05.09.2008 · Börsennotierte Indexfonds sind noch ein Geheimtipp unter den Anlegern. Dabei sind sie günstiger als Investmentfonds und bieten auch sonst Vorteile. Nun lanciert die Commerzbank die Marke „Comstage“ und schreckt damit die Konkurrenz auf.
Von Christian von HillerDie Commerzbank wolle nun zum Angriff auf die Deutsche Bank blasen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, nachdem diese den Zuschlag für die Dresdner Bank erhalten hatte. Der Ankündigung vor wenigen Tagen lässt die Bank erste konkrete Taten folgen: Die Commerzbank greift nun bei börsengehandelten Indexfonds (ETF) direkt die Deutsche Bank an und lanciert die Marke „Comstage“. Bisher vermarktete die Commerzbank über ihre Plattform die Produkte der anderen ETF-Anbieter in Deutschland.
Von Montag an können Privatanleger mit 27 ETFs auf Aktienindizes wie den Dax, den Dow Jones, den Nikkei 225 oder den Euro Stoxx 50 und auf eine lange Reihe europäischer Branchenindizes handeln. Außerdem bietet die Commerzbank über ihre Luxemburger Tochtergesellschaft Commerz Derivatives Funds Solutions S.A. einen ETF auf den europäischen Geldmarkt an.
Produkte auf Abgeltungsteuer vorbereitet
Sämtliche ETFs sind thesaurierend und unterliegen somit nicht der Abgeltungsteuer, wenn Anleger sie noch in diesem Jahr kaufen und länger als zwölf Monate halten. Als Reaktion auf die Einführung der Abgeltungsteuer im kommenden Jahr bietet Comstage sämtliche Produkte thesaurierend an. Dabei werden die anfallenden Dividenden nicht ausgeschüttet, sondern angesammelt. Auch dies ist eine Reaktion auf die Abgeltungsteuer.
ETFs versuchen möglichst genau die Entwicklung des Index abzubilden, dem sie zugrunde liegen. Die Fondsmanager von Investmentfonds dagegen versuchen, den Referenzindex zu übertreffen. Anleger, die sich ETFs kaufen, müssen sich deshalb in der Regel nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob der Manager ihres Fonds gerade eine gute oder weniger gute Phase durchläuft.
Comstage will noch günstiger sein
Ein weiteres Argument für ETFs sind ihre niedrigen Kosten: Häufig wird beim Kauf eines klassischen Investmentfonds ein Ausgabeaufschlag von 5 Prozent fällig und mitunter eine zusätzliche Verwaltungsgebühr. Für ETFs dagegen wird in der Regel kein Ausgabeaufschlag, sondern nur eine jährliche Verwaltungsgebühr fällig. Bei DB X-Trackers beispielsweise, dem ETF-Anbieter der Deutschen Bank, liegt die Gebühr für den ETF auf den Dax bei 0,15 Prozent. Selbst für ausgefallene ETFs wie einer auf den vietnamesischen Aktienmarkt muss der Anleger nicht mehr als 0,85 Prozent bezahlen. Marktführer ist iShares von Barclays Global Investors, der ähnliche Gebühren bietet wie DB X-Trackers.
Trotz der niedrigen Kosten sind verhältnismäßig wenige deutsche Privatanleger in ETFs engagiert. Allerdings nutzen laut einer Untersuchung der französischen Wirtschaftsuniversität EDHEC fast 80 Prozent der institutionellen Investoren ETFs für Aktieninvestments. Vor wenigen Monaten wurde erstmals in Deutschland die Schwelle von 100 Milliarden Euro bei dem in ETFs angelegten Vermögen überschritten. Die Deutsche Bank erwartet, dass der Markt für börsennotierte Indexfonds in Europa bis 2010 auf 150 Milliarden Euro steigen wird.
Die Sätze von DB X-Trackers und iShares will Comstage noch unterbieten und den Wettbewerb weiter anheizen. „Wir werden einfache, transparente und faire Produkte anbieten“, sagte Thomas Timmermann, Verwaltungsratsvorsitzender der Commerz Derivatives Funds Solutions, im Gespräch mit FAZ.NET (siehe unten). Das ETF auf den Dax wird bei der Commerzbank eine jährliche Pauschalgebühr von nur 0,12 Prozent kosten und ist damit um 0,03 Prozentpunkte günstiger als das entsprechende Produkt von DB X-Trackers.
Die Wettbewerber schlafen nicht
Die Konkurrenz reagiert schon auf den Vorstoß der Commerzbank. So bietet DB X-Trackers nun ebenfalls eine thesaurierende Version ihres ETF auf den Euro Stoxx 50 an. Auch die französische Großbank Société Générale heizt den Preiskampf im Vertrieb von ETFs an. Als erster Anbieter in Deutschland will ihre Fondsgesellschaft SGAM beim Vertrieb ihrer börsennotierten Indexfonds Provisionen zahlen, kündigte die SGAM am Donnerstag an. Die Hälfte der jährlichen Verwaltungsgebühr soll künftig an den Vertrieb gehen.
Von einem „Sündenfall“ sprachen laut der Nachrichtenagentur Reuters ungenannt gebliebene Branchenkenner. Tatsächlich ist dieser Schritt eine Neuerung. „Da ETFs ja frei über die Börse handelbar sind, ist das wohl eine Art Bestandsvergütung“, sagte dieser Branchenkenner. „Mit ihrem Vorgehen will die SGAM offensichtlich einen Kaufanreiz für institutionelle Anleger schaffen und sie dazu bringen, das Volumen zu erhöhen.“
Wenig Verkauf über die Filialen
Diese Praxis lehnen die anderen Anbieter bisher ab. Vertriebsprovisionen würden generell nicht gezahlt, sagte ein Sprecher von DB X-Trackers. Auch der Geschäftsführer von ETF-Lab Investments, Michael Langmack, sagte: „Wir zahlen keine Vertriebsprovision und denken auch nicht darüber nach.“ Comstage will den Vertrieb ebenfalls nicht honorieren. Laut Timmermann spielt der Verkauf über Bankfilialen bei ETFs wie auch bei Zertifikaten ohnehin eine untergeordnete Rolle.
Bisher konkurrierten die ETFs innerhalb der Banken mit den Angeboten der hauseigenen Fondsgesellschaften. Diesen Interessenkonflikt hat die Commerzbank bald nicht mehr. Sie verkauft ihre Fondsgesellschaft Cominvest an die Allianz.
Gespräch mit Thomas Timmermann von der Commerzbank:
Herr Timmermann, es gibt schon große Anbieter von börsennotierten Fonds (ETF) in Deutschland. Warum lanciert nun die Commerzbank eine eigene Marke?
Wir sind einer der führenden Anbieter von verbrieften Derivaten in Europa und damit Market-Maker für 80.000 Produkte. Darüber hinaus sind wir Market-Maker für 1500 Publikumsfonds und 300 ETFs. Dass wir nun mit Comstage auch eine eigene ETF-Marke ins Rennen schicken ist, denke ich, nur ein logischer weiterer Schritt. Er komplettiert unser Angebot und ist zugleich die Reaktion auf viele Anfragen von Seiten unserer Kunden.
Was wollen Sie besser als Ihre Konkurrenten machen?
Wir werden einfache, transparente und faire Produkte anbieten. Darunter verstehen wir eine niedrige Pauschalgebühr und keine weiteren versteckten Kosten. Auf unserer Webseite werden die Indexzusammensetzungen kommuniziert und der Tracking-Error für jeden Fonds explizit ausgewiesen. Der Anleger soll jederzeit genau wissen, was sein ETF wert ist und wie er sich im Vergeich zum Index verhält. Wir werden unseren Fokus auch stärker auf den Privatanleger richten, bei dem das Thema ETF noch nicht wirklich angekommen ist. Mit einer breit angelegten Werbekampagne soll der Privatanleger auf diese junge, aber attraktive Anlageklasse aufmerksam gemacht werden. Vor allem vor dem Hintergrund der Abgeltungsteuer herrscht hier noch viel Aufklärungsbedarf.
Die Deutsche Bank verwaltet ETFs im Volumen von rund 15 Milliarden Euro. Welche Position streben Sie an?
Selbstverständlich streben wir eine bedeutende Rolle in diesem Markt an, aber welches Volumen wir wie schnell erreichen ist nicht entscheidend. Wir möchten unseren Kunden die gleiche Qualität in puncto Pricing und Handelbarkeit bieten, die sie von unseren Derivaten kennen, dann werden wir auch erfolgreich sein.
Sie kommen am Montag mit 27 ETFs an den Markt. Welche Produkte werden folgen?
Ich denke, dass wir bereits zum Start unseren Kunden eine sehr attraktive Palette bieten. Ob internationale Benchmarks, europäische Sektorindizes oder der Geldmarkt, der Investor hat die Auswahl aus einem breiten Angebot. Und das Beste: Unabhängig ob Performance- oder Kursindex, in jedem Fall erhält der Anleger die Dividenden. Selbstverständlich werden wir unser Angebot laufend ausbauen. Welche Indizes wir demnächst abbilden werden, hängt von den Wünschen unserer Kunden ab. Durch unsere Derivateplattform können wir alle Strukturen und alle Assetklassen darstellen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |