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„Ausgezeichnete Idee“ Fondsbranche befürwortet Beipackzettel

16.01.2010 ·  Jean-Baptiste de Franssu, Präsident der Efama, unterstützt die Einführung des umstrittenen Beipackzettels für Finanzprodukte. Gleichzeitig fordert er im Gespräch mit der F.A.Z. für alle Anlageprodukte eine vergleichbare Vorschrift.

Von Christian von Hiller
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Der europäische Fondsverband Efama unterstützt die Einführung des umstrittenen Beipackzettels für Finanzprodukte. „Das ist eine ausgezeichnete Idee, aber es ist wichtig, dass er für alle Anlageprodukte in vergleichbarer Form gilt“, sagte Jean-Baptiste de Franssu, Präsident der Efama und Vorstandsvorsitzender der amerikanischen Fondsgesellschaft Invesco in Europa, im Gespräch mit der F.A.Z.. Er habe schon vor 25 Jahren an dem Thema gearbeitet, als er an einer französischen Wirtschaftshochschule studierte, und freue sich, dass es nun aufgegriffen werde.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte vor einigen Monaten schon eine Idee der Verbraucherschutzzentralen aufgegriffen und eine Art Beipackzettel für alle Geldanlagen angeregt. Darauf sollten – ähnlich wie für Medikamente – Eigenschaften und Risiken von Finanzprodukten aufgelistet werden. Doch die deutschen Banken wollen der Ministerin bisher nicht folgen, mit Ausnahme der ING Diba und der Deutschen Bank. Die ING Diba führt auf ihrer Internetseite seit September in zehn Stichpunkten die wichtigsten Informationen für 22 ihrer Produkte auf. Die Deutsche Bank startete in diesem Jahr mit ihrer Version und listet über grafische Symbole die wichtigsten Eigenschaften zu einer Geldanlage auf. Nach und nach will die Deutsche Bank ihren Beipackzettel auf Investmentfonds und Zertifikate ausdehnen.

„Wir brauchen vergleichbare Regeln für alle Finanzprodukte“

De Franssu hält die europäische Fondsbranche für führend, was die Aufklärung der Anleger angeht. „Hinsichtlich Transparenz und Information tun wir schon heute wahrscheinlich mehr als jeder andere in der europäischen Finanzbranche“, sagte der Präsident der Efama, eines europäischen Zusammenschlusses von 24 nationalen Fondsverbänden und 42 Investmentgesellschaften. „Wir sind die Musterschüler in der Klasse.“ Investmentfonds seien transparenter als viele andere Finanzprodukte, wobei de Franssu besonders Lebensversicherungen und Zertifikate als Negativbeispiele hervorhob. „Wir brauchen vergleichbare Regeln für alle Finanzprodukte, die in Europa zum Vertrieb zugelassen sind.“

Besonders die Vergleichbarkeit von Finanzprodukten lasse zu wünschen übrig. Selbst in einem Beratungsgespräch würden die Anleger mit völlig unterschiedlichen Arten der Präsentation von Finanzprodukten konfrontiert, was die Entscheidung für die eine oder andere Geldanlage erschwere. „Wir brauchen vergleichbare Informationen für die Geldanlage“, forderte deshalb de Franssu und unterstützt die Einführung einer einheitlichen Produktinformation, wie sie mit dem Beipackzettel angestrebt wird.

Dieser ist in den Augen der Efama jedoch nur ein Baustein. „Der Anleger braucht bessere Informationen, aber er muss auch in die Lage versetzt werden, diese Informationen zu verstehen“, plädierte de Franssu für eine bessere Bildung und Aufklärung der Anleger in Finanzangelegenheiten. Auch müsse für den Anleger deutlicher werden, in welchen Abhängigkeiten sich der Finanzberater befindet, bei dem er Rat sucht. Der Anleger könne auch kaum einschätzen, wie gut der Finanzberater ausgebildet ist. „Die Finanzkrise hat weniger grundlegende Probleme in der Fondsbranche offenbart als vielmehr im Vertrieb von Finanzprodukten“, stellte de Franssu fest.

„Private Altersvorsorge im Interesse aller Europäer“

Für seine Amtszeit plant de Franssu, der im vergangenen Jahr den Vorsitz im europäischen Fondsverband übernommen hatte, zudem einen Vorstoß für einen europäischen langfristig angelegten Sparplan. „Wir brauchen mehr Riester-Renten in Europa“, sagte de Franssu unter Anspielung auf das deutsche Modell, das zum Ziel hat, mit staatlicher Förderung eine private Altersvorsorge aufzubauen und so die gesetzliche und betriebliche Altersvorsorge zu ergänzen. Banken, Versicherer oder Fondsgesellschaften müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um entsprechende Produkte anbieten zu können.

„Ein solcher Ausbau der privaten Altersvorsorge ist im Interesse aller Europäer“, wirbt de Franssu für seinen Vorschlag. In vielen europäischen Ländern gebe es ähnliche Formen der privaten Altersvorsorge wie in Deutschland mit der Riester-Rente. Doch bisher werde die Mobilität von Arbeitskräften innerhalb der Europäischen Union dadurch behindert, dass diese nationalen Formen der Altersvorsorge nicht aufeinander abgestimmt und allesamt verschieden seien. Deshalb fordert de Franssu: „Wir brauchen eine Riester-Rente für ganz Europa.“

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