11.02.2008 · Bisher gibt es die Rürup-Rente nur in Versicherungsform. Jetzt aber kommen die ersten Fonds: Allerdings lohnt sich die Rürup-Rente nicht für jeden.
Von Dyrk ScherffDie Riester-Rente kennen mittlerweile viele. Zehn Millionen Menschen haben schon einen Vertrag für diese staatlich geförderte private Altersvorsorge abgeschlossen. Die Rürup-Rente aber ist ein Nischenprodukt. Sie wendet sich an die kleine Gruppe derer, die nicht riestern darf: die Selbständigen.
Seit 2005 gibt es Rürup-Produkte. Sie wurden bisher nur von Versicherern und auch nur in Form von Rentenversicherungen angeboten. Sie investieren klassisch in Anleihen und sehr wenige Aktien oder etwas risikoreicher in Renten- und Aktienfonds. Das tun Riester-Produkte auch.
Für Geringverdiener kaum sinnvoll
Der Unterschied liegt in der Förderung: Die Einzahlungen in Riester-Verträge sind steuerlich absetzbar. Zudem fördert der Staat das Sparen durch Zulagen. Die lohnen sich vor allem für Geringverdiener. Im Ruhestand sind die Renten dann voll zu versteuern. Bei Rürup hingegen ist, wie bei der staatlichen Rente, ein geringerer, aber jährlich wachsender Teil der Einzahlungen von der Steuer befreit. Dafür müssen die ausgezahlten Renten zunächst auch nur zum Teil - später dann aber zu 100 Prozent - versteuert werden. Zulagen gibt es dagegen nicht. Für Geringverdiener ist die Rürup-Rente also kaum sinnvoll.
Jetzt gibt es das Produkt in einer neuen Form: Nicht mehr nur als Versicherungspolice, sondern als Sparplan auf Investmentfonds. Die Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, hat unter dem Namen Deka Basisrente den Anfang gemacht. DWS und die Allianz wollen bald nachziehen. Das kann gut sein für die Vorsorge. „Fonds sind in der Regel günstiger als fondsgebundene Versicherungen und haben eine höhere Rendite als klassische Rürup-Versicherungen“, sagt Niels Nauhauser, Kapitalmarktexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Teure Dachfonds-Konstruktion
Die beiden Anlagekonzepte der Deka - eine sicherere und eine spekulativere Variante - nutzen diese Chance aber nicht. Zum einmaligen Ausgabeaufschlag von 3,5 Prozent kommen jährliche Gebühren von 1,2 Prozent. Doch überdurchschnittlich hoch werden die Abschläge für Sparer vor allem durch die Konstruktion als Dachfonds. „Dadurch sind die Kosten kaum niedriger als bei guten fondsgebundenen Versicherungen“, klagt Nauhauser. Sie investieren in andere Fonds, die dem Dachfonds jährlich Gebühren von bis zu 1,5 Prozent berechnen. Das schmälert die Rendite. Kostengünstiger wäre es, wenn der Rürup-Fonds direkt in Aktien und Anleihen investieren würde.
Hinzu kommt: Am attraktivsten sind Rürup-Produkte für gut verdienende ältere Sparer, die weniger als zehn Jahre bis zum Ruhestand haben. Für eine so kurze Zeit legt selbst die spekulative Version des Deka-Fonds fast nur noch in Rentenfonds an - mit einer Kostenquote von fast zwei Prozent im Jahr ist das nicht gerade billig. „Dafür kann man auch in eine klassische Rürup-Versicherung einsparen“, betont der Verbraucherschützer.
Erschwerte Vererbbarkeit
Zudem stellt sich die Frage, für wen Rürup-Produkte überhaupt die richtige Form der privaten Altersvorsorge sind: Wer riestern kann, sollte das bevorzugen. Wer selbständig ist, hat oft mehr davon, wenn er privat ohne Förderung spart. „In kostengünstige Indexfonds zu investieren kann sinnvoller sein - trotz fehlender Steueranreize“, sagt Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum. „Zudem erhält privates Sparen die Flexibilität.“ Der Anleger kann frei wählen, welchen Fonds er nimmt und was mit dem Geld bei Rentenbeginn passiert. Die Rürup-Rente ermöglicht hingegen nur die Auszahlung als Monatsrente, nicht aber das Abzweigen einer größeren Summe für eine teure Anschaffung.
Stirbt der Rürup-Rentner, bekommen Ehepartner und Kinder nichts ausgezahlt, es sei denn, der Sparer hat einen Zusatzvertrag abgeschlossen. Uneheliche Lebenspartner gehen ganz leer aus. Bei den Rürup-Fonds der Deka muss das angesparte Geld bei Renteneintritt zudem in eine Rentenpolice umgeschichtet werden. Das kostet Rendite. Seit 2006 werden die Beiträge zur Rürup-Rente aber nicht mehr mit Beiträgen für Haftpflicht- und Lebensversicherungen verrechnet und mindern damit die Steuerlast stärker als bisher. Sie sind derzeit zu 66 Prozent steuerlich absetzbar - bis zum Höchstbetrag von 20000 Euro. Und bei Insolvenz des Selbständigen wird das Rürup-Vermögen nicht angetastet, Kapital aus ungefördertem Sparen schon.
viele Fehler und Volksverdummung
Stephan Rawolle (StephanRawolle)
- 11.02.2008, 10:26 Uhr
Rürup? Fragen Sie mal nach dem Sparanteil und den Verwaltungskosten!
Marko Hrbat (Hrbat)
- 11.02.2008, 11:06 Uhr
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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