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Börsenstrategie Große Krisen bieten tolle Kaufgelegenheiten

Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, ruft nach dem Staat. Das ist ein gutes Zeichen für die Aktienmärkte. Nun könnte es so laufen wie 2003. Damals erreichte die Börse im März ihre Tiefs und dann schoss der Dax in die Höhe.

© picture-alliance/ dpa Vergrößern Nicht nur ein Sieger - jetzt auch ein Star

Heute senkt die amerikanische Notenbank noch einmal deutlich die Zinsen. Die Alternativen zu den Aktienmärkten verlieren dadurch deutlich an Attraktivität. Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bringen in Amerika nur noch eine Rendite von 3,3 Prozent. Zweijährige rentieren bloß noch mit 1,34 Prozent. Geld ist damit so billig wie selten und wird ab heute Abend sogar noch günstiger. Dennoch trauen sich die Banken nicht, und alle reden von einer Kreditkrise. Ist dies wirklich so, wenn Kapital so günstig zu bekommen ist?

Der Chef der Deutschen Bank ruft nach dem Staat

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Die Großen der Finanzwelt malen nun schwarze Bilder. Sogar der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte. Billiges Geld reicht ihm nicht. Die Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte.

Interview mit Michael Heise und Erich-Josef Reiter von der Dresdner Bank
© Vergrößern Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz Gruppe und der Dresdner Bank AG

Ackermann rief daher zu gemeinsamen Aktionen von Regierungen, Zentralbanken und Banken auf, um das Vertrauen in die globalen Finanzmärkte wiederherzustellen. Keine schlechte Idee, denn wenn das passiert, kaufen die Investoren sicher wieder. Einige stehen schon in den Startlöchern, wie die Anlageempfehlungen großer Banken in der heutigen F.A.Z. belegen.

Der Chefvolkswirt der Allianz lobt die amerikanische Notenbank

Die Finanzkrise mag noch eine Weile weitergehen. So glaubt Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter: „Vor Ende 2009 werden die Turbulenzen nicht zu Ende sein.“ Auch der Chefvolkswirt des Allianz/Dresdner-Bankkonzerns, Michael Heise, sagt: „Wir müssen damit rechnen, dass eine nachhaltige Bereinigung und Konsolidierung im Finanzsystem stattfindet.“ Dieser Prozess werde länger dauern.

„Es wird zur Rückabwicklung vor allem spekulativer, kreditfinanzierter Investments kommen“, sagt Heise. „Die Kredithebel, die im Finanzsystem in den letzten Jahren entstanden sind, werden gewaltig zurückgefahren. Das ist eine notwendige Korrektur.“ Dieser Prozess werde länger dauern. Die Korrektur sei noch nicht zu Ende. Heise bewertet das Vorgehen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) daher als richtig. „Die Fed hat klare Signale gesetzt, dass sie keine Situation entstehen lassen will, bei der aus einer Vertrauenskrise eine Panik wird.“

Vielleicht kostet er sogar Arbeitsplätze. Das befürchtet das Essener Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI): „Wenn sich die Wechselkurse nicht bald wieder dramatisch ändern, kann man davon ausgehen, dass in der Industrie wieder Entlassungen oder Betriebsverlagerungen drohen.“ Im Moment lebten die Firmen noch von vollen Auftragsbüchern. Neue Aufträge einzuwerben, sei bei den gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen allerdings schwieriger. Das erzwingt Kostensenkungen, was jedoch auch gut ist für die Gewinne.

Die Industrieverbände sehen mehr Probleme für die Unternehmen

Ins gleiche Horn bläst der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Die neuen Rekordstände beim Euro entwickeln sich zu einer Belastung für die deutsche Konjunktur“, sagt BDI-Präsident Jürgen Thumann. Noch seien die Auftragsbücher gut gefüllt, die Produktion sei auch für die nächsten Monate gesichert.

Allerdings werde sich die Exportdynamik in diesem Jahr abschwächen, prophezeite Thumann. „Es ist die Gemengelage von Dollarschwäche, steigenden Ölpreisen, nachlassender Konjunktur in Amerika und Finanzkrise, die den Firmen zunehmend zu schaffen macht.“ Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen leide insbesondere im Maschinenbau, in der Automobilindustrie und in der Luft- und Raumfahrt. „Die Erträge geraten unter Druck.“

Lauter Signale für eine stärkere Krise. Dennoch könnte es an den Aktienmärkten bald wieder nach oben gehen. Denn die Börse blickt irgendwann über die Krise hinaus und konzentriert sich wieder auf das Wesentliche - die günstige Bewertung von Aktien.

„Die Angst regiert an den Märkten“

Das glaubt nach wie vor Thomas Grüner, ein Vermögensverwalter, der mit dem amerikanischen Vermögensverwalter Ken Fisher zusammenarbeitet: „Die Angst regiert weiter an den Märkten. Panikreaktionen und emotionales Agieren sollten in diesem Umfeld jedoch unbedingt vermieden werden. In den letzten Jahrzehnten gab es reihenweise große und heftige Korrekturen, die natürlich immer von Crashszenarien und extrem schlechter Stimmung bis Panik begleitet wurden. Kaum jemand konnte sich einen anschließenden, heftigen Anstieg vorstellen. Alle dieser „großen“ Krisen haben sich unmittelbar darauf als hervorragende Kaufchancen herausgestellt. Wir gehen davon aus, dass dies auch diesmal der Fall sein wird.“

Vielleicht läuft es ja nun wieder so wie 2003, als die Börse ähnlich schwach in das Jahr startete. Der Dax fiel damals von 2.893 Punkten am 30.12.2002 bis zum 12. März 2003 auf 2.188 Punkte. Das war ein Minus von 24,4 Prozent. 2008 hat der Dax bis gestern fast genauso viel verloren. 2003 folgte anschließend eine massive Rallye, die den Dax bis Ende 2003 um 81 Prozent bis auf 3.965 Punkte klettern ließ. Verglichen mit dem Jahresanfang 2003 ergibt sich ein Zuwachs von rund 37 Prozent. Verglichen damit könnte der Dax in diesem Jahr also noch über 8000 Punkte steigen und damit sogar im Plus enden.

Auf die Aktienmärkte rollt dieses Jahr noch eine Kaufwelle zu

Grüner sieht überhaupt keine Parallelen zum Jahr 2000, als der Bärenmarkt begann. „Das KGV im Dax betrug damals über 30. Heute sind es je nach Schätzung zwischen 10 und 12). Die 10-jährigen Bundesanleihen brachten im März 2000 eine Rendite von 6,5 Prozent. Heute sind es 3,64 Prozent. Dieser heute oft zitierte Vergleich mit dem Jahr 2000 erscheint uns nicht angebracht und an vielen Punkten eher gegenteilig. Viel mehr Parallelen finden zur sich zur Situation 1997/1998.“

Grundsätzlich dürfte auch wegen der Abgeltungsteuer 2009 mehr Geld an die deutschen Aktienmärkte kommen. Viele Investoren warten noch ab, bis sich die Lage beruhigt hat. „Für die Aktienmärkte bedeutet dies ein große Welle an neuen Käufen, die zwar - noch - aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist“, glaubt Grüner.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: @stt

 
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