24.06.2011 · Der irische Rockstar Bob Geldof bricht zu einer neuen Karriere auf: Durch Unternehmensbeteiligungen will er Afrika wirtschaftlich voranbringen. Dazu gründete er den Beteiligungsfonds 8 Miles.
Von Christian Hiller von GaertringenBob Geldof, der alte Rockstar, verkauft sich neuerdings selbst. „Mein Name ist Bob, und ich bin eine Private-Equity-Hure.“ So stellte er sich jüngst in London auf einer Konferenz für Finanzinvestoren vor und kam ohne Umwege auf sein Thema. „Ich suche 25 Millionen Pfund.“ Doch nicht, weil er selbst knapp bei Kasse wäre. Er will mehr als 750 Millionen Dollar für seinen Fonds 8 Miles einsammeln, der sich an nicht an der Börse notierten Unternehmen (Private Equity) in Afrika beteiligt.
Am 5. Oktober wird der irische Rockstar 60 Jahre alt. Vor 35 Jahren gründete er die Boomtown Rats, mit denen er dank des Songs „I don’t like Monday“ weltberühmt wurde. Nun, in einem Alter, in dem sich andere Stars zur Ruhe setzen, macht sich Geldof zu einer neuen Karriere auf: Durch Unternehmensbeteiligungen will er Afrika wirtschaftlich voranbringen. Dazu gründete er den Beteiligungsfonds 8 Miles und berief an dessen Spitze Mark Florman, einen erfahrenen Private-Equity-Experten aus London. Acht Meilen – die Distanz ist für Geldof ein Symbol der Nähe. Sie entspricht der kürzesten Entfernung, die Afrika von Europa trennt.
Einer der größten Beteiligungsfonds in Afrika
Afrika ist dem Rockstar seit langem eine Herzensangelegenheit. „Do they know it’s Christmas?“ Ist ihnen klar, dass Weihnachten ist? Mit diesem Song lehnte sich Geldof 1984 gegen eine Hungersnot in Äthiopien auf und lancierte 1985 das weltweite Hilfskonzert „Live Aid“, um für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands auf der Welt einzutreten. Zum G-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm organisierte er in Rostock das Hilfskonzert „P 8“. Für diese Engagements bekam Geldof auch viel Kritik. Die Spenden stützten korrupte, verbrecherische Regimes, die diese Hungersnöte zum Teil herbeiführten, um sich politische Vorteile und internationale Finanzhilfen zu sichern, lautete einer der Vorwürfe.
Jetzt entdeckt Geldof den Finanzkapitalismus. „Handel, nicht Entwicklungshilfe bringt die Leute aus der Armut heraus“, sagt er nun. Gelingt es Geldof, die angestrebten 750 Millionen bis 1 Milliarde Dollar einzusammeln, wäre 8 Miles einer der größten Beteiligungsfonds in Afrika. Es sieht gut aus: Nicht nur private Investoren, auch internationale Organisation wie die African Development Bank oder die International Finance Corporation (IFC), der privatwirtschaftliche Arm der Weltbank, unterstützen den Fonds.
Private-Equity-Investoren beteiligen sich an Unternehmen, um sie weiterzuentwickeln, den Unternehmenswert zu steigern und ihre Beteiligung nach einigen Jahren mit Gewinn zu verkaufen. Es ist ein hartes Geschäft, eine Domäne abgebrühter Finanzprofis. Auf dieses Milieu glaubt sich Geldof durch seine Erfahrungen im Musikgeschäft gut vorbereitet. „Ich mag Business, ehrlich“, sagt er auf der Konferenz. „Und glaubt mir, es gibt kein Geschäft, das skrupelloser und profitorientierter wäre als Rock and Roll.“
Eine Perspektive für den Kontinent
Geldof wird in Afrika auf viele andere Investoren treffen. Besonders aktiv auf dem Kontinent ist die Beteiligungsgesellschaft Helios Investment Partner, die jüngst ihren zweiten Afrika-Fonds im Volumen von 900 Millionen Dollar für neue Anleger schloss. Auch die Fondsgesellschaft Silk Invest in London hat einen Beteiligungsfonds erfolgreich geschlossen und plant einen zweiten. Selbst internationale Schwergewichte der Branche wie Carlyle Group lancieren derzeit Afrika-Fonds. „Neben Private-Equity-Investoren investieren zunehmend Staatsfonds aus Europa und Asien, vermögende Familieninvestoren und natürlich Non-Profit-Stiftungen wie die Bill Gates Stiftung“, sagt Alexander von Mellenthin, Partner und Gründer der auf Afrika spezialisierten Firma Mellenthin & Co.. Vor allem Investoren aus Südafrika suchen Beteiligungen in Afrika, so der Versicherer Old Mutual. Zwar ging die Aktivität jüngst etwas zurück. Doch in der Branche wird damit gerechnet, dass Afrika dauerhaft für Investoren attraktiv wird und sich dadurch eine Perspektive für den Kontinent auftut. Denn mit dem Aufstieg der Börsen in Johannesburg, Lagos, Accra und Nairobi entwickeln sich auch die Aktienmärkte rasant, wodurch Private-Equity-Investoren die Möglichkeit erhalten, ihre Beteiligungen an der Börse wieder abzustoßen.
„In einigen afrikanischen Ländern wird die Börse zunehmend als wichtiger Maßstab für Bewertungen von Unternehmensbeteiligungen genommen“, sagt Mellenthin. Dabei ist die Lage von Land zu Land sehr verschieden. „Südafrika ist der älteste und der am weit entwickelte Markt für Private Equity in Afrika“, sagt Mellenthin. „Aufgrund des reifen und entwickelten Finanzdienstleistungsektors gibt es dort einen Überhang von Kapital, und es herrscht eher ein Mangel an Beteiligungsmöglichkeiten an etablierten und privaten Unternehmen.“ In anderen Ländern wie Nigeria, Ghana und einigen französischsprachigen Ländern Afrikas nehme die Zahl lokaler und internationaler Beteiligungsinvestoren zu.
Konsumorientiert und ausgesprochen markenbewusst
In einem Punkt sind sich die Investoren einig: „Afrika ist ein Kontinent von Teenagern“, sagte Rockstar Geldof. „In wenigen Jahren werden afrikanische Verbraucher mehr Geld ausgeben als die brasilianischen heute.“ Gleichzeitig würde Europa immer älter und sei beinahe bankrott. „Wo werden in Zukunft unser Grips und unsere Muskeln herkommen?“, fragt er. „Die Antwort liegt acht Meilen entfernt.“
Galt Afrika der Welt bisher als günstige Rohstoffquelle, so wandelt sich der Fokus. „Einer der interessantesten Bereiche in Afrika ist meines Erachtens der gesamte Konsumsektor“, bestätigt Mellenthin Geldofs Einschätzung. Grund sei die Entstehung einer Mittelschicht auf dem Kontinent, die konsumorientiert und ausgesprochen markenbewusst sei. Daneben ziehe derzeit auch die Landwirtschaft enorm viele Finanzinvestoren, aber auch strategisch orientierte, an. Daneben seien Investitionen in die Infrastruktur interessant und nach wie vor in Unternehmen, die von den Bodenschätzen des Kontinents profitieren. „Für Rohstoffunternehmen steht mit der Börse London und dem dortigen Marktsegment AIM eine wichtige Verkaufsmöglichkeit für Private-Equity-Investoren bereit“, sagt Mellenthin.
Geldof, der vor seiner Karriere als Gitarrist und Sänger Musikreporter war, hat sein Talent für griffige Formulierungen nicht verloren. „Für die Private-Equity-Branche lautet die Frage, was als nächstes kommt – die Antwort lautet: Afrika.“
Jaja, der alte Bob,
Andreas M. Wirth (mightyson)
- 24.06.2011, 09:36 Uhr
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