21.02.2006 · Die Vogelgrippe breitet sich aus, verunsichert die Verbraucher und schädigt direkt und indirekt die Unternehmen der Geflügelbranche. Die Charts der börsennotierten Firmen sehen angeschlagen aus, der Einstieg dürfte riskant sein.
Schien sich die Vogelgrippe zunächst auf Asien zu konzentrieren, so hat sie mittlerweile auch Europa und damit Deutschland erreicht. Nach dem Landkreis Rügen riefen vorsorglich auch die betroffenen Nachbarkreise Nord- und Ostvorpommern am Montag den Katastrophenfall aus.
Auf Rügen waren am Sonntag Tiere vorsorglich getötet worden. An der einzigen Zufahrt zur Insel Rügen müssen alle Fahrzeuge über Desinfektionsmatten fahren. Dennoch läßt sich die Ausbreitung der Vogelgrippe kaum verhindern. „Wildvögel kann man nicht reglementieren“, heißt es.
Zurückhaltung der Verbraucher sorgt für wirtschaftliche Einbußen
So dürfte es kaum verwundern, daß die Sorgen über wirtschaftliche Schäden zunehmen. Sie entstehen nicht nur durch die unmittelbare Erkrankung und Tötung von Tieren, sondern auch indirekt über die Zurückhaltung beim Konsum. Verbraucher essen weniger Geflügelfleisch und Eier. Das macht sich sogar bei einem kleinen Frankfurter Imbiß schon bemerkbar.
Und natürlich bei den Geflügelzüchtern, - mästern, bei Eierfarmen und nicht zuletzt auch bei den auf Geflügel spezialisierten Restaurants wie Kentucky Fried Chicken, einer Tochter von Yum Brands. Denn sinkt die Nachfrage nach ihren Produkten, so gehen rasch auch die Preise für die Produkte in den Keller, bei gleichbleibenden Kosten. Die Wirkung auf Umsatz und Ertrag kann so nur negativ sein. Das mag bei einzelnen Bauernhöfen nicht so auffallen, da sie ihre Ergebnisse in der Regel nicht offen kommunizieren.
Deutlich wird das jedoch bei den großen internationalen und vor allem auch börsennotierten Geflügelkonzernen. Dort befinden sich die Kurse teilweise schon seit Monaten in der Bredouille. Bei anderen, bei welchen die Kurse in den vergangenen Monaten gut gelaufen sind, kommt es inzwischen auch zu Kurseinbußen.
Zum Beispiel bei den Aktien des malaysischen Geflügelzuchtunternehmens Leong Hup Holdings. Sie verloren in den vergangenen bis zu 15 Prozent, allerdings nachdem sie seit Oktober des vergangenen Jahres mehr als 500 Prozent zugelegt hatte. Hintergrund der jüngsten Kursverluste solcher Papiere in Asien ist die Weiterverbreitung der Seuche in der Region. Der Ausbruch in Indien und Malaysia hat Länder wie Singapur und China dazu bewegt, die Grenzen für Geflügel- und Eierimporte zu schließen.
Neben Asien und Europa macht sich auch in den Vereinigten Staaten die Seuche negativ am Geflügelmarkt bemerkbar. Dort ist der Geflügelpreis auf den tiefsten Stand seit mindestens 19 Jahren gefallen, da die Nachfrage aus Asien und Europa deutlich zurückgegangen sei, heißt es. So dürfte es kaum verwundern, daß die Charts der spezialisierten Unternehmen wie Pilgrim's Pride Corporation oder Gold Kist nicht sonderlich gut aussehen im Moment. Denn Goldkist mußte in den vergangenen Monaten markante Umsatz- und auch Gewinneinbußen hinnehmen.
Regionale Ausnahmen zum Beispiel in Südafrika
Dagegen ist der langfristige Aufwärtstrend beim südafrikanischen Unternehmen Rainbow Chicken Limited bei optisch sehr vernünftiger Bewertung und einer Dividendenrendite von etwas mehr als vier Prozent nach wie vor intakt. Auf diese Weise dürfte sich zumindest bisher die geographisch etwas entfernte Lage des Landes für das Unternehmen bezahlt machen.
Insgesamt wird deutlich, daß die immer weiter um sich greifende Vogelgrippe bei den Unternehmen der Ernährungsbranche deutliche wirtschaftliche Spuren hinterlassen kann und wird. Manch risikofreudiger Anleger hält die Berichte über die Seuche zwar für Übertreibungen, spekuliert schon auf eine Gegenbewegung und legt sich jetzt schon die Werte scheinbar günstig ins Depot.
Allerdings dürfte diese Wette noch riskant sein. Denn sollte die Seuche sich nicht eindämmen lassen und möglicherweise gar im Rahmen eines gehäuften Auftretens auf den Menschen überspringen, dürfte das Geschäft noch stärker einbrechen. Denn in diesem Fall dürfte auch die Hoffnung nicht mehr ziehen, die amerikanischen Anbieter könnten mit ihren angeblich narrensicher abgeschotteten Beständen beim Kunden noch ankommen.
In diesem Sinne ist die Vogelgrippe für die Unternehmen der Branche im Moment eine starke Belastung. Für eine Entwarnung ist es noch deutlich zu früh. Interessanter dürften schon Werte sein, die von der tragischen Entwicklung profitieren können. Das sind jene Unternehmen der Nahrungsmittelbranche, die Alternativen bieten können, sei es Rind- und Schweinefleisch oder auch Fisch.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |