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Blackrock : Sind große Fonds schuld am Crash?

ETFs machen das Leben leichter

Legt der Dax beispielsweise um zwei Prozent zu, gewinnt so auch der ETF zwei Prozent, bei Verlusten vice versa. Mit anderen Worten: In den meisten Blackrock-Fonds entscheiden eben keine Fondsmanager über den Kauf einer bestimmten Aktie. Die Fonds bilden den Index stattdessen rein mechanisch nach. Es spielt also keine Rolle, ob eine Aktie gerade attraktiv erscheint oder nicht – Blackrocks ETF-Sparte (bekannt unter dem Namen iShares) investiert stets, solange ein Unternehmen Mitglied eines Börsenindex ist. Forscher Braun nennt dieses Geld darum „patient capital“, geduldiges Kapital.

Auch für Privatanleger sind mit dem Kauf solcher ETF mehrere Vorteile verbunden: Zum einen sind die Gebühren deutlich niedriger als die Kosten klassischer Investmentfonds, denen es in der Mehrheit sowieso nicht gelingt, langfristig besser abzuschneiden als der Index als Ganzes. Und zum anderen haben ETF die Geldanlage deutlich vereinfacht: Schließlich ist es viel mühsamer, jede Aktie aller 30 Dax-Unternehmen einzeln zu kaufen als einen einzigen ETF.

Dass Blackrock auf diesem Geschäftsfeld so erfolgreich ist wie keine andere Fondsgesellschaft der Welt, kann man dem New Yorker Unternehmen daher nicht wirklich zum Vorwurf machen. Zumal Investmentfirmen nie Geld auf eigene Rechnung anlegen: Anders als Banken betreiben sie keinen Eigenhandel mit Wertpapieren. Auch setzen sie in der Regel keine Kredite für Aktienkäufe ein, sondern arbeiten allein mit dem Geld ihrer Kunden. All die Vorwürfe, die man im Verlauf der Finanzkrise 2008 den Banken machen konnte, treffen also auf Investmentgesellschaften nicht zu – schon gar nicht, wenn sie größtenteils ETF im Angebot haben.

Passiv ist abhängig von aktiv

Wahr ist aber auch: In außergewöhnlichen Situationen an den Finanzmärkten – vor allem in Phasen höchster Nervosität wie in den vergangenen Tagen – können durch die gewaltige Größe einer Fondsgesellschaft wie Blackrock starke Kursverluste noch stärker werden. Das heißt nicht, dass Blackrock solche Kursverluste auslöst. Aber diese können wegen der Fonds heftiger ausfallen – auch wenn Blackrock selbst dies natürlich anders sieht.

Interessanterweise geht mit dem Erfolg der ETF aber eine unangenehme Nebenwirkung einher: Je mehr Geld die ETF (in der Finanzwelt gerne auch als „passive Anleger“ bezeichnet) einsammeln, desto größer wird ihre Abhängigkeit von allen aktiven Anlegern. Da die ETF lediglich das Anlageverhalten der anderen nachbilden, können durch sie Abwärtskaskaden verstärkt werden.

Diese Kaskaden laufen in etwa nach folgendem Muster ab: Aktive Anleger trennen sich in hohem Maße von Wertpapieren, die ETF rutschen mit ins Minus. Diese Verluste machen die Besitzer von ETF nervös, und nun trennen sie sich im großen Stil von ihren ETF-Anteilen. Um diese Anleger auszuzahlen, müssen jetzt die ETF ihrerseits die von ihnen gehaltenen Wertpapiere verkaufen.

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