währungsrisiko für den Fall, daß beispielsweise der Dollar abwertet. Wer also als Rentenfondskäufer das Risiko scheut, sollte sich auf europaweit investierende Fonds beschränken.

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