07.10.2004 · Wegen der Verwicklung der Deka in den Frankfurter Immobilienskandal fürchten Sparkassen einen verstärkten Ausverkauf bei den Deka-Immobilienfonds. Zur Sicherung der Liquidität wird bereits an Notplänen gearbeitet.
Die Dekabank ist dabei, das Vertrauen ihrer Vertriebsstellen, der Sparkassen, zu verlieren. Wegen der Verwicklung der Deka in den Frankfurter Immobilienskandal haben einige Sparkassen die Befürchtung, immer mehr ihrer Kunden könnten die Immobilienfonds der Deka verkaufen. Die Sparkassen-Finanzgruppe insgesamt arbeitet bereits an Notfallplänen, wie die Liquidität der Fonds gesichert werden kann. Am kommenden Mittwoch soll es auf einer außerordentlichen Verwaltungsratssitzung Entscheidungen geben (siehe untenstehendes Interview).
Die Deka selbst hat ihre Möglichkeiten offenbar bereits weitgehend ausgeschöpft. Nach Informationen dieser Zeitung hat die Dekabank dem deutschlandlastigen Deka-Immobilienfonds bereits einen Kredit in Höhe von rund 825 Millionen Euro gegeben. Das ist die gesetzliche Höchstgrenze angesichts eines haftenden Eigenkapitals der Bank von 3,3 Milliarden Euro. Zudem hat der Fonds zwei Objekte verkauft. „Sobald ein Sparkassen-Kunde Anteile des Deka-Immobilienfonds verkauft, übernehmen die Deka und die Verbundpartner die Anteile, so daß sich die Liquidität in dem Fonds nicht weiter reduziert“, sagte ein Sprecher der Dekabank am Mittwoch. Die Bankenaufsicht kann Ausnahmen von der Großkrediteinzelgrenze zulassen.
„Falsch-Beratung“ und „unvertretbares Kreditrisiko“
Der Vorstand der Dekabank hat in einem Brief die Sparkassen um Hilfe gebeten (F.A.Z. vom 5. Oktober). Dieser Brief hat dem Vernehmen nach großen Unmut der Sparkassen-Vorstände hervorgerufen. Darin fordert der Deka-Vorstand die Sparkassen auf, gegen die Mittelabflüsse aus dem deutschlandlastigen Deka-Immobilienfonds vorzugehen. Nach Angaben der Deka sind aus diesem Fonds zwischen Anfang Januar und Ende August 1,2 Milliarden Euro abgeflossen. Das Fondsvolumen betrug Ende August 5,8 Milliarden.
Nach von der Deka nicht bestätigten Informationen dieser Zeitung sind aus diesem Fonds allein im September noch einmal rund 500 Millionen Euro abgeflossen. Deshalb sollen die Sparkassen ihre Anstrengungen beim Verkauf der Fonds erhöhen. Dafür hat die Deka höhere Verkaufsboni zugesagt. Gleichzeitig bittet der Deka-Vorstand, die Sparkassen sollten die Deka-Immobilienfondsanteile in ihren Eigenbestand nehmen, die ihre Kunden abstoßen. Beide Wünsche seien ungehörig, heißt es von den Sparkassen. „Falsch-Beratung“ und „unvertretbares Kreditrisiko“ seien unverantwortlich. Die Dekabank hält entgegen, die Objekte des Deka-Immobilienfonds hätten immerhin eine Mietrendite von 4,6 Prozent.
10 Prozent der verkauften Fonds keine Fonds der Deka
Die Sparkassen stecken in einem Dilemma. Die Deka gehört ihnen zur Hälfte. Die andere Hälfte gehört den Landesbanken, die auch zur Sparkassen-Gruppe gehören. Seit zwei Jahren versucht die Deka, die im Branchenvergleich insgesamt schlechte Wertentwicklung ihrer Fonds zu verbessern - bislang ohne Erfolg. Der Immobilienskandal und die „ungehörige Bitte“ kommen nun auf die Kundenbeschwerden über die enttäuschende Wertentwicklung aus Sicht der Sparkassen nun noch hinzu.
Nach Angaben der Deka sind bislang nur 10 Prozent der in Sparkassen verkauften Fonds keine Fonds der Deka oder ihrer Partner. Damit steht die Deka bislang gut da. Im Volksbankenlager oder bei der Deutschen Bank ist die Fremdfondsquote viel höher. Sparkassen-Experten sind sich ziemlich sicher, daß die Deka gerade dabei ist, ihren Kredit bei den Sparkassen zu verspielen. Die Sparkassen könnten künftig deutlich weniger Deka-Fonds und mehr Fremd-Fonds verkaufen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |