05.11.2009 · Das Londoner Fachgremium IASB plant neues Modell der Risikovorsorge in Bilanzen. Die Reform ist eine Konsequenz aus der Finanzkrise, könnte ein Frühwarnsystem, würde aber auch erheblich mehr Aufwand bringen.
Von Bettina Schulz, LondonIn der Rechnungslegung werden weitere Konsequenzen aus der Finanzkrise gezogen. Im Rahmen der Reform der internationalen Bilanzregeln IFRS will der Londoner International Accounting Standards Board (IASB) auf ein neues Modell bei der Erfassung der Risikovorsorge im Kreditgeschäft übergehen.
Diese Änderung ist folgenschwer, betrifft den Ansatz von zwei Dritteln aller Abschreibungen, die Banken tätigen, und wird zu erheblichen Systemveränderungen, zeitlichem Aufwand und Kosten bei Banken führen. Der am Donnerstag vom IASB präsentierte Reformentwurf wurde von den Regierungschefs der G-20-Länder angestoßen und betrifft den Standard IAS 39. Die IFRS-Regeln müssen von allen kapitalmarktorientierten europäischen Unternehmen angewendet werden.
Frühwarnsystem für faule Zinserträge
Bislang müssen Banken vertraglich vereinbarte Zinserträge in voller Höhe über die Gewinn- und Verlustrechnung fließen lassen, selbst wenn sie auf Dauer mit Ausfällen, niedrigeren Zinserträgen und gar Abschreibungen rechnen. Erst wenn der Schrecken da ist und der Kunde nicht mehr zahlt, darf die Bank Abschreibungen vornehmen, die dann aber schlagartig die Gewinn- und Verlustrechnung treffen. Dieses „Modell der eingetretenen Verluste“ soll Aktionären ein korrektes Bild der momentanen Kreditsituation widerspiegeln. Die Regelung bezieht sich auf alle Finanzinstrumente, die zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert werden.
In der Finanzkrise hatte diese Rechnungslegung fatale Folgen: Zu lange gaukelte das Zahlenwerk vor, dass mit dem Kreditbestand alles in Ordnung sei, obwohl Banken bereits fürchten mussten, dass die Rezession massive Kreditausfälle mit sich bringen würde. Obwohl zu erwarten war, dass ein Teil der Kreditnehmer Schwierigkeiten haben würde, Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, war es nicht erlaubt, diese Ausfallerwartungen in die Gewinn- und Verlustrechnung einfließen zu lassen. Die böse Überraschung kam mitten in der Rezession, als es Kreditausfälle hagelte und die Banken schlagartig hohe Abschreibungen bilden und massive Verluste ausweisen mussten.
In Spanien wird dieses Problem aufsichtsrechtlich aufgefangen, indem die Banken einen Teil ihres Zinsertrages als Rückstellung für den Kreditnotfall einbehalten müssen. Dies erklärt nach Ansicht von Experten, warum spanische Banken die Finanzkrise glimpflicher überstanden haben als amerikanische und andere europäische Institute.
Viel aufwändiger
Das neue von der IASB präsentierte Modell will die erwarteten Kreditverluste von Anfang an bei der Verbuchung der Zinserträge berücksichtigen. Banken sollen die Ausfallerwartungen über die Verbuchung der Effektivzinsen bei der Ermittlung der Zinserträge einfließen lassen. Damit würden künftig Zinserträge in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht, die um einen Korrekturfaktor der Ausfallerwartung reduziert wurden. Es würde die Verbuchung der Zinserträge verstetigen und den krassen Effekt hoher Abschreibungen dämpfen, wenn die Bank wirklich den Kreditausfall zu verkraften hätte. Werden die Ausfallerwartungen nämlich richtig angesetzt, muss im Notfall mit Abschreibungen nicht nachgekartet werden.
„Jedoch müssen die Ausfallerwartungen bei diesem Modell der erwarteten Zahlungsströme stetig angepasst werden, was einen erheblichen Aufwand für die Banken darstellt“, sagt Burkhard Eckes, Partner von Pricewaterhouse Coopers (PWC) in Frankfurt. Einfacher werde die Rechnungslegung dadurch nicht, der Umstellungsaufwand werde groß und außerdem bestehe die Gefahr, dass die Öffentlichkeit das Modell mit dem Baseler Ansatz verwechsele, der mit Blick auf die Kapitalunterlegung ähnliche, aber andere Ausfallerwartungen anwende. „Die künftigen Zahlungsströme müssen immer wieder neu geschätzt und geprüft werden und Banken müssen detailliert aufschlüsseln, wie sie zu ihren Bewertungsansätzen kommen. Dies wird eine Herausforderung für die Banken sein“, warnt Peter Flick von PWC in Frankfurt.
Sir David Tweedie, der Verwaltungsratsvorsitzende der IASB, gab am Donnerstag zu bedenken, dass nicht unterschätzt werden solle, wie schwierig die Anwendung dieses Modells sei. Gerade deshalb besetzt der IASB ein Expertengremium für die Begutachtung, befragt Marktteilnehmer bis Juni kommenden Jahres nach ihrer Reaktion und räumt Banken drei Jahre Übergangszeit ein, sollte auf das neue System umgestellt werden. In den Vereinigten Staaten erwägt der Financial Accounting Standards Board (FASB) eine ähnliche Änderung der Rechnungslegung (US GAAP).
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
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| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
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| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
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| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
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| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
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