09.07.2009 · Wie hat sich der Außenwert des Euro seit Ausbruch der Krise verändert? Wir haben unsere Korrespondenten in die Kaufhäuser von Tokio, New York, Zürich und London geschickt: Wo sich das Einkaufen mit dem Euro noch lohnt.
Von Marie Katharina Wagner"This is soo August", sagen die Amerikaner seit Ausbruch der Finanzkrise, wenn sie New Yorker in panzergroßen Autos zum Einkaufen fahren sehen. Was im August 2008 im statussymbolverliebten Amerika noch normal war, gilt seit dem Lehman-Kollaps-Monat September als eher peinlich.
In Europa ist es so weit noch nicht. Aber auch hier hat sich für die Einkäufer von Luxusgütern seit der Finanzkrise einiges geändert. Im April vergangenen Jahres war der Euro noch so stark und der Dollar im Verhältnis zur Gemeinschaftswährung so stark unterbewertet, dass eine Rolex, eine Flasche Champagner oder eine neue Kamera in New York deutlich billiger waren als in Frankfurt. Auch Tokio empfahl sich als Shopping-Reiseziel für Europäer.
„Big-Mac-Index“ weiterentwickelt
Und heute? Heute interessieren sich wahrscheinlich die wenigsten dafür, ob sie den Champagner für das Abendbrot besser in Tokio oder in New York kaufen sollen. Ein internationaler Preisvergleich sagt aber mehr aus - nämlich ob der Euro im Vergleich zu anderen Währungen über- oder unterbewertet ist.
Deshalb haben wir, wie schon im vergangenen Jahr, unsere Korrespondenten in die Kaufhäuser von Tokio, New York, Zürich und London geschickt, um die Preise von Produkten, die in allen Ländern in möglichst ähnlicher Art und Weise zu kaufen sind, in Euro umgerechnet zu vergleichen. So wollten wir überprüfen, wie sich der Außenwert des Euro seit Ausbruch der Krise verändert hat. Die Idee stammt - zugegebenermaßen - nicht von uns. Wir haben mit unserem Warenkorbvergleich den sogenannten "Big-Mac-Index" weiterentwickelt, den das britische Magazin "The Economist" vor rund 20 Jahren erfunden hat und seither jedes Jahr aktualisiert.
Ausgehend von der These der Kaufkraftparität (siehe Kasten unten), werden dabei die weltweiten Preise des doppelstöckigen McDonald's-Burgers in Dollar umgerechnet. So wird festgestellt, ob der Dollar im Vergleich zu den anderen Währungen über- oder unterbewertet ist. Weil der Big Mac allerdings international nicht handelbar ist (weil er dann schnell noch labbriger werden würde, als er für manche ohnehin schon ist), hat eine australische Investmentbank im Jahr 2007 den "iPod-Index" erfunden.
Wir haben Big-Mac- und iPod-Index kombiniert und um noch ein paar Produkte erweitert. Dabei ist es nicht einfach, weltweit vergleichbare Güter zu finden. Kosmetik scheidet etwa völlig aus, da wegen der unterschiedlichen Hautbeschaffenheit überall auf der Welt ganz andere Produkte angeboten werden. Auch Kleidung ist etwa in Japan logischerweise anders geschnitten als in Deutschland. Wir entschieden uns für einen ähnlich gefüllten Warenkorb wie im vergangenen Jahr, aber für teilweise andere Marken: Wir kauften eine Damen-Rolex, eine Flasche Champagner, einen MP3-Player, eine digitale Spiegelreflexkamera, ein Paar Turnschuhe und eine DVD.
Rolex und Kamera in Amerika teurer
Das Ergebnis: Anstatt New York empfiehlt sich im Juli 2009 eine Reise nach London, wenn man Technik oder Kleidung kaufen will. Das britische Pfund ist dabei gar nicht viel stärker unterbewertet als noch im vergangenen Jahr: Anstatt 3 Prozent liegt es nun 4 Prozent unterhalb der Kaufkraftparität. In London sind bis auf Champagner alle Produkte günstiger zu haben, bei den Turnschuhen liegt der Kaufpreis in London sogar um 13 Prozent unter dem in einem deutschen Kaufhaus.
Dollar und Yen haben in Relation zum Euro die größte Veränderung durchgemacht. Der Dollar ist längst nicht mehr so schwach wie noch 2008. Rund 30 Prozent weniger musste man im April des vergangenen Jahres in New York für den Warenkorb zahlen. Heute zahlt man dort insgesamt sogar 2,5 Prozent mehr. Das liegt aber vor allem daran, dass die Rolex und die Kamera in Amerika um einiges teurer sind als in Frankfurt. Alle anderen Produkte sind dort immer noch billiger zu haben.
Deutlich überbewertet ist inzwischen auch der Yen - 13,8 Prozent mehr kostet der Warenkorb in Tokio im Juli 2009 - eine deutliche Veränderung zum April 2008, als der Yen noch um 17 Prozent unterbewertet war. Dabei fehlt in unserem Vergleich der Preis für die DVD, die in Japan zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Handel war. Tokio ist also genau wie New York nicht mehr für einen Einkauf am Wochenende zu empfehlen. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wer unbedingt die von uns ausgewählte Fotokamera kaufen möchte, sollte sich eine Rabattpunktekarte besorgen und in ein bestimmtes Tokioter Elektrokaufhaus gehen. Denn dort bekommt man das Modell dann um ganze 25 Prozent günstiger als in Deutschland.
Auch der Schweizer Franken ist nicht auf dem Niveau des Vorjahres geblieben. Damals war der Franken wie das britische Pfund gegenüber dem Euro um etwa 3 Prozent unterbewertet. Inzwischen ist er um 8,1 Prozent unterbewertet. Das liegt daran, dass die Rolex in Zürich viel günstiger zu haben ist als in Frankfurt. Ansonsten ist dort nur der Champagner billiger als in Frankfurt.
Unser Vergleich zeigt: Zum Einkaufen eines Warenkorbs voller Luxusgüter (neben den "normalen" Produkten wie Turnschuhen und Big Mac) sollten EU-Bürger nach London oder Zürich fahren. Sie müssen jedoch vorbereitet sein, dafür von Amerikanern als reichlich "August" angesehen zu werden.
Die Theorie der Kaufkraftparität beruht auf dem Gesetz vom einheitlichen Preis. Danach wird ein Korb voller identischer Güter und Dienstleistungen überall auf der Welt zum gleichen Preis gehandelt. Dies ist dann der Fall, wenn eine Währung in allen Ländern die gleiche Kaufkraft hat, also überall den gleichen realen Wert besitzt. Wenn dies nicht so wäre, so die Theorie, würde zwischen den Ländern, in denen es Preisunterschiede gibt, sofort ein Arbitrage-Handel beginnen, um die Unterschiede auszugleichen. So würden zum Beispiel iPods in Amerika gekauft, um sie dann gewinnbringend in Deutschland weiterzuverkaufen. Kritiker bemängeln, dass in der Theorie Transaktionskosten wie Zölle und Steuerabgaben oder unterschiedliche Lohnkosten nicht berücksichtigt werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |