12.08.2008 · Der brasilianische Aktienmarkt gehörte lange zu den stärksten der Welt. Doch mittlerweile hat sich das Umfeld deutlich verdüstert, die Kurse sind gefallen. Eine Reduzierung des Risikos könnte angesichts vorhandener Gewinne eine Option sein.
Die europäischen und amerikanischen Börsen erleben derzeit einige gute Tage, scheint es. Das gilt indes nicht für die Handelsplätze an anderen Orten der Welt. Vor allem um die Börsen der so vielfach gepriesenen Schwellenländer scheint es nicht gut bestellt.
Der brasilianische Bovespa, der am 20. Mai noch auf ein Allzeithoch von 73.516,81 Punkten geklettert war, hat seitdem rund 25 Prozent abgegeben. Lag er dabei bis Mitte Juli noch im Trend der Börsen Amerikas und Europas, verläuft die Entwicklung seitdem entgegengesetzt.
Zinsanhebung löst Trendwende aus
Es ist eine Reihe von Faktoren, die die Trendwende am brasilianischen Aktienmarkt eingeleitet haben könnte, der bis Juni noch als einer der stärksten der Welt galt. Auslöser war eine in den Tagen davor schon befürchtete kräftigste Leitzinserhöhung der Zentralbank seit fünf Jahren: Diese hatte den Indikator gleich um 75 Basispunkte auf 13 Prozent angehoben, um die Inflation zu bekämpfen.
Nach Prognosen der Deutschen Bank wird diese den Vorjahreswert von 4,5 Prozent im laufenden Jahr um 2 Prozentpunkte übertreffen, bevor sie 2009 wieder auf 5,1 Prozent sinken soll. Bis Jahresende rechnen Analysten mit weiteren Zinsanhebungen. Dieses Szenario gab Anlass zu Gewinnmitnahmen, gerade weil die Entwicklung des Bovespa so gut gewesen war.
Fallende Rohstoffpreise, schwächere Daten
Hinzu kam die Wende bei den Rohstoffpreisen. Der Nickelpreis hat seit Mitte Juli um weitere rund 14 Prozent nachgegeben, Kupfer um fast ebenso viel, der historisch hohe Sojapreis ist seit Anfang Juli um mehr als 28 Prozent gefallen.
Zudem lesen sich die volkswirtschaftlichen Daten des Landes auch jenseits der Inflation nicht mehr so gut wie einst. Das Wirtschaftswachstum wird wohl im laufenden Jahr von 5,4 Prozent im Vorjahr auf 4,8 und 2009 auf 3,8 Prozent abflauen. Der Leistungsbilanz, im Vorjahr noch positiv, wird mit 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ins Minus rutschen, das 2009 voraussichtlich noch größer werden wird.
Opfer des eigenen Erfolgs
Es ist nicht zuletzt der Erfolg des Landes und des Börsenbooms, der jetzt seine Kinder verzehrt. Der Kurs der Landeswährung Real hat seit Frühjahr 2004 bis noch vor wenigen Tagen gegenüber dem Dollar um mehr als 50 und gegenüber dem Euro um knapp 40 Prozent aufgewertet.
Laut Josef Wolfesberger, Analyst bei Raiffeisen-Research, wird die wirtschaftliche Dynamik des Landes mittlerweile hauptsächlich von einer starken Inlandsnachfrage getrieben, nachdem die Exportnachfrage nachgelassen hat. Die drei Hauptabnehmerländer, die im vergangenen Jahr 31,5 Prozent der brasilianischen Exporte aufnahmen sind auf ihre Weise mittlerweile alle Sorgenkinder.
Abnehmerländer in der Krise
Die Vereinigten Staaten (15,8 Prozent) leiden unter einer Wachstumsschwäche als Resultat der Immobilien- und Finanzkrise (vgl. Vereinigte Staaten: Aktienfonds auf der Schattenseite). An der Solidität der Entwicklung Argentiniens (9 Prozent) unter den Kirchners gibt es schon lange Zweifel. Nun sind die Kurse der mühsam umgeschuldeten Anleihen des Landes erneut eingebrochen, die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Bonitätsnote gesenkt und reagiert damit unter anderem auf die hohe Inflation, die offiziell mit neun, von Analysten aber ehr auf rund 25 Prozent veranschlagt wird.
Zudem ist das inflationsgetriebene Wachstum von acht bis neun auf zuletzt 2,6 Prozent eingebrochen. Streiks und Bauernproteste führen zu einem verringerten Steueraufkommen, das zudem von den rasch wachsenden Subventionen für Strom und Gas und den öffentlichen Personenverkehr zunehmend aufgezehrt wird. Im kommenden Jahr werde Argentinien rund 10 Milliarden Dollar aufnehmen müssen, um Zinsen und Tilgung leisten zu können. Sollte Argentinien abermals zusammenbrechen, so dürfte dies zumindest Uruguay erneut in eine Krise stürzen, aber auch nicht spurlos an Brasilien vorbei gehen.
Und auch um Chinas Nachfrage (6,7 Prozent) mehren sich die Sorgen. Nachdem die Inflation erste Abschwächungserscheinungen zeigt, obwohl sie noch meilenweit vom Inflationsziel der Zentralbank entfernt ist, hat diese im jüngsten Quartalsbericht wieder ein gutes geldpolitisches Umfeld für ein stetiges und schnelles Wachstum zum Ziel erklärt. Die Sorgen mehren sich, dass wie schon in den siebziger und achtziger Jahren die Inflation die Wirtschaft des Landes destabilisieren könnte (vgl. Chinas Börse ist zur Olympiade völlig außer Form).
Skepsis steigt
Und so verwundert nicht, dass sich die skeptischen Stimmen mehren. Mark Mobius von Templeton Asset Management äußert sich besorgt über die Geschwindigkeit der Mittelabflüsse, die sich im Juni und Juli netto auf 3 Milliarden Euro summierten. „Der Zeitraum, für den sie eine verantwortliche Ausgabenpolitik der Regierung und ausgewogene Haushalte vorweisen können, ist relativ kurz“, meint Mobius.
Schroders haben schon Anfang Juni ihre Positionen reduziert. „Wenn die Rohstoffe sich nicht gut entwickeln, wird sich auch Brasilien nicht gut entwickeln“, sagte Nicholas Morse, Leiter der Abteilung für lateinamerikanische Aktien bei Schroders.
Brasilienfonds entwickeln sich seit drei Monaten deutlich schlechter als der Durchschnitt. Seit einem Monat gehören sie zu den schlechtesten überhaupt, etwa gleichauf mit Singapur und Osteuropa und nur unterboten von Russland-Fonds.
Da sie aber über die vergangene fünf Jahre zu den besten Fonds überhaupt gehören, könnte es eine Option sein, die Gewichtung in dieser Region zu reduzieren, zumindest solange bis sich die Situation stabilisiert hat.
Dabei haben sich die Fonds gegenüber dem Index
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |