04.10.2006 · Der Dow-Jones-Index ist wieder auf Rekordkurs. Boeing, Altria, Hewlett-Packard, Caterpillar und Exxon Mobil waren die „Poweraktien“ der vergangenen Jahre, die den Index nach oben zogen - „Old-Economy-Werte“ also.
Waren die vergangenen Jahre nach der Baisse vor allem durch die exzellente Performance der Papiere von kleineren und mittleren Unternehmen geprägt, so scheint sich langsam aber sich ein Wandel hin zu den Aktien größerer Unternehmen zu vollziehen.
Das zeigt sich unter anderem daran, daß der älteste Aktienindex überhaupt, der Dow Jones Industrial Average, am Dienstag mit einem Tagesgewinn von 0,49 Prozent auf 11.727,34 Zähler ein neues Allzeithoch auf Schlußkursbasis erreicht hat. Die bisherige Bestmarke hatte bei 11.722,98 Zählern gelegen, die der Index am 14. Januar des Jahres 2000 zu Beginn der folgenden Baisse erreicht hatte.
Boeing, Altria, Hewlett-Packard, Caterpillar - „Poweraktien“ der vergangenen Jahre
Zur Bewegung nach oben trugen in den vergangenen Jahren insbesondere die Werte der so genannten „Old Economy“ bei. Auf Sicht von drei Jahren wurde der Index von den Aktien von Boeing, Altria, Hewlett-Packard, Caterpillar und nicht zuletzt auch Exxon Mobil mit einer Kursentwicklung zwischen knapp 23 und knapp 34 Prozent pro Jahr nach oben gezogen.
Dagegen legten die Werte von Intel, Wal-Mart, IBM, General Motors und auch von Merck & Co. eine unterdurchschnittliche Entwicklung an den Tag. Denn sie liegen nach wie vor im Minus. Allerdings zeigt der Blick auf die Ein-Jahres-Entwicklung, daß sich das rasch ändern kann. So hat die Aktie von Merck & Co. in den vergangenen zwölf Monaten satte 61 Prozent zugelegt.
Viele der im Index enthaltenen 30 Unternehmen profitierten einerseits von der dynamischen Entwicklung der Weltwirtschaft. Sie wurde ausgelöst von einer lockeren Geldpolitik einerseits, vom rasanten Wachstum in manchen Schwellenländern andererseits, angeführt von China. Sie führte nicht nur zu einer zunehmenden Nachfrage nach Investitionsgütern, sondern auch nach Rohstoffen.
So dürfte es kaum verwundern, daß Unternehmen wie Caterpillar, Boeing und Exxon Mobil ihre Gewinne steigern und auf diese Weise nach und nach in die zuvor hohen Bewertungen der Aktien hineinwachsen konnten. Die Aktien sind inzwischen günstiger als vor sechs Jahren, wenn auch mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 auf Basis der ausgewiesenen Gewinne noch nicht richtig günstig.
„Viele der grundlegenden Komponenten des Dow stammen noch immer aus der klassischen Wirtschaft vor dem Internet-Hype“, sagt denn auch David Dreman, Fondsmanager bei Dreman Value Management der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das ist eine der Ursachen, weshalb der Dow nun in die Höhe schießt.“ Der Aktienkurs des Baumaschinenriesen Caterpillar erreichte Mitte Mai des laufenden Jahres ein Allzeithoch. Seit dem Zwischentief im Oktober des Jahres 2002 hat die Aktie ihren Wert fast vervierfacht, da in den vergangenen Jahren der Bedarf nach Schwerlasttransportern für den Bergbau ebenso stieg wie die Nachfrage nach Bohrtechnik für den Erdgas-Bereich.
Viele Dow-Unternehmen erzielen hohe Auslandserlöse
Beim Flugzeugbauer Boeing verdoppelte sich der Kurs seit dem Jahr 2002 und stieg im laufenden Jahr auf Rekordniveau. Im ersten Quartal verzeichnete der Konzern den größten Schub bei den Bestellungen seit fünf Jahren. Die Aktie des Industriekonzerns United Technologies, der unter anderem Fahrstühle der Marke „Otis“ baut, hat ihren Wert ebenfalls mehr als verdoppelt. Die seit 1925 im Dow vertretene Aktie von General Motors, hat in diesem Jahr 72 Prozent zugelegt - eine Wette auf die operative Abwendung der Misere aus den Jahren zuvor.
Wer von der Performance des Dow Jones Industrial allerdings auf die „Stärke der amerikanischen Wirtschaft“ schließt, kann sich täuschen. Das zeigt sich nicht nur daran, daß der breitere S&P 500 noch 14 Prozent zulegen müßte, um einen neuen Kursrekord zu erreichen, sondern daß der Nasdaq Composite den Indexstand sogar verdoppeln müßte.
Ein weiteres Indiz ist die Umsatzstruktur der im Dow enthaltenen Unternehmen. Sie ist „auslandslastig“. Einzelne Unternehmen wie etwa Intel, Coca-Cola oder McDonald's erzielen bis zu über 80 Prozent ihrer Erlöse im Ausland. Aus diesem Grund dürfte ein näherer Blick auf die Einzelwerte ratsam sein, bevor man mit solchen Argumenten hantiert. Auf der anderen Seite können auf diese Weise amerika-spezifische Schwächen abgefedert werden. Gerade mit Blick auf die Entwicklung am Häusermarkt und den damit verbundenen Sektoren könnte genau das in den kommenden Monaten nötig werden. Die Frage ist, ob sich der Index dann wird weiter nach oben bewegen können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |