22.09.2006 · Gab es bis Anfang des Jahres an den Finanzmärkten eindeutige Trends, so ist die Lage inzwischen verworrener geworden. Institutionelle Anleger sind nach einer Untersuchung der State Street Global Advisers defensiv positioniert.
Gab es bis Anfang des laufenden Jahres an den Finanzmärkten noch eindeutige Trends, so ist die Lage inzwischen verworrener geworden. Das schlägt sich auch im Verhalten der institutionellen Anleger nieder, das State Street Global Markets in regelmäßigen Abständen untersucht.
Im Unterschied zu anderen Studien analysiert diese das tatsächliche Handeln dieser Anleger. Alleine schon aus diesem Grund dürfte es sich lohnen, genauer hinzuschauen. Immerhin beschäftigt sich diese Anlegergattung professionell mit den Finanzmärkten und setzt in der Regel auch die Trends, auf die die Privatanleger nicht selten mit einer gewissen Verspätung aufspringen.
Institutionelle sind defensiv positioniert ...
Das zeigte sich unter anderem im vergangenen Mai. Denn in der letzten Woche des April und in der ersten Maiwoche wurden die von den institutionellen Anlegern verantworteten Mittelflüsse in die Schwellenländer negativ, während sie sich in Hersteller von dauerhaften Konsumgütern und hochrentierliche Branchen einkauften. Alle diese Trends haben sich seitdem nicht nur bestätigt, sondern sind sogar noch ausgeprägter geworden.
Dauerhafte Konsumgüter, Versorgerwerte, Nahrungsmittel-, Getränke- und Tabakhersteller und nicht zuletzt auch Pharmawerte konnten Anlagegelder anziehen. Diese Entwicklung lasse sich erklären mit der Erwartung, daß sich die konjunkturelle Dynamik in den kommenden Monaten abschwächen werde, heißt es in der jüngsten Analyse. Das führe zur Vermutung, daß diese Branchen in einem solchen Umfeld besser abschneiden werden, als der breite Markt und vor allem auch besser als Aktien von Basismaterial- und Industriegüterherstellern.
Die Anleger scheinen bei ihrer Positionierung auf vorlaufende Indikatoren zu achten. Diese hatten zu Beginn dieser Repositionierung ein Hoch markiert und drehten danach nach unten. In der Vergangenheit folgte die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung diesen Indikatoren mit einer Verzögerung von durchschnittlich fünf Monaten. So warten die Institutionellen nun genau darauf.
... während der Devisenmarkt die Fakten bisher noch ignoriert
Dagegen scheint der Devisenmarkt auf diese Entwicklung bisher nicht zu reagieren, denken die Analysten von State Street. Hätte man in den vergangenen Wochen einen Korb von Währungen der Staaten mit den besten Leistungsbilanzdaten ge- und dagegen Währungen jener Staaten mit den schlechtesten Leistungsbilanzen verkauft, so hätte man einen deutlichen Verlust eingefahren. Das sei außergewöhnlich, wenn man die makroökonomischen Ungleichgewichte betrachte, die eigentlich nur durch eine Anpassung der Wechselkurse korrigiert werden könnten.
Kurioserweise seien gleichzeitig nicht nur die Kapitalströme in die Vereinigten Staaten ungewöhnlich schwach ausgefallen, sondern der Markt habe auf Versuche der Europäischen Zentralbank, den Yen „stark zu reden“, kurzfristig auch noch mit Yen-Verkäufen reagiert. Immerhin scheinen diese Übertreibungen inzwischen wieder etwas abgebaut worden zu sein.
Tatsache ist, daß die Institutionellen Anleger zur Zeit nicht in das Lager der Aktienoptimisten zu rechnen sind. Sie rechnen mit nachlassendem Wachstum und haben sich entsprechend positioniert. Dazu zählen unter anderen verstärkte Zukäufe in Europa, während die Schwellenländermärkte offensichtlich an Attraktivität verloren haben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |