14.11.2006 · Vor fünf Jahren präsentierte Jim O'Neill das Bric-Konzept. Noch schwimmen Brasilien, Rußland, Indien und China obenauf. Zur Geburtstagsfeier kommt der Chefvolkswirt von Goldman Sachs mit einer neuen Idee: Next-Eleven.
Fünf Jahre nach der Geburt des Bric-Anlagekonzepts sieht dessen Erfinder Jim O'Neill nur an einem wesentlichen Punkt Berichtigungsbedarf. Im November 2001 habe er vorausgesagt, daß das Bruttoinlandsprodukt der vier Schwellenländer Brasilien, Rußland, Indien und China zusammen im Jahr 2042 über dem Bruttoinlandsprodukt der heutigen sechs größten Industriestaaten liegen werde. Zum gleichen Zeitpunkt dürfte zudem China die Vereinigten Staaten als größte Industrienation überholen.
Inzwischen gehe er jedoch davon aus, daß beide Ereignisse etwas früher, schon im Jahr 2035, eintreffen könnten. „Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, die Aussagen auch selbst zu überprüfen“, ruft der Chefvolkswirt der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs launig in den Konferenzsaal des Frankfurter Marriott-Hotels.
Zunächst wenig Resonanz
Das Bric-Konzept feierte am Montag Geburtstag. Und daß die Party in Form einer Konferenz in Frankfurt stattfand, hatte einen guten Grund: Deutsche Anleger zeigten sich in den vergangenen beiden Jahren besonders empfänglich für O'Neills Botschaft und investierten kräftig in das Konzept. Vor fünf Jahren veröffentlichte er seine Idee, daß die vier Schwellenländer, deren Anfangsbuchstaben das Kürzel Bric ergeben, besonders aussichtsreich erscheinen.
Für die Gewinner von morgen spreche vor allem ihr Arbeitskräfte- und Produktivitätspotential. Zunächst fand der Ansatz wenig Resonanz. Im November 2001 waren die potentiellen Umsetzer und Abnehmer mit dem Folgen der Attentate vom 11. September 2001 beschäftigt. Allenfalls wurde in der Frühzeit gelästert, Goldman Sachs versuche sich an einer reinen Vermarktungsidee: Nach Tequila-Krise, Asien-Krise und Rußland-Krise war der Ruf der Schwellenmärkte so am Boden, daß ein anderer Name gefunden werden mußte.
Rohstofflager, Zapfsäule, Denkfabrik, Werkhalle
Doch ausgerüstet mit der Argumentationskette von Brasilien als Rohstofflager, Rußland als Zapfsäule, Indien als Denkfabrik und China als Werkhalle der Welt, gelang schließlich hierzulande der Durchbruch der Anlageidee vor anderthalb Jahren. Damals legte die größte heimische Fondsgesellschaft DWS ihren Aktienfonds Bric Plus auf, der sich rasch mit einem Milliardenvolumen zum bestverkauften Anlageprodukt des Jahres entwickelte.
Inzwischen gibt es schon mehr als zehn Bric-Fonds - und alle versprechen einen Mehrwert gegenüber klassischen Schwellenmärktefonds. Das Vorzeigeprodukt der DWS konnte diesen Anspruch immerhin bislang einlösen. Allein in diesem Jahr legte er um 22 Prozent zu, während die Schwellenmärkte insgesamt - gemessen am Index MSCI Emerging Markets - mit 9,7 Prozent deutlich zurückblieben.
Next-Eleven als neues Schlagwort
So mancher Zuhörer in der Frankfurter Goldman-Sachs-Konferenz - das Publikum bestand vorwiegend aus Fondsmanagern und -verkäufern - brachte O'Neill angesichts dieser Erfolgsgeschichte wohl Dankbarkeit entgegen: für eine Idee, mit der immer noch richtig Geld zu verdienen ist. Wäre die scharfe Kurskorrektur in diesem Frühjahr nicht gewesen, wäre die Freude allerdings wohl völlig ungetrübt. Doch die zwischenzeitliche Kurskorrektur mit Abschlägen von bis zu 25 Prozent steckt heute noch so manchem in den Knochen.
O'Neill belohnte das zahlreiche Erscheinen auf der Geburtstagskonferenz mit einer weiteren Idee: den Next-Eleven. Das sind aus seiner Sicht die interessantesten Schwellenländer nach den Bric-Ländern. Die Aufzählung wurde interessiert zur Kenntnis genommen: Zu bekannten Märkten wie Südkorea, Türkei und Mexiko gesellen sich heute noch exotisch anmutende Länder wie Bangladesch, Indonesien, Iran, Pakistan, die Philippinen und Vietnam. Mit Ägypten und Nigeria tauchen sogar zwei Länder Afrikas auf. Den Aufstieg in die Bric-Liga traut O'Neill allerdings nur einem dieser Länder zu: Mexiko. Allein auf das neue Kürzel darf man in ein paar Jahrzehnten gespannt sein.
Bric-à-Brac
Fionn Huber (fionn)
- 13.11.2006, 22:23 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |