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Beteiligungsbranche Schiffsfonds werden für Anleger zum Albtraum

28.07.2009 ·  Statt attraktiver Renditen drohen vielen Anlegern mit ihrer Beteiligung an einem Containerfrachter nun möglicherweise hohe Nachschüsse - denn viele Schiffen steuern angesichts der Krise in die Pleite.

Von Hendrik Ankenbrand, Hamburg
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Die Beteiligungsbranche in Deutschland steuert auf eine schwere Krise zu. Immer mehr geschlossene Fonds, mit denen sich Anleger an einem Containerschiff beteiligen konnten, sind von der Pleite bedroht. Damit droht den Anlegern nicht nur der Ausfall der in Aussicht gestellten Renditen. In manchen Fällen müssen sie damit rechnen, dass sie weiteres Geld in die maroden Beteiligungen einschießen müssen, um beschäftigungslose Frachter zu retten.

Dabei hatte das Hamburger Emissionshaus Lloyd Fonds vor zwei Monaten noch Hoffnung verbreitet. Am Abend des 21. Mai hatte die Gesellschaft, die sich unter anderem auf geschlossene Schiffsfonds spezialisiert hat, in die gläserne Elbkuppel unter dem Dach des Hotels Hafen Hamburg eingeladen, einen Ort, der Seemannsherzen höher schlagen lässt. Der Blick geht über Hafenbecken und Kaianlagen, auf der Elbe ziehen die Frachter vorbei. Genau der richtige Platz für Menschen, die mit Schiffen Geld verdienen.

„Der Markt zieht gerade wieder an

Auch an diesem Abend war die Stimmung bestens. Zwar ist das Geschäft von Januar bis März des laufenden Jahres auf ein Drittel geschmolzen. Seit Beginn der Krise liegt die Handelsschifffahrt weitgehend vor Anker. Aber, so versicherten die Fondsmakler gut gelaunt bei kühlem Pils: „Der Markt zieht gerade wieder an.“ Den Reedereien gelinge es immer mehr, Erhöhungen bei den Raten, den Mieten für Schiffe, durchzusetzen. Die Frachter steuerten langsam auf die Gewinnzone zu.

Die Hoffnung war trügerisch. 834 Container kann die „Emilia Schulte“ transportieren, an der die Anleger des Lloyds-Fonds „Best of Shipping I“ beteiligt sind. Momentan fährt das Schiff nicht einmal die Hälfte seiner Betriebskosten ein. Bis Ende dieser Woche sollen die Anleger entscheiden, ob sie 2,8 Millionen Euro an früheren Ausschüttungen zurückzahlen, um den Frachter zu retten.

„Auszahlungen werden wir frühestens im Jahr 2013 wieder sehen“

Beim Fondshaus Hamburg (FHH) sind acht Schiffsfonds von der Pleite bedroht und brauchen frisches Eigenkapital. Bei zweien haben die Anleger schon zugestimmt, Geld nachzuschießen - in einem Fall 1,3 Millionen Dollar. Besonders brisant: Hier handelt es sich um ein Tilgungsmodell - die Anleger haben bis heute nicht einen Cent Ausschüttung gesehen. Trotzdem hat FHH-Geschäftsführer Jens Brandis die 800 Eigner überzeugt, dem Sanierungskonzept zuzustimmen, obwohl selbst er von keiner baldigen Erholung des Marktes ausgeht: „Auszahlungen werden wir frühestens im Jahr 2013 wieder sehen.“ Zwei Jahre früher jedoch, lockt Brandis die Anleger, erhielten die Zeichner das jetzt eingezahlte Kapital zurück - verzinst mit 10 Prozent jährlich und mit der Garantie, noch vorrangig vor den Banken bedient zu werden.

Den Glauben an die Zukunft des Containerfrachters „Mar Catania“ haben dessen Eigentümer hingegen verloren. Die 1900 Anleger des HCI-Fonds sollten bis Mitte Juli knapp 4 Millionen Euro in das aufliegende Schiff pumpen. Doch sie stimmten fast einhellig dagegen - wohl auch, weil im Fonds mehrere Schiffe enthalten sind und somit nur ein Teil des eingesetzten Kapitals verloren ist. „Verluste begrenzen“ heißt der Notruf in einer Branche, die noch vor einem Jahr rosige Zeiten erlebte. Nun stellt sie sich auf langes Leiden ein. Nicht nur, dass die Schifffahrt völlig von der Konjunktur abhängig ist. Auch die Tatsache, dass in den nächsten Jahren viel zu viele neue Schiffe auf den Markt kommen, wird die Preise am Boden halten. „Bis Ende 2010 werden wir allenfalls die Betriebskosten einfahren“, sagt FHH-Geschäftsführer Brandis.

Entscheidend ist die Haftsumme

Also verlassen die Anleger den Markt wie Ratten das sinkende Schiff. Gegenüber dem miserablen vierten Quartal 2008 ist in den ersten drei Monaten 2009 das Plazierungsvolumen noch mal um 60 Prozent eingebrochen. Und wer schon Anteile gezeichnet hat, wird sie nicht los. Der Zweitmarkt für Schiffsbeteiligungen ist im ersten Halbjahr um über 80 Prozent zurückgegangen. Jedes Schiff, dessen Chartervertrag in diesem Jahr ausläuft, gilt in der Branche als Pleitekandidat.

Ist die Lage bedrohlich, können Anleger gezwungen werden, schon erhaltene Ausschüttungen wieder zurückzuzahlen, sofern sie nicht auf tatsächlich erwirtschafteten Überschüssen basieren. Entscheidend ist die Haftsumme, die im Handelsregister eingetragen ist und zwischen 10 und 100 Prozent betragen kann. Sinkt das Kapitalkonto der Gesellschafter darunter, könne der Insolvenzverwalter von den Anlegern die Differenz zurückfordern, sagt die Kapitalmarktrechtlerin Petra Brockmann. Raus kämen die Zeichner aus der Bredouille höchstens im Fall treuhänderisch verwalteter Einlagen, bei denen die Prospekthaftung ins Spiel kommt. „Ansonsten sieht es schlecht aus“, fürchtet die Wirtschaftsjuristin.

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Jahrgang 1978, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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