28.08.2008 · Börsengehandelte Fonds haben sich in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Doch in den Vereinigten Staaten sind ETFs schon groß in Mode. Jetzt lässt die Begeisterung dort nach. Denn Anleger begeben sich mit diesen Produkten auf nicht ungefährliches Terrain.
Von Ben StevermanAm Anfang waren börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds oder ETFs) eine echte Innovation, dann wurden sie zur Modeerscheinung und aufgrund ihrer zum Teil lächerlichen Fokussierung auf spezielle Segmente des Aktienmarktes zur Zielscheibe für Witzeleien an der Wall Street. Nun scheint bei ETFs jedoch eine Gegenreaktion einzusetzen.
ETFs sind für alle möglichen Marktsegmente aufgelegt worden, von Holz über Wasser bis hin zur Nanotechnologie. ETF-Anbieter stellen einen Korb aus Aktien zusammen, mit denen man nach ihren Aussagen von einem bestimmten Trend profitieren soll. Auf Grundlage dieser Aktien wird dann der ETF erstellt.
Gewisse Vorteile für Kleinanleger
Ich zweifle nicht daran, dass das ETF-Konzept gewisse Vorteile für Kleinanleger mit sich bringt. Jim Wiandt, Gründer des Datenanbieters Indexuniverse.com, bricht in seinem Blog-Eintrag vom 25. August eine Lanze für ETFs. Er argumentiert, dass die Popularität von ETFs letzten Endes jene der herkömmlichen Investmentfonds in den Schatten stellen werde. Neben der Tatsache, dass die Gebühren von ETFs gegenüber Investmentfonds meist ziemlich gering sind, haben selbst exotische ETFs ihre Berechtigung, da sie Anlegern Zugang zu Aktien ermöglichen, die sie sonst nicht ohne Weiteres kaufen könnten.
Allerdings hat der ETF-Wahn eine ganze Branche hervorgebracht, deren einziges Ziel darin zu bestehen scheint, immer neue ETFs zu ersinnen. Wenn ETFs immer den aktuell angesagtesten Investmentideen hinterher jagen, ist man als Investor letztlich in einem Trend (dem ETF-Konzept) gefangen, auf den immer weitere Trends folgen. Damit geraten Anleger auf ein nicht ungefährliches Terrain.
X-Shares schließt eine ganze Reihe von ETFs
In dieser Woche kündigte der Finanzdienstleister X-Shares Advisors die Schließung von 15 seiner 19 Health Shares ETFs an. Es scheint, als hätten sich Anleger entschlossen, auch ohne einen Ophthalmologie-ETF, einen „Dermatologie-und-Wundheilungs“-ETF oder einen auf Unternehmen im Bereich orthopädische Therapie spezialisierten ETF leben zu können.
Morningstar-Analyst Paul Justice schrieb in einem Artikel, dass einige Themen-ETFs bei der Abbildung ihrer Themen in ihren Aktienbeständen häufig nicht einmal gute Arbeit leisten. So sind ein einem Windenergie-ETF unter anderem Unternehmen wie BP enthalten. „Für die Gesamterträge dieser Unternehmen ist die Windenergie in etwa so wichtig wie Froschschenkel für eine ausgewogene Ernährung. In Wirklichkeit hat eine Schwankung des langfristigen Durchschnittspreises von Erdgas um einen Dollar größere Auswirkungen auf diese Unternehmen als eine Kapazitätsverdoppelung ihrer Windkraftanlagen.“, so Justice.
In seinem Blog Naked Shorts gab Greg Newton in seinem Beitrag „Morningstar gets an ETF clue. Huzzah!“ einen interessanten Kommentar zum Morningstar-Artikel ab. Er fügte jedoch an: „Das Gute daran ist, dass meines Wissens niemand gezwungen wird, diese Sachen zu kaufen.“
Recht hat er! Die Wall Street hat die Angewohnheit, eine Menge alberner Produkte hervorzubringen. Doch solange es Leute gibt, die sie kaufen...
Am Thema vorbei
michael ritzau (rimichael)
- 28.08.2008, 15:38 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
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| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |