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Bewegte Börsenzeiten Nur die Dreißiger waren schlimmer

03.04.2009 ·  Es sind bewegte Zeiten an den Börsen. Ob Dax, Dow oder Nikkei: Das Jahr 2008 war besonders turbulent. Aber auch in früheren Jahren mussten Anleger schon gute Nerven haben. FAZ.NET gibt einen interaktiven Überblick über Rekordgewinne und Verluste an den Weltbörsen.

Von Martin Hock
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Aktienanleger mussten in den vergangenen Monaten extrem hart im Nehmen sein. Nahezu unberechenbar tänzeln die Aktienindizes vor sich hin: Einmal gibt es drastische Kursrückgänge, dann wieder phänomenale Kursgewinne. Eine Index-Veränderung von 2 Prozent an einem Tag war vor zwei Jahren noch so außergewöhnlich, dass man von „Explosion“ bzw. „Absturz“ sprach. Heutzutage gilt das fast schon als „ruhiges Fahrwasser“.

Ein Blick auf die historischen Kursveränderungen großer Aktienindizes bestätigt den Eindruck - eindeutiger noch, als es zu vermuten gewesen wäre. Von den jeweils 50 größten Kursbewegungen nach unten bzw. nach oben des Dax' seit November 1990 ereigneten sich 20 im vergangenen Jahr. Das ist die größte Ballung nach dem Jahr 2002, indem sich fast jede dritte dieser Kursbewegungen ereignete.

FAZ.NET gibt einen interaktiven Überblick über Rekordgewinne und Verluste an den Weltbörsen (siehe „Interaktiv“-Bild).

Drei volatile Perioden im Dax

Gewichtet man die Kursbewegungen nach der Rangfolge der Intensität, so war 2008 tatsächlich das volatilste Jahr in der Geschichte des Dax, während 2002 eher einen mittleren Rang belegt.

Insgesamt kennt der Dax bislang drei volatile Perioden. Zum ersten 1991 und 1992. Hier fanden zwar nur vier starke Kursbewegungen statt, doch darunter sind das größte Minus und das zweitgrößte Plus.

2009 jetzt schon das viertvolatilste Jahr

Zum zweiten 1997 bis 2003 mit 68 Kursbewegungen, wobei sich diese in den Jahren 2002 und 2003 ballen. 2003 ging es dabei überwiegend aufwärts, im Jahr 2002 halten sich die Richtungen die Waage.

Zum dritten 2008 und auch 2009, das mit 8 Kursbewegungen jetzt schon viertvolatilste Jahr. Das gibt für den Rest des Jahres zu denken, allzumal wenn man berücksichtigt, dass es sich 2008/09 um eine 15-Monats-Periode handelt. Im Jahresdurchschnitt sind dies 21,6 Kursbewegungen - ein Rekord an fast jedem achten Börsentag! 1997 bis 2003 war es jeder zwanzigste. Allerdings waren die Jahre 2002 und 2003 noch anstrengender.

Die wilden Dreißiger

Die Geschichte des Dax ist vergleichsweise kurz und daher nur wenig aussagefähig. Blickt man stattdessen auf die mehr als 110jährige Geschichte des Dow Jones, so ändert sich das Bild indes nur insoweit als es um die Facette der dreißiger Jahre bereichert wird.

Auch wenn sich die 100 Kursbewegungen des Dow auf 28 Jahre verteilen, gibt es eindeutige Ballungen. Das ist zum einen die Zeit zwischen 1929 und 1934, wobei 1934 und 1930 mit je einer Bewegungsspitze Ruhejahr darstellen. In diesem Sechs-Jahres-Zeitraum fand mehr als die Hälfte der Spitzenkursbewegungen statt, jede dritte in den Jahren 1932 und 1933.

Es ist gleichzeitig der längste Zeitraum hoher Kursausschläge.Die Zeiträume 1896 bis 1901 und 1937 bis 1940 weisen Unterbrechungen auf. Zudem entfallen auf diese, ebenso wie auf die Zeiträume 1987 bis 1989 und 1997 bis 2002 im Jahresdurchschnitt weniger als 2 starke Kursbewegungen.

2008: Stark bewegter Dow

Ganz anders die Jahre 2008 und 2009. Elf Spitzenbewegungen gab es in den vergangenen 15 Monaten, 2 davon in diesem Jahr. An ordinaler Stärke wird 2008 allerdings noch von einer Reihe von Jahren überboten. So recht zählen kann man aber nur 1987 und 1931, da es in den anderen Jahren nur 1 oder 2 Bewegungen gab.

Vergleicht man die vergangenen 15 Monate mit den dreißiger Jahren, zeigt sich, dass sie locker mithalten können. Im Jahresdurchschnitt kommt 2008/2009 auf 8,8 Kursbewegungen, 1929 bis 1934 waren es 9, ohne 1934 10,6.

Folgen noch mehr „Rekorde“?

Aufschlussreich ist auch der Blick auf den japanischen Nikkei-Index seit 1970. Trotz dessen bewegter Geschichte und hoher Punktverluste im Jahr 1990, gibt es ein Spitzenjahr der extremen Kursbewegungen: 23 Prozent fanden im vergangenen Jahr statt, allein vier der fünf größten Kursstürze im Oktober. Zum Vergleich: 1990 waren es nur 8 starke Kursbewegungen.

Es ist dies aber auch insofern keine Überraschung, als der Nikkei praktisch seit 1986 chronisch zu Extremen neigt, von einer Ruhephase zwischen 2005 und 2007 abgesehen. Ist der Verlauf des ersten Quartals 2009 ein Indiz für den Rest des Jahres, so dürfte auch an der japanischen Börse ein weiteres Jahr der Rekorde bevorstehen.

Das sollte auch für Dax und Dow gelten. An den deutschen Börsen folgte dem extreme Jahr 2002 ein nicht mehr ganz so extremes Jahr 2003. Sollte 2008 das Spitzenjahr der Extreme gewesen sein, so könnte das Fahrwasser 2010 ruhiger werden. Ähnliches gilt für den Dow, wenn 2008 das Jahr 1932 der Krise unserer Tage gewesen sein sollte.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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