Home
http://www.faz.net/-gvf-whlf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Börsenausblick 2008 Der Bullenmarkt geht weiter

15.01.2008 ·  Bob Doll, der Chef-Anlagestratege beim Vermögensverwalter Blackrock, glaubt an die Aktienmärkte. Er rechnet mit neuen Rekordhochs. Er gibt zehn Voraussagen für Finanzmärkte und Wirtschaft sowie fünf Ratschläge für Investoren.

Von Robert C. Doll, Chief Investment Officer für Aktien bei Blackrock
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Blackrock-Stratege Bob Doll macht nun schon seit mehr als zehn Jahren seine „Zehn Vorhersagen“ für Finanzmärkte und Wirtschaft. In diesem Jahr sieht er gute Bedingungen für die Aktienmärkten, wenn die Inflation im Rahmen bleibt und die US-Notenbank unterstützend wirkt. „2008 werden Großunternehmen und Wachstumswerte erneut die Gewinner sein“, glaubt Doll.

Unter den Sektore favorisiert er Informationstechnologie, Gesundheitswesen und Energie. Geographisch betrachtet könnte Amerika andere entwickelte Märkte übertreffen, die Schwellenmärkte aber sollten auch 2008 wieder einmal am besten abschneiden. Weil die Anleiherenditen im späteren Jahresverlauf 2008 steigen dürften, seien Aktien unter Bewertungsaspekten die attraktivere Anlageklasse.

Was passiert 2008? Meine zehn Vorhersagen

1. Erstmals seit 2002 sinkt das Weltwirtschaftswachstum unter den langfristigen Trend
Das weltweite Bruttoinlandsprodukt wuchs in den letzten Jahren stark, im Durchschnitt lag das Wachstum seit 2004 über dem langfristigen Trend von 3,5 Prozent. Dies dürfte sich 2008 ändern. Die Schwäche betrifft vor allem Amerika und deren mit dem Wohn- und Konsumgütermarkt verbundenen Wirtschaftsbereiche. Auch europäische Länder werden eine spürbare Abschwächung erleben. Die sich entwickelnden Märkte dürften dagegen in diesem Jahr weiterhin ein starkes Wachstum aufweisen.

2. Die amerikanische Wirtschaft entkommt knapp einer Rezession, doch die Unternehmensgewinne sinken.
Trotz der Belastung durch die Flaute am Häusermarkt und die damit verbundenen Kreditprobleme stellen starke Unternehmensbilanzen und Cash-flows, ein robuster Arbeitsmarkt, stark bleibende Exporte und eine akkomodierende Politik der amerikanischen Notenbank Gegengewichte dar, die zur Vermeidung einer Rezession in Amerika beitragen sollten. Das Bruttoinlandsprodukt könnte 2008 zwischen 1,5 und 2,0 Prozent wachsen. Die Unternehmensgewinne werden volatiler ausfallen als das Wachstum der Wirtschaft, schon in den letzten Quartalen zeigte sich bei den Profiten ein spürbarer Abwärtstrend. Leider deutet dies die Wahrscheinlichkeit eines Gewinnrückganges im Jahr 2008 an.

3. Die amerikanischen Leitzinsen fallen zumindest auf 3,5 Prozent, die Renditen von US-Staatsanleihen steigen.
2008 dürfte der Zielsatz für Tagesgeld in Amerika um mindestens weitere 75 Basispunkte gesenkt werden, womit die Leitzinsen auf 3,5 Prozent oder sogar darunter fallen würden. Allerdings nimmt die Notenbank die Zinssenkungen nur widerwillig vor. Obwohl die Inflation im Rahmen bleiben sollte, besteht ein gewisser Preissteigerungsdruck etwa bei Lebensmitteln, und die Notenbanker sind sich darüber im Klaren, dass Inflationsbekämpfung eine ihrer Hauptaufgaben ist. Die Anleiherenditen dürften von ihren aktuell niedrigen Niveaus aus moderat ansteigen, weil die Kreditbedingungen sich lockern und die Wirtschaft in der Spur bleibt.

4. Der Dollar steigt gegenüber dem Euro, fällt aber gegenüber Schwellenländer-Währungen.
Seit dem Höchststand im Jahr 2002 fiel der amerikanische Dollar in einen Abwärtstrend gegenüber den meisten Währungen, ungeachtet einer kurzen Aufwärtsbewegung 2005. Unvorteilhafte Zinsdifferenzen, das schwächere Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten und natürlich die Ungleichgewichte in der Handelsbilanz erzeugte Abwertungsdruck bei der amerikanischen Währung. Dieser Abwertungsdruck wird zwar auch 2008 bestehen bleiben, doch das sich verlangsamende Wachstum in Europa und die derzeit hohe Bewertung des Euro sollten eine relative Abschwächung der Gemeinschaftswährung gegenüber dem amerikanischen Dollar auslösen. Der Druck zur Neubewertung der Schwellenländer-Währungen wächst, und wenn sich der Dollar bewegt, dürften diese Währungen eine relative Aufwertung erfahren.

5. Aktien klettern 2008 auf neue Allzeithochs, weil sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse verbessern.
Die mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis gemessenen Aktienbewertungen haben sich seit Mitte 2006 nur moderat verbessert, zuvor waren sie einige Jahre lang zurückgegangen. Daher besteht noch Raum für weitere Verbesserungen, vor allem angesichts der Aussicht auf schwächere Gewinne. Die Kombination aus attraktiven Bewertungen, dem schwächeren, aber positivem Wirtschaftswachstum, gebändigter Inflation, niedrigen langfristigen Zinsen, starken Unternehmensbilanzen und einer akkomodierenden Geldpolitik der amerikanischen Notenbank sollte dazu beitragen, die Aktienkurse irgendwann im Jahr 2008 auf ein neues Allzeithoch zu führen und damit die Rekorde vom letzten Oktober zu brechen.

6. Großunternehmen und Wachstumswerte überflügeln Nebenwerte und wertorientierte Aktien.
Diese Voraussage bezieht sich auf einen Trend, der schon in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres sichtbar wurde. Erfahrungsgemäß halten solche Trends einige Jahre an, wenn sie sich einmal entwickelt haben. In einem Umfeld schwächeren Wirtschafts- und Gewinnwachstums sollten hoch qualitative Anlagen am besten abschneiden, was für Großunternehmen und Wachstumswerte spricht.

7. Wirtschaft und Aktienmärkte der Schwellenländer übertreffen erneut die entwickelten Märkte.
Wenn es keine globale Rezession gibt, werden die sich entwickelnden Volkswirtschaften und ihre Aktienmärkte im Jahr 2008 erneut überdurchschnittlich gut abschneiden. Ein wachsendes Heer von Arbeitskräften, anhaltende Produktivitätszuwächse, ein steigendes Konsumniveau, hohe Sparraten sowie industrielle und technologische Verbesserungen tragen zum Erfolg der Schwellenländer bei. Die Bewertungen von Schwellenländer-Aktien haben sich den entwickelten Märkten in den letzten Jahren angenähert, doch angesichts des höheren Gewinnwachstums bleiben sie eine attraktive Alternative.

8. Trotz des Anstiegs über 100 amerikanische Dollar wird der Ölpreis zum Jahresende niedriger sein als heute.
Anhaltende geopolitische Spannungen, das schnelle Weltwirtschaftwachstum, eine Zunahme des Energiebedarfs und das Ausbleiben größerer neuer Angebotsquellen setzten den Ölpreis in den vergangenen Jahren unter Aufwärtsdruck. 2007 stieg der Ölpreis um 57 Prozent und beendete das Jahr beim Stand von 95,98 amerikanischen Dollar pro Fass. In den ersten Handelstagen des neuen Jahres sprang der Preis dann über die Marke von 100 amerikanischen Dollar. Obwohl die langfristigen Gründe für höhere Ölpreise bestehen bleiben, könnte in diesem Jahr aus zyklischer Perspektive eine Konsolidierung eintreten, wenn man von einer globalen Wachstumsverlangsamung und einer weniger dramatischen Dollarabwertung ausgeht.

9. Informationstechnologie, Gesundheit und Energie übertreffen die Sektoren Versorger, Finanzen und gehobenen Konsum.
BlackRock bevorzugt allgemein Unternehmen mit einer guten Gewinn-Voraussagbarkeit, starken Gewinnausweisen und Bilanzen. Wir favorisieren zudem Firmen, die einen großen Teil ihrer Umsätze außerhalb der Vereinigten Staaten generieren. Der Wunsch nach besserer Prognistizierbarkeit lenkt uns auf den Gesundheitssektor und einige Technologiebereiche, während der Wunsch nach globaler Exposition durch andere Technologiewerte und Energieunternehmen erfüllt wird. Alle drei Sektoren haben zudem gute Gewinnsteigerungsaussichten und sind vernünftig bewertet. Versorger dagegen haben sich längere Zeit gut entwickelt, sodass sie jetzt überbewertet erscheinen. Die Bereiche Finanzen und gehobener Konsum dürften angesichts der Kredit- und Konsumprobleme unter Druck bleiben.

10. Die Demokraten erobern das Weiße Haus und bauen zum ersten Mal seit 1992 ihre Führung im Senat, dem Repräsentantenhaus und bei den Gouverneursposten aus.
Unseren Analysen zufolge deuten die meisten Zeichen darauf hin, dass die Demokraten bei den diesjährigen Wahlen abräumen werden. Eine von Demokraten geführte Bundesregierung würde voraussichtlich für höhere Spitzensteuersätze eintreten und die steuerliche Vorzugsbehandlung von Kapital- und Dividendenerträge einschränken oder beenden. Gleichzeitig könnte die Handelspolitik darauf ausgerichtet werden, Arbeitsplätze in einem schwächeren Wirtschaftsumfeld zu “schützen“. All dies könnte sich negativ auf Aktien auswirken, aber nicht in dramatischem Ausmaß.

Wie sollen Anleger sich verhalten? Meine fünf Ratschläge

1. Übergewichtung bei Aktien beibehalten
Besonders wenn unsere Voraussage zutrifft und die amerikanische Wirtschaft eine Rezession vermeiden kann, sind Aktien relativ zu anderen Anlageklassen attraktiv bewertet, vor allem im Vergleich zu Anleihen. Anleger sollten, wenn es angemessen ist, eine Übergewichtung von Aktien in ihren Portfolios erwägen.

2. Bei Schwäche kaufen (und bei Stärke)
2008 wird wohl erneut ein von Marktvolatilität dominiertes Jahr, doch das heißt nicht, dass Anleger die Märkte meiden sollten. In turbulenten Zeiten kann kontinuierliches Investieren mit der so genannten Cost-Averaging-Strategie gut funktionieren. Allerdings ist kein Investment risikofrei, und systematische Anlagepläne schützen nicht vor Verlusten in fallenden Märkten. Anleger müssen bei Cost-Averaging-Strategien sorgfältig ihre Fähigkeit abschätzen, auch in Phasen fallender Kurse weiterhin Zukäufe tätigen zu können.

3. Über Aktienstile und Sektoren bei amerikanischen Werten nachdenken
In einem Umfeld sich abschwächenden Wirtschaftswachstums empfehlen wir die Konzentration auf Investmentfonds oder andere Anlagevehikel, die in Aktien mit hoher Marktkapitalisierung oder Wachstumswerte investieren. Zudem bieten Anlagen in den Sektoren Technologie, Energie und Gesundheit im Jahr 2008 attraktive Möglichkeiten.

4. Den Globus absuchen
Internationales Investieren bietet nicht nur Diversifikationsvorteile, eine Märkte außerhalb der Vereinigten Staaten - vor allem in Schwellenländern - sehen besonders attraktiv aus. Zudem können sich Anleger auf große, multinationale Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten konzentrieren, bei denen die Gewinne tendenziell besser absehbar und die Bewertungen attraktiv sind.

5. Rohstoffe als langfristige Anlage in Erwägung ziehen
Auch wenn wir glauben, dass einige Rohstoffe wie beispielsweise Öl fällig sind für eine zyklische Abwärtsbewegung, so bleiben doch die guten fundamentalen, langfristigen Aussichten für Rohstoffinvestments weiterhin bestehen.

Was macht Blackrock?

BlackRock ist eine der größten börsennotierten Investment-Management-Firmen weltweit. Per Ende September 2007 beliefen sich die verwalteten Kundengelder von Blackrock insgesamt auf 1,3 Billionen amerikanische Dollar. Das Unternehmen verwaltet Vermögenswerte für institutionelle und private Investoren weltweit mit einer breiten Palette von Anlageprodukten aus den Bereichen Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Geldmarkt- und alternative Investments.

Zusätzlich bietet Blackrock einer wachsenden Zahl institutioneller Kunden Risikomanagement, Finanzberatungs-Dienstleistungen und die Auslagerung von Investment-Systemen an. BlackRock hat seinen Stammsitz in New York City, Vereinigte Staaten.

Das Unternehmen beschäftigt über 5.100 Mitarbeiter in 19 Ländern und verfügt über eine starke Präsenz in globalen Schlüsselmärkten, darunter den Vereinigten Staaten, Europa, Asien, Australien und dem Nahen Osten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: @stt
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%